Bau im Rekordtempo: Infineons neue Chipfabrik in Dresden
2. Juli 2026
Fünf Milliarden Euro Investitionssumme, drei Jahre Bauzeit: Dresden kann in Deutschlands Osten mit einem neuen Hightech-Werk glänzen. Der Halbleiterkonzern Infineon hat in der Hauptstadt des Bundeslandes Sachsen eine neue Produktionsstätte eröffnet.
Dafür hat der deutsche Chiphersteller die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Unternehmens getätigt, wie Vorstandschef Jochen Hanebeck bei der Eröffnung sagte. Unterstützt wird das Projekt mit öffentlichen Fördergeldern in Höhe von 920 Millionen Euro.
Mit der "Smart Power Fab" soll sich die Kapazität am Standort verdoppeln. Die Fabrik schafft etwa 1000 neue Arbeitsplätze.
Die Inbetriebnahme sei ein Meilenstein für Dresden, Deutschland und ein technologisch souveränes Europa, stellte Hanebeck heraus. Hier entstünden künftig Produkte für die KI-Revolution.
Bundeskanzler Friedrich Merz würdigte die große Bedeutung der Fabrik "für die industrielle Zukunft unseres ganzen Landes, ja der ganzen Europäischen Union". Merz war per Video zugeschaltet.
Bau vorzeitig fertiggestellt
Seit dem Spatenstich Anfang Mai 2023 vergingen drei Jahre bis zur Fertigstellung. Das Werk geht drei Monate früher als geplant in Betrieb.
Die "Smart Power Fab" ist nach Unternehmensangaben "eine der modernsten Halbleiterproduktionsstätten weltweit". Die Chips entstehen auf 300-Millimeter-Wafern. Das sind besonders große Siliziumscheiben, auf die jeweils mehr einzelne Halbleiter passen, was die Herstellungskosten senkt.
Produziert werden in der neuen Fabrik sogenannte Leistungshalbleiter, die unter anderem für Elektroautos, erneuerbare Energien, für Künstliche Intelligenz und bei der smarten Stromsteuerung gebraucht werden.
Hanebecks Ermahnung
"Wir wollen alle Europa als Halbleiter-Hub stärken", verkündete der Infineon-Chef. Dazu brauche man mehr Tempo und weniger Bürokratie, ermahnte er anwesende Politiker.
"Mit leistungsfähigen Unternehmen und mehr als 80.000 Beschäftigten ist Dresden die Herzkammer der europäischen Halbleiterindustrie", so Hanebeck. Infolge der Ansiedlung des taiwanischen Chipriesen TSMC und der Produktionserweiterungen bei Infineon und Globalfoundries soll die Beschäftigtenzahl bis 2040 in der Region auf rund 100.000 wachsen.
Siemens setzt auf Hessen
Auch andernorts in Deutschland wird in Zukunftstechnologien investiert: Die Siemens AG baut angesichts der boomenden Nachfrage nach Rechenzentren ihre Standorte im westdeutschen Bundesland Hessen für 300 Millionen Euro aus. Es gehe um die Fertigung von Schlüsseltechnologien für die globale Energiewende KI-Rechenzentren, teilte der Münchner Konzern am Mittwoch mit.
Zwei bestehende Fabriken in Frankfurt am Main sollen ab sofort erweitert werden. Zugleich beginnt Siemens mit dem Bau eines neuen Zulieferwerks im benachbarten Offenbach. Das soll bereits im kommenden Frühjahr in Betrieb gehen.
Bis 2030 sollen dadurch 700 zusätzliche Arbeitsplätze in der Region geschaffen werden. Bisher arbeiten in den Frankfurter Werken 2800 Menschen für Siemens.
AR/se (dpa, afp, rtr)