BDI zum Brexit: ″Spiel mit dem Feuer″ | Wirtschaft | DW | 18.09.2019
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Brexit

BDI zum Brexit: "Spiel mit dem Feuer"

Der Ton wird schärfer in Sachen Brexit - auch bei der deutschen Industrie. Die Regierung in London betreibe ein "Spiel mit dem Feuer", so der Industrieverband BDI. Jetzt gehe es nur noch um Schadensbegrenzung.

Boris Johnson (picture alliance/dpa/AP/A. Pezzali)

Regierungschef Boris Johnson in London

Es sei kein Plan erkennbar, wie die Regierung in London einen ungeregelten Brexit verhindern wolle, warnte der Bundesverband der deutschen Industrie BDI am Mittwoch. Unternehmen in Deutschland bleibe nichts anderes übrig, als sich auf einen ungeregelten Ausstieg Großbritanniens aus der EU ohne Abkommen Ende Oktober einzustellen.

Auch eine mögliche Fristverlängerung über den 31. Oktober hinaus vergrößere nur die Unsicherheit für Unternehmen, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang in Berlin. "Das sind dann unnötige Extrakosten."

Ein ungeregelter Ausstieg Großbritanniens aus der EU - der sogenannte No-Deal-Brexit - sei die schlechteste Option, die auch Auswirkungen auf Jobs in Deutschland haben könne. Es könne um eine "hohe fünfstellige" Zahl von Stellen gehen, sagte Lang. Bei einem ungeregelten EU-Austritt der Briten könne die Produktion gestört werden, die Nachfrage nach deutschen Produkten in Großbritannien könne weiter einbrechen. Dann sei auch in deutschen Firmen ein Abbau von Jobs möglich.

Joachim Lang BDI (Imago/allefarben-foto)

Joachim Lang vom Industrieverband BDI befürchtet für Deutschland Jobverluste im "hohen fünfstelligen" Bereich.

Eine halbe Million Arbeitsplätze

Wie genau sich ein Chaos-Brexit auswirken werde, könne aber niemand vorhersehen. Der Brexit koste aber auf jeden Fall Wirtschaftswachstum. Insgesamt hingen in Deutschland eine halbe Million Arbeitsplätze an den Wirtschaftsbeziehungen zu Großbritannien.

Die britische Regierung unter dem neuen Premierminister Boris Johnson handle verantwortungslos und spiele mit dem Feuer, sagte der BDI-Vertreter. Bislang rechnet der BDI für 2019 mit einem Wachstum in Deutschland  von 0,5 Prozent - wesentlich weniger als 2018. Im Falle eines EU-Austritts ohne Abkommen drohe ein Wert nahe null, sagte Lang. Auch im kommenden Jahr würde ein halber Prozentpunkt wegfallen.

"Verordnung aus dem 15. Jahrhundert"?

Lang erwartet, Großbritannien werde selbst am meisten Schaden nehmen. "Die jüngsten Produktionsdaten in der britischen Automobilindustrie sprechen Bände." Das Minus im ersten Halbjahr habe elf Prozent betragen. Das Vereinigte Königreich sei nur noch auf Rang sieben der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. "Italien und Polen haben die Briten seit dem Brexit-Referendum überholt."

Es fehlten, Stand heute, noch zahlreiche rechtliche Regelungen, etwa zu Zöllen oder für Bereiche wie die Landwirtschaft. Ob und wann Gesetze auf den Weg gebracht würden, sei angesichts der Zwangspause des Parlaments völlig offen. Lang meinte mit Blick auf das Unterhaus in London: "Vielleicht finden sie dann noch eine Verordnung aus dem 15. Jahrhundert."

ar/dk (dpa,rtr)

 

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