Bericht: Istanbuler Anschlag auf Deutsche war vom IS gesteuert | Aktuell Nahost | DW | 17.10.2016
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Terroranschlag

Bericht: Istanbuler Anschlag auf Deutsche war vom IS gesteuert

Als sich der Syrer Nabil Fadli in einer Touristengruppe in Istanbul in die Luft sprengte, wurden zwölf Deutsche getötet. Er soll aber nicht allein gehandelt haben, berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

Forensiker nach dem Anschlag in Istanbul (Foto: Reuters/M. Sezer)

Die Detonation ereignete sich in dem bei Touristen beliebten Altstadtviertel Sultanahmet

Für ihren Bericht hat die "Süddeutsche Zeitung" laut eigenen Angaben Gerichtsunterlagen ausgewertet und mit Zeugen und Ermittlern gesprochen. Anhand der Unterlagen konnte das Attentat vom 12. Januar, bei dem zwölf Deutsche getötet wurden, rekonstruiert werden, wie die Zeitung schreibt.

IS-Auslandschef soll Auftrag gegeben haben

Demnach war der Selbstmordanschlag in der Nähe der Blauen Moschee nicht das Werk eines Einzeltäters. Vielmehr soll der Attentäter Nabil Fadli von Mitgliedern der Dschihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) Anweisungen erhalten haben. Auch wenn sich bisher niemand zu dem Anschlag bekannt hat, steht für die türkischen Behörden laut dem "SZ"-Bericht fest, dass das IS-Mitglied mit dem Decknamen Omar Ebu Abid den Anschlag in Auftrag gegeben hat.

Er soll das Attentat auch "gesteuert und bis zum Ende verfolgt" haben, zitiert die Zeitung aus der Anklageschrift. Abid wird darin als Auslandschef des IS bezeichnet. Er soll zwischen 35 und 40 Jahre alt sein und wird derzeit im Irak vermutet. Drei weitere IS-Kader sollen dem Attentäter Fadli dabei geholfen haben, sich selbst und die Bombe in die Türkei zu schmuggeln.

Bei dem seit Juli laufenden Prozess gegen die Hintermänner des Attentats stehen derzeit 26 Männer in Istanbul vor Gericht. Die Vorwürfe reichen von illegalem Sprengstoffbesitz, über Mitgliedschaft in einer Terrororganisation bis hin zu Beihilfe zum Mord.

Attentäter kundschaftete mehrere Anschlagsziele aus

Laut den türkischen Justizunterlagen hatte Fadli in Syrien für die IS-Miliz gekämpft, bevor er am 18. Dezember 2015 in die Türkei kam. Laut dem "SZ"-Bericht bereitete Fadli das Attentat genau vor und besuchte mindestens dreimal den späteren Anschlagsort nahe der Blauen Moschee. Dabei soll er in ständigem Kontakt zu den IS-Mittelsmännern gestanden und jeden Schritt abgesprochen haben. Offenbar erwog er als Anschlagsziele auch andere bei Touristen beliebte Orte wie den Taksim-Platz oder die Istiklal-Straße.

Fadli hatte sich im Januar inmitten einer deutschen Touristengruppe in die Luft gesprengt. Seine Tat galt als gezielter Angriff gegen den türkischen Tourismus.

rk/se (afp, sz)