Bitte nicht zu komplex und kompliziert! | Sprachbar | DW | 15.07.2015
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Sprachbar

Bitte nicht zu komplex und kompliziert!

Es gibt Wörter, bei denen stellt sich Stirnrunzeln ein, wenn man sie hört oder liest. Dazu gehört das Fremdwort „Komplex“. Die Erklärung ist komplex, manchmal kompliziert, in ihrer Komplexität aber umfassend.

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Bitte nicht zu komplex und kompliziert! – die Folge als MP3

Wollen Sie sich mal verwirren lassen? Dann stoppen Sie kurz und geben in Ihre Internet-Suchmaschine die Begriffe „komplex“ und „kompliziert“ ein und versuchen mal zu verstehen, was Ihnen die Texte von Computeringenieuren und Unternehmensberatern sagen wollen, die Sie da zu lesen bekommen. Fertig? Ganz schön komplex, oder? Gut, versuchen wir mal, der Sache die Komplexität zu nehmen.

Komplexe Komplexe

Eine Luftaufnahme der Deutschen Welle in Bonn

Ein ziemlich großer Komplex: Das Gebäude der Deutschen Welle in Bonn

Das Wort Komplex gibt es als Nomen und als Adjektiv. Und jedes Mal bedeutet es etwas anderes. So kennt die Architektur den Gebäudekomplex, zusammengehörend angeordnete Gebäude. In solch einem Komplex kann man sich durch Verbindungsgänge oder Türen von einem Gebäude zum anderen bewegen.

Wenn das nicht geht, also die Bauwerke einzeln stehen, handelt es sich um ein Gebäudeensemble. Der Shopping-Komplex oder der Verwaltungskomplex sind typische Vertreter dieser Architektur. Und was der Googleplex, der Firmensitz des Konzerns Google in Kalifornien, ist, dürfte nun wohl klar sein.

Hast du einen Komplex?

Fotografie eines Schauspielers des Ödipus in einem Theaterstück

So entstehen Komplexe: König Ödipus tötete seinen Vater und heiratete seine Mutter

Von den architektonischen zu den medizinischen Komplexen. Hat jemand mehrere Krankheiten auf einmal, spricht man von einem Krankheitskomplex. In der Psychologie wird ein Komplex definiert als eine Gesamtheit von Gedanken, Gefühlen und Handlungen, die oft unbewusst das Leben eines Menschen beeinflussen.

Manche Komplexe sind in der Alltagssprache angekommen. So fallen dort Begriffe wie Elektrakomplex, Ödipuskomplex und vor allem Minderwertigkeitskomplex. Leidet etwa jemand darunter, dass er nur 1,62 Meter groß ist und Schuhgröße 40 hat, hat diese Person einen Minderwertigkeitskomplex. Die anderen beiden Komplexe bezeichnen eine übertrieben starke Bindung einer Tochter zu ihrem Vater beziehungsweise eines Sohnes zu seiner Mutter.

Klein – aber komplex

In der klein geschriebenen Variante, also im Adjektiv, ist die Sache auch kompliziert und nicht viel besser. Oder haben Sie das damals in der Schule mit den komplexen Zahlen wirklich verstanden? Aber sei’s drum, wenn etwas komplex ist, dann ist es zusammenhängend, vielschichtig, umfassend oder verflochten.

Und da hätten wir ihn dann auch, den Ursprung dieses vielschichtigen deutschen Fremdworts. Es stammt – wie so viele wissenschaftlich klingende Worte – aus dem Lateinischen. Dort heißt das Verb complecti „umschlingen“, „umfassen“, „zusammenfassen“.

Komplex und verflochten

Das schon im Lateinischen zusammengesetzte, also komplexe Wort, hat seinen Ursprung in plectere, was „flechten“ bedeutet. Und da hätten wir’s dann wieder: Komplex ist eine Sache also, wenn sie nicht einfach, nicht leicht zu verstehen oder schwer zu durchschauen, verflochten ist.

Geflochtener Zopf am Hinterkopf

Ganz schön kompliziert so ein geflochtener Zopf

Eine Aufgabe kann ebenso komplex sein wie ein Sachverhalt oder ein Arbeitsprozess. Mehrere Dinge müssen berücksichtigt werden, mehrere Menschen müssen zusammenwirken. Aber immerhin kann man komplexen Dingen mit Wissen und Fähigkeiten zu Leibe rücken.

Sehr kompliziert

Wenn hingegen etwas kompliziert ist – ein Wort, das denselben lateinischen Stamm hat –, dann helfen Wissen und Vernunft oft nicht weiter. Wer sagt, dass eine Sache kompliziert ist, der versteht sie nicht, und er hätte gerne, dass sie einfach wäre. Im Alltag heißt es oft: „Das ist mir zu hoch und zu kompliziert.“ Oder: „Musst du die Dinge immer so verkomplizieren!“ Solche schönen Worte gibt es natürlich nur in der deutschen Sprache!

Etwas Kompliziertes ist schwierig, undurchschaubar, verzwickt, verstrickt und umständlich. Oft hört man deshalb den verzweifelten Stoßseufzer: „Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht!“ Dann doch lieber eine kleine Komplikation. Die passiert meist unvorhergesehen, ist aber überschaubar. Wie bei Beziehungen beispielsweise.

Die Komplexität und Kompliziertheit von Beziehungen

Screenshot Facebook Status

Beziehungsstatus „Es ist kompliziert“

Auch diese können komplex und kompliziert sein. Ein Beispiel gefällig? In Facebook werden Nutzer aufgefordert, ihren Beziehungsstatus anzugeben – ob Single, verlobt, verheiratet, getrennt oder geschieden. Nur, was ist unter dem Beziehungsstatus: „Es ist kompliziert“ zu verstehen?

Komplizierte Frage, oder? Nehmen wir an, dass es in einfachen Worten ausgedrückt soviel heißt wie: „Es ist nicht so wie es scheint.“ Also: Wir sind zwar zusammen, aber unglücklich, er oder sie geht fremd, die Liebe wird nicht erwidert, ich kann mich zwischen zwei Personen nicht entscheiden, und vieles mehr. Kompliziert eben – oder einfach nur komplex?




Arbeitsauftrag
Arbeitet den Unterschied zwischen „komplex“ und „kompliziert“ heraus. Bildet kleine Arbeitsgruppen und formuliert Sätze, in denen die Begriffe sowohl als Adjektiv als auch als Nomen eingesetzt werden müssen. Achtet darauf, dass es nicht nur ein Nomen geben kann. Tauscht eure Arbeitsblätter untereinander aus.

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