Blütenmeer auf der Bundesgartenschau | DW Reise | DW | 18.04.2015
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Reise

Blütenmeer auf der Bundesgartenschau

Über eine Million Tulpen, Narzissen und Primeln wurden für die Bundesgartenschau im Havelland gepflanzt. Dabei ist die Region an sich schon ein Naturparadies. Können die Gärtner das noch toppen? Definitiv!

Unter dem Motto: "Von Dom zu Dom - das blaue Band der Havel" lädt die Region bei Berlin ab diesem Samstag (18. April) zur Bundesgartenschau (BUGA) 2015 ein. Waren bisher nur einzelne Städte Gastgeber, so sind die Ausstellungen und Blumenschauen diesmal an fünf Orten zu sehen, darunter erstmals auch in Kirchen. Gesamtkulisse bildet die naturnahe Havel mit ihren zahlreichen Altarmen und Seen. Das Angebot sei vielfältig, so BUGA-Sprecherin Amanda Hasenfusz: "Wir bieten insgesamt 1600 Veranstaltungen an - nicht nur über Gartenthemen, sondern auch über Kunst und Kultur."

"Die ganze Havelregion wird zur Bühne", sagte Bundespräsident Joachim Gauck beim Festakt in Brandenburg/Havel. "Was mir besonders gefällt: Es gibt weit mehr zu entdecken, als einen gigantischen Blütenrausch. Bei dieser Bundesgartenschau geht es auch um Kulturgeschichte, um regionale Identität."

Dom St. Peter und Paul (Foto: dpa)

Der Dom St. Peter und Paul in Brandenburg an der Havel

Die fünf Gesichter der BUGA

Brandenburg an der Havel bildet den südlichsten Punkt. Mehrere Havelarme, Inseln, Schleusen und Brücken prägen die Stadt mit ihrer über 1000 Jahre alten Geschichte. Der Dom St. Peter und Paul gilt als Wiege der Mark Brandenburg. Während der BUGA gibt es drei Erlebnisbereiche: 16 Blumenschauen in der Kirche St. Johannis, Themengärten direkt an der Havel.

Den Fluss hinauf Richtung Norden liegt der Industriestandort Premnitz. Sein Schwerpunkt ist die Energiegewinnung, die zunehmend auf der Basis nachwachsender Rohstoffe geschieht. Tagesgärten, Sonnenstauden und üppige Gräser zeigen daher die Energie nachwachsender Rohstoffe. Vor allem das Stadtzentrum mit Marktplatz und Rathaus wird zur Premnitzer Kulisse für die BUGA. Hier können die Besucher durch ein pflanzliches Labyrinth wandeln und auf einer Aussichtsplattform den Blick auf die Havellandschaft genießen.

Video ansehen 04:22

Die Bundesgartenschau 2015

In Rathenow wurde Anfang des 19. Jahrhunderts der Grundstock der optischen Industrie gelegt, wie das ortseigene Optik-Museum erzählt. Der dazugehörige Park - von Havelarmen umschlossen - spielt während der BUGA mit Farbenvielfalt und Sichtachsen. Über die 2014 fertiggestellte Fußgängerbrücke gelangen Besucher zum Weinbergpark auf der anderen Seite der Havel. Dort sorgen Stauden und wechselnde Bepflanzungen für ein Blütenmeer.

Der Flugplatz Stölln/Rhinow ist der einzige Standort, der nicht direkt am Fluss liegt. Vom Gollenberg, der mit 110 Metern höchsten Erhebung in der Region, startete Pionier Otto Lilienthal seine Flugversuche und verunglückte 1896 tödlich. Ihm zu Ehren landete fast 100 Jahre später ein DDR-Passagierflugzeug auf dem ältesten Flugplatz der Welt. Die "Lady Agnes" dient heute als Ausstellungsort und Standesamt. Rund ums Flugzeug erwarten ein Blütenpfad, Wildrosen und Wechselflor die Besucher.

Havelbergs Altstadt (Foto: BUGA-Zweckverband)

Havelbergs malerische Altstadt am Fluss

Endpunkt der 80 Kilometer langen BUGA-Reise bildet Havelberg, wo die Havel in die Elbe mündet. Auf einer Anhöhe über dem Fluss thront der große Dom St. Marien, das Wahrzeichen der Stadt. Mit der BUGA lebt rund um die Kirche der historische Klostergarten wieder auf, auch der alte Domfriedhof wurde rekonstruiert. In einem Terrassengarten sind Blütenteppiche ausgelegt und Pfingstrosenzüchter stellen historische und neue Sorten vor. BUGA-Sprecherin Amanda Hasenfusz sieht in Havelberg ihr persönliches Highlight: "Der Ort ist eine Perle - ein Kleinod, das man nicht verpassen sollte."

Tourismus im Naturschutzgebiet

Für einen Panoramablick über die Havellandschaft sollten Besucher auf den "Skyliner" klettern. Laut Veranstalter ist er mit 70 Metern der höchste mobile Aussichtsturm der Welt und soll nacheinander in Brandenburg, Rathenow und Havelberg aufgestellt werden.

Die Flusslandschaft ist die Heimat von über 1100 vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Seeadler, Kraniche und Störche lassen sich hier gut beobachten, auch Fischotter und Biber besiedeln den Fluss.

Kraniche an der Havel (Foto: BUGA-Zweckverband)

An der Havel lassen sich auch Kraniche gut beobachten

Durch den Schiffverkehr allerdings hat die heile Havelwelt ein paar Kratzer abbekommen. Dämme trennen große Teile der natürlichen Aue vom Fluss ab, Auwälder sind kaum mehr vorhanden.

Deshalb hat der Naturschutzbund Deutschland (NABU) ein Renaturierungsprojekt gestartet. 1990 wurde die Havel zum Naturschutzgebiet erklärt. Bis 2021 sollen 15 Altarme wieder zum Fließen gebracht, Deiche abgebaut werden und Auwälder neu entstehen. "Die Havel bleibt weiterhin ein Fluss, der genutzt und erlebt werden kann. Wir wollen aber wichtige Funktionen des Ökosystems wiederherstellen", fasst NABU-Projektleiter Rocco Buchta zusammen.

Havelregion setzt auf den Werbeeffekt

Der Fluss und die umliegende Natur sind die touristische Hauptattraktion der Region. Besonders Wassersportler kommen gern her, denn die Havel gilt als Europas größtes zusammenhängendes Wassersportrevier. Auch bei Radfahrern ist sie sehr beliebt: Der Havelradweg zählt zu den schönsten Flussradwegen Deutschlands.

Die BUGA wolle nicht nur Gartenfreunde glücklich machen, erklärt Amanda Hasenfusz: "Die Bundesgartenschau ist Mittel zum Zweck. Wir sind dafür da, das Havelland bundesweit in den touristischen Fokus zu rücken."

Den ganzen Sommer über bleiben die Ausstellungen an den fünf Standorten, bis die Gartenschau am 11. Oktober schließt. Kassen und Zäune werden dann abgebaut. Doch es bleiben zehn renovierte Parks und, so hofft die Region, das Interesse am Havelland als Urlaubsziel.

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