Brandenburg und die Flammen | Aktuell Deutschland | DW | 24.08.2018
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Waldbrände

Brandenburg und die Flammen

Brandenburg erlebt eines der größten Feuer seiner Geschichte. Mehrere Dörfer wurden evakuiert, die Feuerwehr konnte trotz widriger Bedingungen das Schlimmste verhindern. Aus Treuenbrietzen Ben Knight.

Drei evakuierte Dörfer, 400 Hektar Wald in Flammen - es ist ein gewaltiges Feuer, das sich durch Teile Brandenburgs frisst. Schon jetzt handelt es sich um einen der größten Waldbrände in der Geschichte des Bundeslandes seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Feuer erzeugt solche Rauchmengen, dass selbst Menschen im 60 Kilometer entfernten Berlin am Freitagmorgen aus Angst die Nummern der Notdienste anriefen. Zugleich waren rund um die Brandenburger Wälder laute Explosionen zu hören: In der Hitze gingen alte Munitionsbestände aus dem Zweiten Weltkrieg in die Luft.

Armeehubschrauber, Polizeitrupps mit Wasserwerfern und Feuerwehrleute aus dem ganzen Land waren eingezogen worden, um die nach wochenlanger Trockenheit ausgebrochenen Flammen zu bekämpfen. Die kamen nicht überraschend: In Brandenburg habe es in den letzten Wochen bereits 300 bis 400 kleinere Waldbrände gegeben, sagt Ingo Decker, Sprecher des Brandenburger Innenministeriums. Zwar kenne man die genauen Ursachen nicht, Brandstiftung schließe man aber aus.

Noch nicht alle Menschen zurückgekehrt

Rund 600 Menschen aus drei Dörfern mussten am Donnerstag evakuiert werden. Die meisten von ihnen fanden in der nahe gelegenen Ortschaft Treuenbrietzen entweder bei Bekannten oder in Ferienwohnungen eine Unterkunft. Nur etwa 20 Personen mussten in der städtischen Sporthalle untergebracht werden Am Freitagnachmittag war das Feuer so weit unter Kontrolle, dass die Bewohner des Dorfes Frohnsdorf in ihre Häuser zurückkehren konnten.Der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke erschien persönlich in der Halle, um ihnen die gute Nachricht zu überbringen.

Deutschland Treuenbrietzen Waldbrände | Dietmar Woidke trifft Betroffene (DW/B. Knight)

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke im Gespräch mit den Anwohnern

Woidke erklärte aber auch, dass eine Fläche von rund 250 Hektar Wald weiterhin brenne und darum noch unklar sei, wann die Bewohner der beiden anderen evakuierten Dörfer wieder in ihre Häuser zurückkehren könnten. Trotz der Erleichterung und der Solidarität hat das Feuer die kleine Gemeinde deutlich getroffen. Einige der meist älteren Menschen, die zum Frühstück und zur Information in die Sporthalle gekommen waren, hatten Tränen in den Augen, als sie von der Evakuierung berichteten. Umso erleichterter waren sie über die Nachricht, dass kein einziges Haus beschädigt worden war.

Großes Lob für die Arbeit der Rettungskräfte

Er und seine Frau hätten ungefähr eine halbe Stunde Zeit gehabt, um das Notwendigste zu packen, sagt Joachim Kaiser, der seit 54 Jahren in Frohnsdorf lebt. Zugleich ist er voller Lob für die Rettungskräfte und das organisatorische Geschick der Gemeindeverwaltung. "Wir waren ernsthaft besorgt", so Kaiser im Gespräch mit der DW. "Wir leben direkt am Wald - ich brauche nur fünf Schritte zu tun, und ich bin mittendrin. Ich habe allergrößten Respekt dafür, wie die Dinge hier organisiert worden sind."

Deutschland - Waldbrand in Brandenburg (picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Ein Wasserwerfer der Polizei bei der Brandbekämpfung in einem Wald bei Treuenbrietzen

Kaiser berichtet, wie am Donnerstagnachmittag die ersten Feuerwehrleute eintrafen. Mit Kettensägen machten sie den Weg für die Feuerwehrautos frei - zur großen Erleichterung der Anwohner, die sich bereits gesorgt hatten, dass die Waldwege zu schmal sein könnten, um die großen Fahrzeuge durchzulassen. "Wie wollen die das schaffen?", habe ein Nachbar voller Unruhe gefragt. "Der Platz hier reicht bei weitem nicht. Die können das Feuer nur aus der Luft bekämpfen."

Die Lage sei "höchst besorgniserregend" gewesen, bestätigt ein anderer Dorfbewohner, Herbert Zienicke. Am Donnerstag habe er erstmal den Rauch in der Luft bemerkt. "Ich habe zu meiner Frau gesagt, wir müssen die Fenster schließen, da kommt Rauch", erzählt er. "Die Leute waren unruhig, sie standen auf der Straße, redeten, tauschten Neuigkeiten aus. Gegen 17:30 Uhr hieß es dann, dass Frohnsdorf wahrscheinlich evakuiert werden muss."

Gefahr durch alte Munitionsbestände

Am Freitagmorgen beantwortete Dietmar Woidke die Fragen der Presse. Die Situation bleibe insgesamt angespannt, so der Ministerpräsident Brandenburgs. Die Feuerwehr fürchte derzeit, dass der Wind sich drehen könnte. Und das könnte wiederum dazu führen, dass bereits gelöschte Brände sich ein weiteres Mal entzündeten.

Deutschland - Waldbrand in Brandenburg (picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Verbrannte Erde: Spuren des Feuers in Brandenburg

Woidke bezeichnete die Arbeit der Feuerwehr als "fast übermenschlich". Ebenso war er voll des Lobes für die Menschen in der Region. Diese würden helfen, wo immer sie könnten. Landwirte stellten ihre Beregnungswagen für Wassertransporte zur Verfügung, Menschen riefen im Ministerium an, um zu fragen, wie sie helfen könnten. "Und Bürger aus dem gesamten Land fragen uns, ob sie etwas spenden können."

Brisant sei die Lage vor allem wegen der Munition, die während des Zweiten Weltkrieges in den Wäldern deponiert wurde. Später habe die Sowjet-Armee das Terrain als Übungsgelände genutzt. Die dort weiterhin befindlichen Restbestände stellten eine "große Gefahr" für die Feuerwehr dar, so Woidke.  "Wir in Brandenburg sind hier in einer ganz besonderen Situation", sagte er. Es handele sich um eine 100.000 bis 120.000 Hektar große Fläche, die noch nicht restlos von alten Munitionsbeständen im Boden befreit sei. "Das ist natürlich eine große Gefahr in einer Waldbrandsituation, denn es hindert die Rettungskräfte daran, zum Feuer zu kommen."

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