Bayern wird trotzdem Meister | Sport | DW | 22.11.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Rekordmeister im Zwischentief

Bayern wird trotzdem Meister

Meister-Trainer Ottmar Hitzfeld ist sich sicher: Die Bayern werden Meister, ungeachtet ihrer Krise. Aber in der Länderspielpause hat sich nicht viel verändert in München. Nun muss ein Sieg gegen Düsseldorf her.

Ottmar Hitzfeld ist ein großer Trainer. Einer der größten, die die Bundesliga je gesehen hat: siebenmal Deutscher Meister mit Bayern München und Borussia Dortmund, zweimal Champions-League-Gewinner - ebenfalls mit Bayern und dem BVB. Auch wenn der 69-Jährige seine Karriere längst beendet hat, hat sein Wort noch Gewicht. "Ich halte sehr viel von Niko Kovac. Er ist ein Leadertyp und eine Persönlichkeit und deshalb auf alle Fälle der richtige Trainer für Bayern München", sagte Hitzfeld jüngst im Interview mit den Internet-Portalen Spox und Goal.

Nun tummeln sich die erfolgsverwöhnten Bayern nach dem ersten Saisondrittel nur auf Rang fünf der Tabelle und damit in Gefilden, in denen sich Hitzfeld gar nicht so gut auskennt. Und doch nimmt er Kovac in Schutz. Die aktuelle Misere liege an der "teilweise" fehlenden Qualität der Mannschaft, "den etablierten Spielern fehlt derzeit der Konkurrenzkampf, natürlich auch wegen der Verletzungen."

Ottmar Hitzfeld Champions League Finale Pokal Mailand (Getty Images)

Großer Trainer, großer Moment: Ottmar Hitzfeld feiert mit den Bayern 2001 den Gewinn der Champions League

Davies ist da - darf aber noch nicht spielen

In der Tat hat sich an dieser Situation auch in der knapp zweiwöchigen Länderspielpause wenig geändert. Corentin Colisso, Kingsley Koman, James Rodriguez, Thiago Alcantara - sie alle fallen noch einige Wochen aus. Immerhin darf seit ein paar Tagen ein neuer Hoffnungsträger an der Münchener Säbener Straße mitmischen: Alphonso Davies, Toptalent aus Kanada, soll mit seinen 18 Jahren so etwas wie das Gesicht des Umbruchs beim Rekordmeister werden. Spielberechtigt ist er allerdings erst nach der Winterpause. Und ob der Jungstar dann sofort zur Konkurrenz für die Arrivierten auf den Außenpositionen werden kann, darf angezweifelt werden, auch wenn Kovac sagt: "Wenn man so viel Geld ausgibt für einen Spieler, wird man ihn sicherlich nicht in der zweiten Mannschaft parken".

Arjen Robben scheint nichts gegen einen Herausforderer zu haben. Völlig entspannt trabte er in der ersten gemeinsamen Trainingseinheit neben Davies her, unterhielt sich gut gelaunt mit dem Kanadier und machte ihm so den Einstand leichter. Vielleicht hat sich Robben auch nur damit abgefunden, dass sein Vertrag - ebenso wie der von Franck Ribery, seinem Pendant auf der anderen Außenbahn, wohl nicht noch einmal verlängert wird. Dennoch werden die beiden ihre Plätze im Team nicht ohne Widerstand vorzeitig räumen wollen. Da droht weiter Ungemach. 

Der Sunnyboy als Problemkind

Eine weitere große Baustelle, vielleicht sogar die größte, dürfte bei den Bayern die Personalie Thomas Müller sein. Seit zwei Jahren rennt der Weltmeister seiner Form hinterher. Auch der Ausflug zur Nationalmannschaft, bei der er als Einwechselspieler gegen die Niederlande sein 100. Länderspiel machte, brachte keine Besserung. Wäre Müller nicht so beliebt beim Publikum, wäre er aufgrund seiner positiven Art nicht so wichtig fürs Team - sowohl Bundestrainer Joachim Löw als auch Vereinscoach Kovac würden längst auf ihn verzichten. So aber hoffen beide weiter, dass er mit seinen 29 Jahren doch bald wieder an die Leistungen vergangener Tage anknüpfen kann.

Ein gegen Kovac gerichteter Instagram-Post von Müllers Ehefrau Lisa im Spiel gegen Freiburg ("Mehr als 70 Min bis der mal nen Geistesblitz hat") offenbarte, dass die Welt in München längst nicht mehr heile ist. James Rodriguez rebelliert mehr oder weniger offen gegen seinen Trainer, kokettiert mit seiner Rückkehr nach Madrid, wo er sich derzeit zur Rekonvaleszenz nach einer Knieverletzung aufhält - und auch Ribery wird immer dünnhäutiger.

FC Bayern Muünchen vs Borussia Mönchengladbach - Bundesliga (Getty Images/M.Hangst)

Verletzt, unzufrieden, will weg. James Rodriguez ist unglücklich mit der Situation in München

Seine "Watsch'n-Affäre" mit einem französischen TV-Experten dürfte nur ein äußeres Zeichen für die Verunsicherung sein, die ihren Höhepunkt in der denkwürdigen Pressekonferenz der Bayern-Granden Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic Mitte Oktober fand, als die sich - etwas zugespitzt formuliert - jegliche kritische Berichterstattung über den FC Bayern als respektlos verbaten und mit juristischen Mitteln drohten.

Fortuna Düsseldorf - Aufbaugegner oder Stolperstein?

Es ist kaum vorstellbar, dass sich alle Wogen in den vergangenen beiden Wochen geglättet haben. Zu tief muss der Stachel nach der 2:3 im Spitzenspiel in Dortmund sitzen, auch wenn die Bayern da die beste Leistung seit Wochen abgeliefert hatten. Es gibt jedenfalls viele Gründe zu glauben, dass die Saison turbulent bleiben wird.

Zumal die Konkurrenz längst Morgenluft gewittert hat. Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann erneuerte gerade erst in der Bild-Zeitung seine Meisterschafts-Ansage: "Ich habe gesagt, dass wir ums Maximale mitspielen. Dazu stehe ich auch, und das werde ich auch weiterhin tun." Dortmund hat sieben Punkte Vorsprung auf die Bayern und auch Mönchengladbach und Leipzig machen einen stabilen Eindruck.

So wird viel von der Partie am Samstag gegen Fortuna Düsseldorf abhängen, von einem Heimspiel gegen den Vorletzten der Tabelle. Eigentlich eine klare Sache, ein Aufbaugegner. Aber auf der anderen Seite einer der schwersten Gegner, die man in einer solchen Situation haben kann. Denn misslingt der Wiedereinstieg nach der Länderspielpause gegen diesen Außenseiter, dann dürfte die Vorhersage von Trainer-Koryphäe Hitzfeld über den Haufen sein. Der geht nämlich noch immer davon aus, dass die Münchener wieder Meister werden.

Die Redaktion empfiehlt