Bildung in Deutschland: verbessert, aber ... | Deutschlehrer-Info | DW | 13.09.2018
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Bildung in Deutschland: verbessert, aber ...

Laut Studie der OECD ist Deutschlands Bildungssystem in den letzten Jahren Schritt für Schritt besser geworden, doch soziale Herkunft und Bildungsstand der Eltern entscheiden oft immer noch über die Schulabschlüsse.

17 Jahre nach dem PISA-Schock präsentiert sich Deutschlands Bildungssystem in deutlich besserem Zustand. Damals hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aufgezeigt, dass die Leistungen der deutschen Schüler unterdurchschnittlich und stark an die soziale Herkunft gekoppelt waren. Die Situation hat sich seither gebessert. Das zeigt die neue Studie „Bildung auf einen Blick“  der OECD. So besuchen zum Beispiel weit mehr Kinder als früher eine Kita. Der Anteil der Unter-Dreijährigen, die in frühkindliche Bildungseinrichtungen gehen, stieg von 17 Prozent 2005 auf 37 Prozent 2016. Der Anteil junger Erwachsener ohne Gymnasialabschluss oder Berufsausbildung sank binnen zehn Jahren leicht von 15 auf 13 Prozent. Die Mehrheit der
Jugendlichen mit Berufsausbildung oder Uniabschlüssen hat gute Berufschancen.

Herkunft entscheidet nach wie vor über Bildungschancen

Doch auch wenn sich die Situation insgesamt verbessert hat, ist das Elternhaus in Deutschland weiterhin oft entscheidend für den Bildungsweg der Kinder. Der berufliche und soziale Status der Eltern bleibe der wichtigste Faktor, der Bildung sowie wirtschaftlichen und sozialen Erfolg beeinflusse, erklärte die OECD in ihrem Bildungsbericht. OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher sagte bei der Vorstellung der Studie, vor allem bei der frühkindlichen Bildung habe sich enorm viel getan in Deutschland. Zugleich betonte er aber: „Kinder aus ungünstigen sozialen Schichten, die es am dringendsten brauchen, bekommen in Deutschland am wenigsten frühkindliche Bildung. Diese soziale Schere ist das Gegenteil von dem, was wir brauchen.“

Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland wird schon seit Jahren immer wieder kritisiert. Die OECD wies bei der Vorstellung ihres Berichts erneut auf einige Schwächen hin: Bei den Unter-Dreijährigen liegt die Betreuungsquote in Kitas bei Müttern mit höherem Bildungsabschluss bei 49 Prozent, bei Müttern ohne einen solchen Abschluss nur bei 37 Prozent. Jugendliche, deren Eltern über keinen höheren Bildungsabschluss verfügen, entscheiden sich laut OECD häufiger für eine Berufsausbildung statt für ein Studium. Unter Studienanfängern ist demnach der Anteil derjenigen mit Eltern ohne höheren Bildungsabschluss gering.

Gute Chancen mit Berufsausbildung

Ein Auszubildender arbeitet an einer Werkbank

Gute Aussichten dank Ausbildung

Wer allerdings eine Berufsausbildung abschließt, hat in Deutschland fast genauso gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt wie ein Akademiker. Die Beschäftigungsquote der 25- bis 34-Jährigen mit mittleren Qualifikationen liegt inzwischen bei 83 Prozent. Sie liegt damit nur knapp unter der Quote von 87 Prozent der jungen Erwachsenen mit Hochschulabschluss.

Jeder zehnte 15- bis 29-Jährige in Deutschland befindet sich laut der Studie weder in Beschäftigung noch in Schule oder Ausbildung. Dies ist aber einer der niedrigsten Anteile in den OECD-Ländern. Unter den im Ausland geborenen Menschen gilt dies jedoch für jeden Vierten. Ein Grund dafür ist der OECD zufolge auch die hohe Zahl von Flüchtlingen, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen sind.

Lob und Tadel

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) zeigte sich insgesamt zufrieden. „In Deutschland haben wir ein Bildungssystem, das Chancen eröffnet“, sagte die Ministerin. Berufliche und akademische Bildung seien „gleichwertige und zukunftsfähige Karrierealternativen“. Das sei ein Wettbewerbsvorteil für Deutschland, den sie weiter ausbauen wolle.     

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft forderte dagegen höhere Investitionen. „Die Finanzierung der Bildungseinrichtungen hat mit der wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahre nicht Schritt gehalten“, kritisierte GEW-Vorstandsmitglied Ansgar Klinger. Darin drücke sich eine geringe Wertschätzung der Bildung aus, die der Rhetorik in den Sonntagsreden der Politiker widerspreche. OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher meinte auf die Frage, was generell wichtig sei für Chancengleichheit und Lernerfolg: mehr Ganztagsschulen, mehr gemeinsamer Unterricht von schlechter- und bessergestellten Schülern, mehr frühe Bildung in den Kitas. „Lehrer werden oft allein gelassen im Klassenzimmer“, sagte er. Ihre Pflichtstunden sollten sinken, sie sollten mehr Zeit haben für fächerübergreifendes Lehren, für die Förderung schwächerer Kinder, für Teamarbeit.

mk/ip (dpa/afp)

 

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