Bayern verliert gegen Atlético | Fußball | DW | 27.04.2016
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Fußball

Bayern verliert gegen Atlético

Ein unterhaltsames Champions-League-Halbfinal-Hinspiel: Atlético Madrid und Bayern München dominieren jeweils eine Halbzeit. Aber nur eine Mannschaft erzielt ein Tor - nach einem beeindruckenden Sololauf und Abschluss.

"Das ist die Hölle dort." Xabi Alonso, Spanier und Profi beim FC Bayern, hatte seine Mitspieler vor dem Estadio Vicente Caldéron gewarnt. Dennoch: Das Fegefeuer blieb dem deutschen Team nicht erspart. Das alte Stadion, direkt am Fluss Manzanares in Madrid gelegen, verwandelte sich kurz vor Spielbeginn in einen Hexenkessel. Und die Stimmung blieb während des Spiels aufgeheizt, um nach dem Abpfiff zum 1:0 (1:0)-Endstand vollends überzukochen.

Ein Abtasten, wie im ersten Champions-League-Halbfinale am Dienstag zwischen Manchester City und Real Madrid über die vollen 90 Minuten, gab es hier gar nicht. Die Bayern wirkten eingeschüchtert ob der eindrucksvollen Atmosphäre im alten Stadion und dem unaufhaltsamen Anrennen der Gastgeber. Und schon zappelte nach elf Minuten der Ball im Netz hinter Welttorhüter Manuel Neuer.

Ungewohnt defensiv

UEFA Champions League Atletico Madrid vs. Bayern München

Kampfbetontes Spiel: Sevic (l.) und Vidal

Saul Niguez war durch drei Bayern-Spieler einfach hindurch spaziert - namentlich Thiago, Juan Bernat und Alonso. Und dann ließ der Spanier auch noch David Alaba stehen und schlenzte den Ball in die lange, linke Ecke. Als aggressiver Kämpfer und Grobmotoriker im Vorfeld von den Medien kategorisiert, zeigte Niguez hier genau das Gegenteil: Einen beeindruckenden Sololauf mit einem feinfühligen Abschluss (Foto oben). "Das hat er exzellent gemacht", gab Kapitän Philipp Lahm nach der Partie am Mikrofon des Fernsehsenders ZDF zu.

Während die Spanier selbstbewusster, zielstrebiger und zumeist auch leichtfüßiger spielten, war der Favorit gehemmt. Vielleicht lag es auch an der ungewohnt defensiven Ausrichtung, die Bayern Münchens Trainer Pep Guardiola spielen ließ. Torjäger Thomas Müller und Offensivkünstler Franck Ribéry blieben auf der Bank, dafür standen Alonso und Thiago auf dem Platz. "Ich wollte mehr Kontrolle haben und nicht nur stürmen", erklärte Guardiola später seine Taktik. Und Lahm meinte: "Erstmal wollten wir keine Fehler machen, weil der Gegner sehr gefährlich im Umschaltspiel ist."

Lahm alleiniger deutscher Rekordspieler

Die international routinierten FCB-Profis wie Lahm, der nun durch seinen 104. Einsatz in der Königsklasse alleiniger deutscher Rekordspieler in der Champions League ist, spielten in den ersten 45 Minuten längst nicht so souverän, wie man es von ihnen gewohnt ist. Teilweise wirkten sie sogar überfordert. Um das zu erwartete Abwehr-Bollwerk der Madrilenen zu knacken, waren zu diesem Zeitpunkt offensichtlich nicht die richtigen Spieler auf dem Platz. Es fehlten die Präzision und die Ideen.

Nach dem Pausenpfiff, bei dem die Zuschauer die Gäste mit einer beeindruckenden Lautstärke in die Kabine schickten, entsannen sich die Münchener dann wieder ihres spielerischen Potentials und erspielten sich zunehmend Torchancen. Der Lattenkracher von Alaba aus der zweiten Reihe war der erste Weckruf (54. Minute). Keine zwei Minuten später konnte Atléticos Torwart Jan Oblak einen Kopfball von Javi Martinez knapp vor der Linie halten (56.).

Anpeitscher Simeone

Spanien Atletico Madrid - Trainer Diego Pablo Simeone

Der Anpeitscher: Atlético-Coach Diego Simeone

Der nimmermüde Atlético-Trainer Diego Simeone lief während des ganzen Spiels immer wieder wild gestikulierend und die Fans anfeuernd an der Seitenlinie auf und ab. Die Zuschauer machten das Spiel gerne mit und feuerten ihr Team an, weiter zu kämpfen. Das Anrennen hatte die Heimmannschaft jedoch viel Kraft gekostet, die Bayern nutzten das aus, spielten bissiger und setzten sich fast ganz in der gegnerischen Hälfte fest. Und Lahm, der mit seinen Pässen immer wieder gefährliche Aktionen nach vorne einleitete. entwickelte sich zur wichtigen Schaltstelle im Mittelfeld der Bayern.

Unter anderem auch in der 71. Minute, doch Costa lupfte den Ball über das Tor. Oder auch drei Minuten später, als Arturo Vidal aus der Entfernung mit rechts abzog (74). Der Ausgleich für München wäre jetzt verdient gewesen. "Es ist ärgerlich, dass wir kein Auswärtstor geschossen haben", so Lahm." Wir hatten so viele Chancen, dann ist es besonders bitter." Für Wirbel sorgten ebenfalls die eingewechselten Spieler Müller und Ribéry. Der Franzose hatte jedoch kurz darauf leichtfertig den Ball verloren. Beim Konter ließ Fernando Torres dann Alaba stehen und zirkelte den Ball an Neuer vorbei - der Ball knallte an den Pfosten (76.).

Ein unterhaltsames Spiel, das richtig Lust auf das Rückspiel (03.05.2016, 20:45 MESZ im DW-Liveticker) macht und sehr viel Spannung verspricht. Denn so sehr sich die Münchener auch bemühten, es zeigte sich, warum im Zusammenhang mit Atlético immer von der Beton-Abwehr gesprochen wird. Und warum das Team in der Primera Division in 35 Spielen gerade mal 16 Gegentore bekommen hat. Und warum im Estadio Vicente Calderón besonders selten Auswärtstore fallen.

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