″Bitcoin ist gekommen, um zu bleiben″ | Wirtschaft | DW | 18.11.2020
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Kryptowährung

"Bitcoin ist gekommen, um zu bleiben"

Erst der Hype, dann der Fall. Nun nimmt die Digitalwährung Bitcoin Kurs auf ein neues Allzeithoch. Marco Bodewein von der Bitcoin Group erklärt im DW-Interview, was die Kryptowährung derzeit antreibt.

DW: Etwas mehr als zwölf Jahre ist es her, da war zum ersten Mal vom Bitcoin die Rede. Ein Jahr später wurde die Kryptowährung dann auch gehandelt. Seitdem hat der Bitcoin etliche Menschen reich gemacht und einigen herbe Verluste beschert. Nach dem Hype folgte der Fall. Und nun? Nun steigt der Bitcoin abermals kontinuierlich. Herr Bodewein, als Betreiber der Plattform Bitcoin.de freuen Sie sich sicherlich, dass der Bitcoin gerade mal wieder nachgefragt ist?

Marco Bodewein: Absolut. Wir profitieren auch hier von dem Kursanstieg, da bei uns auf der Handelsplattform entsprechend auch die Handels-Volumina zunehmen. Außerdem bestätigt uns das in unserer Einschätzung, dass der Bitcoin eben gekommen ist, um zu bleiben, und dass er eine entsprechende Wertentwicklung mitbringt.

Marco Bodewein |Direktor Bitcoin Group

Marco Bodewein

Ein Bitcoin ist derzeit mehr als 18.500 Dollar wert, da fehlt nicht mehr viel zum Höchststand von vor drei Jahren. Was treibt denn den Kurs an?

Letzten Endes ist das natürlich im Wesentlichen der Markteintritt von Paypal. Darüber hinaus haben wir eine starke Geldmengen-Erhöhung durch die Zentralbanken. Und wir haben eben auch gesehen, dass die Anleger neben Gold auch immer mehr die Kryptowährungen als sicheren Hafen ansehen. Zugegebenermaßen ist das ein volatiles Investment, aber es wird eben als Wertaufbewahrung auch gewählt.

Dennoch war es doch so, dass zu Beginn der Corona-Krise der Bitcoin-Kurs erst einmal eingebrochen ist, während physisches Gold an Wert gewonnen hat. Fehlt dem Bitcoin einfach noch der Glaube an die Wehrhaftigkeit?

Ja, das ist alles eine Vertrauensfrage. Ich glaube, seit Mitte März war der Kurs über 50 Prozent eingebrochen. Das war sicherlich aufgrund der Volatilität auch nicht anders zu erwarten. Da hat eine gewisse Unsicherheit im Gesamtmarkt mitgespielt und da kann Gold eben seinen Status als langjähriger Krisenwährung deutlich bessere ausspielen. Aber wenn wir uns den Kursanstieg seit Mitte März anschauen, zeigt das, dass das Vertrauen in die Kryptowährungen zurückgekommen ist. Wir haben sehr viele Leute, die letzten Endes über die Corona-Zeit dann auch zu Hause saßen und sich immer mehr mit alternativen Investments beschäftigt haben. Und da kommt man heutzutage auch an Kryptowährungen einfach nicht mehr vorbei.

Facebook - Kryptowährung - LIBRA

Facebooks Kryptowährung namens Libra kämpft noch um Anerkennung

Sie haben es schon angesprochen: Der Zahlungsdienst Paypal will jetzt auch Digitalwährungen als Zahlungsmittel akzeptieren. Glauben Sie wirklich, dass die Menschen dort mit Bitcoins bezahlen?

Letzten Endes bietet Paypal einen 'Closed-Shop' an, es geht alles nur innerhalb des Paypal-Universums. Dort kann man Bitcoins kaufen und verwahren. Es ist aber faktisch Stand heute noch kein Zahlungsmittel. Dafür ist die Blockchain zu langsam. Auf der anderen Seite sehen wir auch, dass die Europäische Zentralbank über Kryptogeld nachdenkt und diverse Regierungen über Kryptowährungen als Zahlungsmittel nachdenken. Die Welt wird sich dahingehend drehen.

Die Zentralbanken waren immer auch skeptisch gegenüber den Digitalwährungen. Jetzt denken sie über die Einführung von eigenen Kryptowährungen nach, wie beispielsweise dem digitalen Euro. Könnte das jetzt zu einer Konkurrenz für den Bitcoin werden?

Da muss man einfach unterscheiden. Was sehen Sie als Konkurrenz an? Wenn wir das eine als klassisches Zahlungsmittel betrachten und den Bitcoin als wertstabile Anlage mit entsprechender Wertsteigerungspotenzial, dann beißt sich das nicht. So wird sich da sicherlich für jede Kryptowährung die entsprechende Nische oder die entsprechende Daseinsberechtigung finden.

Sie sagen also voraus, dass es wahrscheinlich bald die Digitalwährungen der Zentralbanken geben wird und nebenher als Anlageobjekt die alten Kryptowährungen?

Das ist sicherlich eine Vermutung, der man nachgehen kann, allein aus Gründen der Regulierung. Die Regulierung steht hier in den Startlöchern. Die EU-Kommission hat Ende September einheitliche Regeln vorgeschlagen. Damit will sie Ende 2022 in die Umsetzung gehen und auch Sicherheit für Anleger schaffen. Die Notenbanken diskutieren das noch. Die stehen unter Handlungsdruck. Vor allem wenn man sich den Vorstoß von Facebook seinerzeit mit Libra anschaut. Der Kontrollverlust zwingt die Notenbanken einfach dazu, in Richtung eigenes Kryptogeld zu denken.

Das Interview führte Nicolas Martin.

Marco Bodewein ist geschäftsführender Direktor der Bitcoin Group, die wiederum die Handelsplattform Bitcoin.de betreibt - nach eigenen Angaben die größte Handelsplattform für Bitcoin in Deutschland.

Der Artikel wurde am 17.11. veröffentlicht und am 18.11. aktualisiert.

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