Blogger Protassewitsch jetzt in Hausarrest | Aktuell Europa | DW | 25.06.2021
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Belarus

Blogger Protassewitsch jetzt in Hausarrest

Die belarussische Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja spricht von einer "guten Nachricht". Sie betont allerdings, dass Hausarrest keine Freiheit bedeute.

Belarus Minsk | Roman Protassewitsch

Mehrfach wurde der Blogger während seiner Haft der Öffentlichkeit vorgeführt (Archivbild)

Der nach der Zwangslandung eines Passagierflugzeugs in Belarus festgenommene Blogger Roman Protassewitsch und seine Freundin Sofia Sapega sind in Hausarrest verlegt worden. Das teilte die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja mit, die sich im litauischen Exil befindet. Die russische Botschaft in Minsk äußerte sich ähnlich. Eine Bestätigung vonseiten der Behörden gibt es bisher nicht.

Die Mutter des Bloggers, Natalia Protassewitsch, die in Polen lebt, sagte der Deutschen Presse-Agentur, ihre in Minsk lebende Tochter sei am Donnerstagabend zu einer ihr angegebenen Adresse gefahren. Dort habe sie den Bruder angetroffen und ihm Essen und Kleidung übergeben. Tichanowskaja sprach von einer "guten Nachricht". Zugleich betonte sie: "Hausarrest - das ist keine Freiheit." Protassewitsch und Sapega seien "Geiseln" des Systems von Machthaber Alexander Lukaschenko. Sie seien weiterhin angeklagt und stünden unter dem Druck ihrer Peiniger.

Russischer Großkredit und westliche Sanktionen

Belarussische Behörden hatten im Mai eine von Griechenland nach Litauen fliegende Passagiermaschine zu einer Zwischenlandung in Minsk gezwungen. Die anschließende Festnahme des Bloggers und dessen Freundin, die sich an Bord befanden, hatte zu massiver Kritik westlicher Staaten und zu neuen Strafmaßnahmen gegen Belarus geführt. Russland dagegen gewährte Minsk einen Großkredit und versicherte die dortige Führung seines Rückhalts.

Litauen Vilnius | Solidarität mit Roman Protassewitsch, Belarus

Solidaritätskundgebung für Roman Protassewitsch Ende Mai in der litauischen Hauptstadt Vilnius

Protassewitsch wird beschuldigt, oppositionelle Kundgebungen organisiert zu haben. Die frühere Sowjetrepublik war nach der Präsidentenwahl vor gut einem Jahr von Massenprotesten erschüttert worden. Die Abstimmung, aus der Lukaschenko nach offiziellen Angaben als Sieger hervorging, war nach Auffassung seiner Gegner gefälscht. Die Sicherheitskräfte schlugen die Demonstrationen mit großer Härte nieder, Tausende Demonstranten wurden festgenommen. Etliche Dissidenten, unter ihnen auch Tichanowskajas Ehemann, müssen sich vor Gericht verantworten.

jj/mak (dpa, afp, rtr, ap)