″Avantgarde″: Russland macht Tempo im Wettrüsten | Aktuell Europa | DW | 28.12.2019
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Atomwaffen

"Avantgarde": Russland macht Tempo im Wettrüsten

Russland hat nach eigenen Angaben eine Hyperschall-Rakete in Betrieb genommen - als erstes Land der Welt. Sie kann mit Atomsprengköpfen bestückt werden. Das rasende Geschoss abzufangen, scheint derzeit unmöglich.

Sie fliegt mehr als 20 mal schneller als der Schall, kann wie ein Meteor plötzlich am Himmel auftauchen und damit völlig überraschend auf ein feindliches Ziel zusteuern: "Avantgarde", die neueste Entwicklung russischer Rakenteningenieure. Seit diesem Wochenende sind Raketen dieses Typs kampfbereit. Ein erstes Regiment sei einsatzfähig, so Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Sergej Schoigu (picture-alliance/ZUMAPRESS/A. Nikolskyi)

Verteidigungsminister Sergej Schoigu: "Meilenstein"

Er sprach von einem "Meilenstein für das Land und die Armee". Nach Angaben von Experten ist Russland damit das erste Land, das über diese Technologie verfügt. Die neue Waffe soll in der Region Orenburg im südlichen Ural stationiert sein.

Vize-Verteidigungsminister Alexej Kriworutschko sagte der Armeezeitung "Krasnaja Swesda", die Serienproduktion der Waffe sei bereits angelaufen. Die Interkontinentalraketen haben den Angaben zufolge eine Reichweite von 4000 Kilometern.

"Absolute Waffe"

Präsident Wladimir Putin bezeichnete "Avantgarde" schon im Juni 2018 als "absolute Waffe". Die Interkontinental-Raketen wurden vor einem Jahr erstmals getestet. Die Fluggeschwindigkeit wurde von der Regierung in Moskau mit Mach 20 angegeben, der 20-fachen Schallgeschwindigkeit. Sogar eine Geschwindigkeit von Mach 27 soll möglich sein - das wären mehr als 33.000 Kilometer pro Stunde.

Bei diesen Geschwindigkeiten könne sie nicht von Abwehrsystemen abgefangen werden, hatte Putin verkündet. Nach russischen Angaben können die "Avantgarde"-Raketen jeden derzeit bestehenden Raketenschild durchbrechen.

Wladimir Putin (Reuters/Sputnik)

Präsident Putin: US-Raketenstationierungen im Blick"

Da das Ziel und die Flughöhe noch im Flug geändert werden können, bezeichnete der russische Präsident den Raketentyp als "praktisch unbesiegbar". Er glaube nicht, dass irgendein Land in den kommenden Jahre über eine solche Waffe verfügen werde, ergänzte Putin. "Wir haben sie bereits." Manche westliche Experten haben allerdings Zweifel, ob das Raketenprogramm wirklich so fortschrittlich ist.

Russischen Medienberichten zufolge wurde die Rakete gemäß den Bestimmungen des Abrüstungsvertrages "New Start" mit den USA Ende November amerikanischen Inspektoren gezeigt. Aus dem US-Verteidigungsministerium hieß es nur, man werde "die russischen Behauptungen" über die Fähigkeiten der "Avantgarde" nicht bewerten.

Antwort auf US-Raketenabwehrsysteme

Nach Angaben des wissenschaftlichen Dienstes des US-Kongresses vom Juli entwickeln die Vereinigten Staaten seit den frühen 2000er Jahren Hyperschallwaffen. Laut Putin ist "Avantgarde" eine Antwort auf Raketenabwehrsysteme der USA. Der russische Präsident hatte erst am Donnerstag gefordert, militärische Aktivitäten des Westens und die mögliche Stationierung von US-Raketen mittlerer und kürzerer Reichweite in Europa im Blick zu haben.

Der New-Start-Vertrag war im Jahr 2010 von den damaligen Staatschefs Barack Obama und Dmitri Medwedew unterzeichnet worden. Er sieht eine Verringerung der Zahl der einsatzbereiten Atomsprengköpfe um gut ein Drittel auf jeweils 1550 sowie eine Begrenzung der Trägersysteme auf jeweils 800 vor.

Aus einem anderen Abkommen mit Russland zur Begrenzung atomarer Waffen, dem INF-Vertrag, waren die USA unter Präsident Donald Trump Anfang 2019 ausgestiegen. Die Vereinigten Staaten und deren Bündnispartner werfen der Führung in Moskau schon lange vor, das Abkommen durch neue Marschflugkörper zu verletzen. Putin hatte sich zuletzt für eine Verlängerung des Abkommens ausgesprochen.

AR/qu (afp, dpa, rtr, ap)

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