Besucher beschädigt weltberühmtes Repin-Gemälde | Kunst | DW | 27.05.2018
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Tretjakow-Galerie Moskau

Besucher beschädigt weltberühmtes Repin-Gemälde

"Iwan der Schreckliche" von Ilja Repin gehört zu den bedeutendsten Gemälden innerhalb der Sammlung der Moskauer Galerie. Am Freitag hat es ein Mann schwer beschädigt. Es war nicht die erste Attacke auf das Bild.

Der Besucher der Tretjakow-Galerie habe sich einen Metallpfosten gegriffen, der als Absperrung vor dem Bild "Iwan der Schreckliche und sein von ihm erschlagener Sohn am 16. November 1581" stand. Dann habe er auf das Werk eingeschlagen, teilte die Museumsleitung am Samstag (26.05.2018) mit.

Bei der Attacke sei das Schutzglas zu Bruch gegangen, die Leinwand sei an drei Stellen zerrissen. Aber "durch einen glücklichen Zufall wurde das Wertvollste - die Darstellung von Gesicht und Händen des Zaren und des Zarewitsch - nicht beschädigt", hieß es weiter. Nun soll das Bild restauriert werden. Spezialisten haben das Bild bereits aus dem Rahmen genommen und Glassplitter entfernt. Der Schaden wird auf umgerechnet mehrere Tausend Euro geschätzt.  

Täter stand unter Alkoholeinfluss

Laut der Agentur Interfax sagte der 37-jährige Täter beim Verhör, er habe Alkohol im Museumscafé getrunken und sich über das Thema des Bildes aufgeregt. Er habe das Bild beschädigt, weil er die Darstellung der Fakten in dem Gemälde für
unglaubwürdig halte, berichtete die Agentur Tass. Ihm droht eine Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren.

Das Ölgemälde von 1885 zeigt Zar Iwan den Schrecklichen, nachdem er seinen Sohn Zarewitsch Iwan Iwanowitsch in einem Wutanfall getötet hat. Im Blick des Zaren spiegeln sich Qual und Entsetzen. Iwan IV. (der Schreckliche, 1530-1584) herrschte im 16. Jahrhundert für fast vier Jahrzehnte über Russland. 

1913 wurde das Werk von Repin schon mal schwer beschädigt. Damals hatte ein Mann drei Mal mit einem Messer auf die Leinwand eingestochen. Seit 1927 wird es daher durch eine Glasscheibe geschützt.

Unbequemes Gemälde für Nationalisten

Nationalistischen Gruppierungen, die sich gegen eine negative Darstellung von Iwan dem Schrecklichen wenden, ist das Werk schon seit langem ein Dorn im Auge. Vor fünf Jahren etwa forderten russische Monarchisten, es aus der Ausstellung zu entfernen, was die Tretjakow-Galerie aber ablehnte.

Ilja Repin (1844-1930) ist einer der wichtigsten Porträtmaler des russischen Realismus. Der Kunstmäzen Pawel Tretjakow (1832-1898) erwarb das Bild 1885. Das aus seinem Nachlass entstandene Museum beherbergt heute eine der größten Sammlungen russischer Kunst. 

bb/dh (dpa, afp)

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