Bikeparks erobern die Mittelgebirge | DW Reise | DW | 02.06.2013
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Reise

Bikeparks erobern die Mittelgebirge

Lange Zeit galt Mountainbiken als Disziplin für Adrenalinjunkies. Nun ist der Extremsport zum Trendsport geworden. Wo Skifahrer im Winter die Hänge hinabrasen, stürzen sich im Sommer die Biker ins Tal.

Mit über 50 Stundenkilometern rasen sie bergab. Es geht über Steinfelder, unebene schmale Wege, durch scharfe Kurven, über armdicke Wurzeln. "Downhill" nennt sich diese Variante des Mountainbikesports, die immer mehr Anhänger findet.

Die Faszination fürs Bike machen sich seit einigen Jahren die Urlaubsregionen der deutschen Mittelgebirge zunutze: Wer im Winter alpinen Skisport betreibt, soll auch im Sommer seinen Spaß haben - in Bikeparks. Sie bieten verschiedene Parcours mit Rampen und Hindernissen, über die man mit dem gut gefederten Mountainbike springt. Auf diese Adrenalinkicks setzen Orte wie Winterberg. Der klassische Wintersportort liegt gut 110 Kilometer östlich von Dortmund im Sauerland, einer klassischen Mittelgebirgsregion. Als Austragungsort für Weltcuprennen im Bob- und Rennrodel ist Winterberg international bekannt. Im Frühjahr treten hier die weltbesten Mountainbiker gegeneinander an: bei den "Dirt Masters".

Das Biker-Eldorado im Sauerland

***ACHTUNG: Bild nur zur Berichterstattung über die Ferienwelt Winterberg verwenden!!!***

Mountainbikeprofi während eines Wettkampfs im Bikepark Winterberg

Zu dem Festival treffen sich die weltbesten Mountainbiker im Bikepark Winterberg. Bei ihren akrobatischen Kunststücken mit dem Rad ist ihnen keine Rampe im Park zu steil, kein Hindernis zu gefährlich. Wenn sie mit ihren Rädern aus bis zu acht Metern Höhe springen, brandet Jubel im Publikum auf. Mit dem Festival eröffnet der Bikepark auch die Saison für Touristen.

Die können das Gefühl des Springens und Bergabrasens dann selber testen, jenseits des Wettkampf-Parcours. Für die Amateure gibt es neun Strecken unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Für alle, die es schon können und die, die es noch lernen wollen, ist etwas dabei. Eine Helmpflicht besteht für jede Strecke. Sicherheit ist oberstes Gebot. Je nach Schwierigkeitsgrad gibt es dazu noch Handschuhe, Knie-, Schienbein-, Arm- oder Brustkorbschutz.

Imagewechsel am Berg

***ACHTUNG: Bild nur zur Berichterstattung über die Ferienwelt Winterberg verwenden!!!***

Auch sportverrückte Familien zieht es in die Bikeparks

Die Mountainbike-Fangemeinde wächst. In Winterberg wurden im vergangenen Jahr mehr als 25.000 Tickets für den Bikepark verkauft, Tendenz steigend. Mit dem Park will die Region auch das verstaubte Bild des Sauerlands aufpolieren: "Das Bild vom Wanderer mit Stock und Hut hat unser Image geprägt. Jetzt fahren hier Jungs und Mädels auf ihren Mountainbikes durch den Ort. Die Region bekommt ein junges Gesicht. Ein Erfolg, an den anfangs kaum jemand glauben wollte", freut sich Georg Brinkmann, Mitbegründer und Leiter des Bikeparks Winterberg.

Doch nicht in allen Urlaubsregionen mit Bikepark geht es um ein neues Image. In Bischofsmais im Bayerischen Wald etwa verbindet man Bewährtes und Neues: Der Bikepark Geißkopf ist schon 14 Jahre alt und ist um ein neues Wegenetz mit 40 Tourenradstrecken familienfreundlich ergänzt worden.

Vorbild in Vancouver

Mountainbiker auf Flow Country Trail im Bikepark Geisskopf, Bischofsmais; Copyright: Bikepark Bischofsmais******Pressebild nur für die aktuelle, themengebundene Berichterstattung

Auf sandigen Pisten im Bikepark Geisskopf

Das Herzstück aber ist und bleibt der Bikepark. 1999 war er einer der ersten in Europa. Vorbild war der Whistler Mountain Bikepark bei Vancouver in Kanada. Die nordamerikanische Sportart hat die Begriffe "Downhill" und "Freeride" geprägt: das schnelle Bergabfahren und die akrobatischen Sprünge über Hindernisse. Die halsbrecherische Fahrt über Wurzelpassagen und Steinfelder verlangt viel Geschick und Erfahrung, das Verletzungsrisiko ist für unerfahrene und schlecht trainierte Fahrer hoch.

Darauf hat man reagiert: "Die Strecken des Parks werden zunehmend so gestaltet, dass sie auch für jene Fahrer interessant werden, die nicht auf einem reinen "Downhill"-Bike unterwegs sind oder sein wollen", versichert Max Englram, Verkehrsamtsleiter in Bischofsmais. Es gibt neben den schwierigen auch leichte Parcours, deren Verlauf über nur sanft wellige Erdhügel führt, über die auch Anfänger mit dem Rad hüpfen können. In der Bikeschule werden dazu Technik- und Fahrkurse angeboten.

Aufbauten aus Holz und Erde

Die Strecken des Parks werden jedes Jahr neu- oder umgebaut. Typisch für Bikeparks: die Aufbauten aus Holz und Erde, die als Sprungrampen dienen. Hier machen die "Freerider" ihre waghalsigen Sprünge. Für "Downhiller" gibt es ein spezielles Wegenetz. Die Strecken führen immer bergab, oft mit 20 bis 30 Prozent Gefälle. Sie sind in unterschiedliche Schwierigkeitsgerade eingeteilt, die aus dem Skisport übernommen sind: blau für leicht, rot für mittel und schwarz für schwierig oder gefährlich. Auf allen Pisten werden spezielle "Downhill"-Bikes benötigt, die vollgefedert sind. Da eine Bergauffahrt damit sehr schwierig ist, gehören zu einem Bikepark Sessel- oder Schlepplifte, die Fahrer und Gerät zu den Startpunkten der unterschiedlichen Strecken transportieren.

Sessellift für Biker im Bikepark Geisskopf, Bischofsmais; Copyright: Bikepark Bischofsmais******Pressebild nur für die aktuelle, themengebundene Berichterstattung

Unentbehrlich: der Sessellift für Mensch und Fahrrad

Heute existieren in ganz Deutschland 14 Bikeparks. Für die Wintersportorte der deutschen Mittelgebirgsregionen verbindet sich mit dem Trend rund um das Querfeldein-Rad die Hoffnung, junge Sportenthusiasten nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer in ihre Urlaubsregionen zu locken. In Winterberg scheint die Rechnung aufgegangen zu sein: Die Veranstalter sind mit der Entwicklung zufrieden.

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