Bolivianische Bergleute schlagen Vizeminister tot | Aktuell Amerika | DW | 26.08.2016
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Aktuell Amerika

Bolivianische Bergleute schlagen Vizeminister tot

Der stellvertretende Chef des bolivianischen Innenressorts wollte in einem Konflikt mit Bergarbeitern in der Stadt Panduro vermitteln. Doch die immense Wut der Kumpel wurde Rodolfo Illanes zum Verhängnis.

Sein Stellvertreter Rodolfo Illanes sei am Donnerstag (Ortszeit) in Panduro, 165 Kilometer südöstlich von La Paz getötet worden, teilte Innenminister Carlos Romero in der bolivianischen Hauptstadt mit. "Er wurde totgeschlagen, Vizeminister Illanes wurde feige und brutal ermordet", sagte Romero. Der Leibwächter von Illanes sei verletzt in ein Krankenhaus gebracht worden. Der 55-Jährige Politiker habe sich am Donnerstagmorgen zu einer Landstraßenblockade der Bergarbeiter begeben, um einen Dialog einzuleiten. Dabei sei er von den Demonstranten als Geisel festgehalten worden.

Erste Berichte über den Tod des Politikers kamen vom Direktor des Rundfunksenders der Bergleute, Fedecomin. Moisés Flores hatte Radio Erbol gesagt, er habe nach Zusammenstößen zwischen den Bergarbeitern und der Polizei die Leiche von Illanes gesehen. Bei den Auseinandersetzungen sei auch ein Kumpel erschossen worden, sagte der Journalist. Am Vortag waren bereits zwei Kumpel der protestierenden Bergarbeiter-Genossenschaften getötet worden. Die Demonstranten machten die Polizei verantwortlich. Die Regierung hingegen warf den Bergarbeitern vor, sie seien bewaffnet gewesen. Die Polizei selbst sei ohne Schusswaffen im Einsatz gewesen, 17 Beamte hätten Verletzungen erlitten.

Bolivianische Polizisten versuchen, eine von den Kumpel blockierte Landstraße zu räumen (Foto: Reuters/D. Mercado)

Bolivianische Polizisten versuchen, eine von den Bergarbeitern blockierte Landstraße zu räumen

Die in selbst organisierten Genossenschaften zusammengeschlossenen Bergarbeiter protestieren seit Anfang August mit den Blockaden von Landstraßen gegen ein neues Gesetz. Dieses sieht vor, dass Kumpel sich Gewerkschaften anschließen dürfen. Der Verband der Bergarbeiter-Genossenschaften (Fencomin) ist gegen den Einfluss von Gewerkschaften in diesem Sektor. Er vertritt rund 10 000 Bergarbeiter von 900 Genossenschaften.

Die Kumpel fordern zudem mehr Schürfrechte und die Möglichkeit, für Privatfirmen zu arbeiten. Fencomin hat zu unbefristeten Protesten aufgerufen, nachdem Verhandlungen mit der bolivianischen Regierung gescheitert waren. Die Fencomin war einst ein enger Verbündeter des linken Präsidenten Evo Morales.

sti/ml (dpa, kna, rtr)

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