Blair: ″Brexit gefährdet Nordirland-Frieden″ | Aktuell Europa | DW | 10.04.2018
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20 Jahre Frieden in Nordirland

Blair: "Brexit gefährdet Nordirland-Frieden"

Eine eindringliche Warnung zum Jahrestag des Karfreitagsabkommens: Der frühere britische Premier Blair sorgt sich um Nordirland. Der Brexit gefährde das fragile Gleichgewicht zwischen den verfeindeten Bevölkerungsteilen.

Der Brexit sei ein Angriff auf das "Herzstück" des Friedensabkommens, sagte der damalige Verhandlungsführer Tony Blair in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und mehreren europäischen Zeitungen. Er könne den mühsam austarierten Kompromiss zwischen den verfeindeten Bevölkerungsgruppen in Nordirland "fundamental verändern".

Der ehemalige britische Regierungschef bezeichnete die offene Grenze zwischen Irland und Nordirland als entscheidend für die Friedenslösung. "Aber wenn der Brexit kommt, wird dort die EU-Außengrenze verlaufen." Und da die Regierung von Theresa May fest entschlossen sei, die Zollunion und den Binnenmarkt mit der EU zu verlassen, seien künftige Waren- und Personenkontrollen wohl unvermeidlich. "Ich sehe nicht, wie das Problem zu lösen ist", sagte Blair. May dürfe den Frieden in Nordirland nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Aufwachsen "ohne den Klang von Bomben und Schüssen"

Mit dem Karfreitagsabkommen hatten pro-irische Katholiken und pro-britische Protestanten am 10. April 1998 einen fast 30-jährigen Bürgerkrieg beendet. Protestanten und Katholiken leben aber weiterhin strikt getrennt und begegnen sich mit Misstrauen. Die aktuelle politische Situation in Nordirland ist durch eine Regierungskrise und den bevorstehenden Brexit sehr angespannt.

Nordirland Friedenslinien in Belfast (picture-alliance/empics/P. Faith)

Nordirland: Friedenslinien in Belfast

Die Kirchen riefen anlässlich des Jahrestages gemeinsam zu Versöhnung auf. Der katholische Primas von Irland, Erzbischof Eamon Martin, und der anglikanische Primas in Nordirland, Richard Clarke, forderten die Bevölkerung auf, "Botschafter der Versöhnung" zu sein. Sie dankten gemeinsam Gott dafür, dass eine Generation junger Menschen "ohne den Klang von Bomben und Schüssen aufwachsen darf". Für den Weg aus der aktuellen "Sackgasse" bedürfe es einer Besinnung auf die Werte des Abkommens: "Partnerschaft, Gleichheit und gegenseitiger Respekt".

rb/gri (afp, dpa, kna)

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