Belarussische Aktivistinnen bekommen Lew-Kopelew-Preis | Aktuell Europa | DW | 16.04.2021
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Auszeichnungen

Belarussische Aktivistinnen bekommen Lew-Kopelew-Preis

Die belarussischen Bürgerrechtlerinnen Swetlana Tichanowskaja, Maria Kolesnikowa und Veronika Zepkalo erhalten den diesjährigen Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte. Das teilte das Kopelew Forum in Köln mit.

Weißrussland I Wahlen I Swetlana Tichanowskaja

Veronika Zepkalo (links), Swetlana Tichanowskaja und Maria Kolesnikowa bei einem Auftritt im Juli 2020 in Minsk

Die Auszeichnung von 2020, die wegen der Corona-Krise noch nicht verliehen wurde, geht an die russische Medienorganisation OVD-Info sowie an den russischen Historiker Jurij Dmitriev. Die Rede bei der Online-Preisverleihung werde Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet halten, hieß es. Der Termin wurde noch nicht bekannt gegeben.

"Swetlana Tichanowskaja, Maria Kolesnikowa und Veronika Zepkalo setzen sich persönlich wie politisch gemeinsam mit großem Mut für echte Demokratie und gegen die offensichtlich manipulierten Präsidentschaftswahlen in Belarus ein", erklärte das Forum. "Sie wurden zu Gesichtern der friedlich und gewaltfrei protestierenden Bevölkerung in Belarus." Obwohl der autokratisch regierende Präsident Alexander Lukaschenko die Proteste gegen die letzten Wahlen mit Brutalität niedergeschlagen habe, bleibe der Widerstand der Frauen "persönlich ungebrochen", hieß es. Tichanowskaja und Zepkalo mussten vor der staatlichen Verfolgung ins Exil flüchten, Kolesnikowa widersetzte sich einer Zwangsabschiebung und sitzt derzeit in einem Gefängnis.

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Tichanowskaja hofft auf deutsche Hilfe (05.10.2020)

Zwei Preise gehen nach Russland

Die russische Initiative OVD-Info engagiere sich seit zehn Jahren für die Aufklärung von willkürlichen Verhaftungen und unterstütze die Betroffenen und ihre Familien mit Auskünften und rechtlichem Beistand, hieß es über den einen der Preisträger 2020. Die Initiative wurde von dem Journalisten Grigorij Ochotin und dem Programmierer Daniil Beilinson gegründet. Trotz staatlicher Behinderung sammelt die Organisation den Angaben zufolge zuverlässige Informationen über Protestaktionen und stellt sie im Internet zur Verfügung.

Der zweite Preisträger, Historiker und Forscher Jurij Dmitriev, kläre über Stalins Terror auf. "Seine Forschungen sind einflussreichen Kreisen des russischen Staatsapparates unbequem in einer Zeit, in der Stalin und sein Wirken, in einer Art historischer Renaissance als großer Führer, in der Öffentlichkeit zunehmend verharmlost werden."

Yuri Dmitriev Russischer Historiker

Der russische Historiker Jurij Dmitriev im Jahr 2017

Dmitriev hat zudem in der russischen Provinz Karelien Erschießungsstätten aus den späten 1930er Jahren, der Zeit von Stalins "großem Terror", ausfindig gemacht . In einem dieser Hinrichtungsorte gelang es ihm, die Identität von etwa 7.000 Erschossenen aus 56 Nationen zu klären, darunter auch Russlanddeutsche. Er ermittelte noch weitere Hinrichtungsstätten mit rund 55.000 Namen von ermordeten Repressionsopfern aus der Stalinzeit. Seit über vier Jahren ist Dmitriev in Haft, nachdem er unter dem Vorwurf der Kinderpornografie und Pädophilie sowie auf der Basis offenbar fingierter Vorwürfe verurteilt wurde.

Mit dem undotierten Lew-Kopelew-Preis zeichnet das gleichnamige Forum seit 2001 jährlich Menschen, Projekte oder Organisationen aus, die im Sinne des russischen Germanisten, Schriftstellers und Humanisten Lew Kopelew (1912-1997) tätig sind. Ziel des Lew Kopelew Forums ist es, den Austausch zwischen West- und Osteuropa zu fördern. Bisherige Preisträger sind unter anderen der türkische Journalist Can Dündar, der Soziologe Lew Gudkow und der vor kurzem verstorbene Theologe Hans Küng.

kle/sti (kna, epd)