Bode-Museum: Abrahams Erben am Nil | Kunst | DW | 03.04.2015
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Kunst

Bode-Museum: Abrahams Erben am Nil

Der Name Abraham bedeutet "Vater vieler Völker". Wie wörtlich das zu nehmen ist, zeigt eine Ausstellung im Bode-Museum Berlin. Wobei Juden, Christen und Muslime weit mehr verbindet als nur ihr gemeinsamer Stammvater.

Abraham (Foto: Staatliche Museen zu Berlin)

Ein Gott – Abrahams Erben am Nil: Tafelbild des Apa Abraham

Abraham war der erste - so die Lehre - der sich zum Glauben an den einen Gott bekannte und damit den Grundstein für eine monotheistische Religion legte, die sich von den damals weit verbreiteten Vielgötterreligionen sehr unterschied. Mit der Inschrift "Gott", auf Griechisch, Hebräisch und Arabisch, beginnt auch die ungewöhnliche Ausstellung "Ein Gott – Abrahams Erben am Nil. Juden, Christen und Muslime in Ägypten von der Antike bis zum Mittelalter" im Berliner Bode-Museum. Konzentriert lenkt sie den Blick des Besuchers zuerst auf die Grundlage gleichermaßen von Judentum, Christentum und Islam: das geschriebene Wort, zu einer verbindlichen Lehre verfasst im Tanach, der Bibel und dem Koran. Die kunstvoll gestalteten Bücher und Schriften laden zum Betrachten ein, der lebendige Rhythmus der Kalligrafien in verschiedenen Sprachen fasziniert.

Synagogen, Kirchen und Moscheen

250 archäologische Objekte aus dem eigenen Bestand des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung der Staatlichen Museen zu Berlin, ergänzt um wenige Leihgaben aus dem British Museum und dem Musée du Louvre, wollen, nach Themen geordnet, das religiöse und alltägliche Leben in Ägypten widerspiegeln. Wobei das prosperierende Land am Nil jahrhundertelang Menschen vieler Religionen beheimatete; besonders seine Metropole Alexandria - der in der Ausstellung ein eigener Raum gewidmet ist - galt lange als "Melting Pot" verschiedenster Sprachen, Kulturen und Weltanschauungen.

Gezeigt werden nun Keramik- und Metallgegenstände, Holzschnitzereien, Steinmetzarbeiten, Textilien und Schmuck. Dabei wirkt jedes Objekt sorgfältig ausgewählt und 'in Szene gesetzt', wie Friederike Seyfried, die Direktorin des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung, anmerkt. In dem stark abgedunkelten Raum im Untergeschoss des Bode-Museums treten die präzise angestrahlten Gegenstände umso plastischer hervor, Reliefs aus Sakralbauten - Synagogen, Kirchen und Moscheen - und Skulpturen mit religionsspezifischen Motiven. Wesentlich für die sehr konzentrierte Schau ist die Zu- und Einordnung der Dinge. In einer Vitrine werden, zum Beispiel, kunstvoll gestaltete Steinbehältnisse, die Teil von Wasseranlagen waren, gezeigt. Die Beschriftungen dazu zitieren Textstellen aus Tanach, Bibel und Koran, die auf die jeweilige religiöse Bedeutung des Wassers verweisen.

Schale mit farbiger Bemalung (Foto: Staatliche Museen zu Berlin)

Ein Gott – Abrahams Erben am Nil: Schale mit farbiger Bemalung

Von der ägyptischen Isis zur christlichen Maria

Obwohl die Ausstellung nicht sehr weitläufig ist, erfordert sie dennoch Zeit, denn jedes Objekt und jede Beschriftung in dieser konzentrierten, emblematisch angelegten Präsentation ist wichtig, wenn man den Zusammenhang verstehen will. Ohnehin wird dem Betrachter einiges abverlangt, denn obwohl die jahrhundertealten kunsthandwerklichen Gegenstände eine wunderbare Ausstrahlung haben, können sie keinen umfassenden Eindruck vom Leben am Nil von der Antike bis ins Mittelalter geben. Die Objekte sind aus ihrem alltäglichen oder religiösen Zusammenhang herausgelöst und bleiben deshalb abstrakt. Auch der in der Beschriftung gegebene jeweilige kurze Verweis auf ihren religiösen Bezug fügt eher eine weitere abstrakte Ebene hinzu.

Dennoch weist die Ausstellung "Ein Gott - Abrahams Erben am Nil" anschaulich darauf hin, dass Kulturen und Religionen in Ägypten weitaus vielfältiger waren und ihre Grenzen fließender als wir uns das heute vorstellen. Wie stark sie sich gegenseitig beeinflussten, lässt sich konkret an bestimmten Motiven in Malerei und Skulptur verfolgen, wie etwa den "orientalischen Muttergottheiten", erläutert Direktorin Friederike Seyfried. Dargestellt "im alten Ägypten als Isis mit dem Horus-Knaben", wird das Bild der stillenden Mutter weitergeführt "in die frühchristliche Tradition der 'Maria lactans', die das Jesuskind stillt".

Friedliches Zusammenleben damals und heute

Fischampulle (Foto: Staatliche Museen zu Berlin)

Ein Gott – Abrahams Erben am Nil: Fischampulle

Als letztes Thema wendet sich die Schau dem Tod zu. Die Vitrine am Ende des Rundgangs enthält Grabsteine aus den drei Religionsgemeinschaften Judentum, Christentum und Islam, "so etwas gab es bisher wohl in keiner Ausstellung", merkt Friederike Seyfried an. "Und da der Tod in allen drei Religionen nicht das Ende der Reise bedeutet, sondern den Aufbruch in eine neue Zukunft, enden wir auch nicht traurig" - sondern mit einer bildlichen Darstellung des Paradieses, das sich alle drei Religionen als Garten vorstellen.

Die Geschichte der drei Buchreligionen, die sich auf Abraham als Stammvater berufen, endet jedoch nicht im Mittelalter, so wie der Zeitraum, den die Ausstellung betrachtet. Die Schau versucht deshalb, eine Brücke in die Gegenwart zu schlagen mit einer Reihe kurzer Dokumentarvideos. In Ägypten lebende Gläubige und Geistliche sprechen darin über ihre Sicht auf Religion und Zusammenleben heute. Kurz werden auch einige religiöse Feste und Berufe gezeigt, die in jahrhundertealter Tradition fortgeführt werden. Und es gelingt den völlig unspektakulären kleinen Dokumentarfilmen wirklich, die Geschichte der im Bode-Museum ausgestellten Objekte - der Zeugen aus mehreren Jahrtausenden - in die Gegenwart weiterzuerzählen. Plötzlich lässt sich auch erahnen, welche Kraft diesen Religionen innewohnt und wie sehr sie mit dem Leben verwoben sind, auch wenn wir das heute häufig nicht mehr wahrnehmen.

Wirtschaftliche Prosperität als Grundlage

Eine Botschaft, die sowohl die Filme als auch die ausgestellten Kunstgegenstände vermitteln, ist, dass ein friedliches Zusammenleben zwischen verschiedenen Religionen möglich und erstrebenswert ist. Dafür braucht es jedoch, so Friederike Seyfried, auch Voraussetzungen: "Dass nach der islamischen Eroberung ein so gutes Zusammenleben möglich war", erläutert die Direktorin des Ägyptischen Museums, "lag sicher daran, dass die islamische herrschende Schicht die anderen Religionsgemeinschaften toleriert hat, zum Teil als 'Bürger mit anderen Rechten', auch mit Kopfsteuern. Aber die wirtschaftliche Situation war auch so, dass sie ein tolerantes Miteinander ermöglicht hat. Man hat das akzeptiert. Ich denke, je besser es einer Gesellschaft auch wirtschaftlich geht, umso weniger Konfliktpotential gibt es."

Wünschenswert wäre eine ähnliche Ausstellung in einem größeren Rahmen - und finanziell besser ausgestattet. Nicht nur wäre der Zustrom interessierter Besucher gewiss, sondern es wäre dadurch auch eine ganz andere Diskussionsgrundlage für ein friedliches Miteinander gegeben als die gewöhnlichen Appelle, die meist verhallen.