Berater der Bundesregierung fordern harten Lockdown | Aktuell Deutschland | DW | 08.12.2020
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COVID-19

Berater der Bundesregierung fordern harten Lockdown

Experten der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina beraten die Bundesregierung in Sachen Corona. Da die Infektionszahlen weiter steigen, empfehlen sie, nach Weihnachten Läden weitestgehend zu schließen.

Konkret fordert die einflussreiche Nationale Akademie der Wissenschaften bereits ab 14. Dezember die Kontakte im beruflichen wie im privaten Bereich auf das absolute Mindestmaß zu verringern. "Die Schulpflicht sollte bis zum Beginn der Weihnachtsferien in allen Bundesländern aufgehoben werden. Gruppenaktivitäten in Sport und Kultur müssten eingestellt werden und, wo immer möglich, sollten digitale Möglichkeiten anstelle von Präsenzangeboten genutzt werden."

In einer zweiten Stufe sollte vom 24. Dezember bis mindestens zum 10. Januar das öffentliche Leben weitgehend ruhen und ein harter Lockdown gelten. Dabei sollten alle Geschäfte bis auf die des täglichen Bedarfs geschlossen und die Weihnachtsferien in den Bildungseinrichtungen verlängert werden. In dem Papier geben die Wissenschaftler auch Empfehlungen für das Verhalten während der Feiertage. Unter anderem sollten Urlaubsreisen unterbleiben und Zusammenkünfte nur im engsten stabilen Personenkreis stattfinden.

Professor Ralph Hertwig vom Max Planck Institut in Berlin und einer der Verfasser des Papiers, erläuterte im DW-Interview, dass die Weihnachtstage einerseits ein enormes Risiko für Neunfektionen darstellten. Andererseits böten sie aber auch eine gute Gelegenheit, das öffentliche Leben weiter zurückzufahren. "Über die Feiertage findet in dieser Hinsicht ohnehin eine gewisse Entschleunigung statt", so Hertwig, "da Geschäfte und öffentliche Einrichtungen in Deutschland ohnehin geschlossen sind." Deshalb sei die Überlegung gewesen: Falls ein harter Lockdown notwendig werde, sollte er über die Feiertage stattfinden, an denen die Deutschen traditionell ohnehin viel daheim seien. 

Berlin | Pressekonferenz zu Pflege und Corona: Jens Spahn

Auch Bundesgesundheitsminster Spahn erwägt härtere Corona-Maßnahmen

Zuvor hatte bereits Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schärfere Maßnahmen angedeutet. Dem Fernsehsender Phoenix sagte er, kurze und umfassende Beschränkungen seien wahrscheinlich der erfolgreichere Ansatz. Dabei schloss er auch eine erneute Schließung des Einzelhandels nicht aus.

Auch der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), sagte im ARD-Fernsehen, er könne sich weitere Einschränkungen im Einzelhandel nach dem Weihnachtsgeschäft und in Schulen sehr gut vorstellen.

Mehr als 25.000 Tote befürchtet 

Der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach hat seine Forderung nach einem härteren Lockdown erneuert. Ansonsten drohten über Monate hinweg große Schwierigkeiten, die menschlich nicht vertretbar wären, sagte er der "Passauer Neuen Presse". Wir würden bis Ende Januar mit zusätzlichen 25.000 Todesfällen rechnen müssen.

Es gibt jedoch auch Gegenstimmen. So spricht sich Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) gegen neue Beschränkungen aus. Er teile nicht die Auffassung: "Wenn wir alles dichtmachen, dann sind die Infektionen weg", sagte er dem Redaktions Netzwerk Deutschland. Stattdessen sei eine Konzentration auf Bereiche notwendig, in denen Infizierte mit Symptomen auftreten, wie Alten- und Pflegeheime.

Coronavirus | PK Ramelow zu Bund-Länder-Beschlüsse

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow lehnt harten Lockdown ab

Harter Lockdown in Sachsen

Als erstes Bundesland kehrt Sachsen derweil zu einem harten Lockdown zurück. Ab Montag werden Schulen, Kindergärten, Horte und große Teile des Handels geschlossen, kündigte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in Dresden nach einer Kabinettssitzung an. "Wir müssen dieses Land zur Ruhe bringen, das bedeutet weniger Bewegungen", sagte Kretschmer. Die Einschränkungen sollen bis zum 10. Januar gelten. Sachsen hat derzeit die mit Abstand meisten Neuinfektionen mit dem Coronavirus unter den deutschen Bundesländern. Es gibt 319 Infektionen je 100.000 Einwohner an sieben Tagen, dies ist mehr als doppelt so viel wie der deutschlandweite Durchschnitt. Aus diesem Grund gebe es nun die einschneidenden Maßnahmen, sagte Kretschmer.

Neues Treffen zwischen Bund und Ländern noch vor Weihnachten?

Laut dem brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) soll es noch in dieser Woche eine weitere Konferenz der Länderchefs zu neuen Corona-Maßnahmen geben. Als möglichen Termin nannte der SPD-Politiker im Rundfunk Berlin Brandenburg den Donnerstag. 

Aktuell meldet das Robert Koch-Institut bundesweit 14.054 neue Corona-Infektionen binnen 24 Stunden. Das waren 450 mehr als vor einer Woche. Die Zahl der an oder mit Corona Gestorbenen erhöhte sich um 423 auf 19.342. Deutschlandweit liegt die Sieben-Tage-Inzidenz, die die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche angibt, bei 147. Ziel der Politik ist es, die Zahl unter 50 zu drücken. Nur dann sind die Gesundheitsämter in der Lage, Infektionsketten nachzuverfolgen.

bri/as (epd, dpa, rtr)

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