Autosalon Genf: Gelassenheit nach Trump-Drohungen | Wirtschaft | DW | 06.03.2018
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Wirtschaft

Autosalon Genf: Gelassenheit nach Trump-Drohungen

Von den Strafzoll-Drohungen aus Washington wollen sich die europäischen Autobauer erst einmal nicht verunsichern lassen. Allerdings kommen sie beim großen Branchentreffen in Genf an dem Thema nicht vorbei.

Donald Trumps Drohungen mit Strafzöllen auf europäische Autoimporte sehen die deutschen Konzerne bislang betont gelassen. Auf dem Genfer Autosalon sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche am Dienstag, Spekulationen über das, was letztlich komme, seien genauso sinnlos wie vor der Steuerreform des US-Präsidenten. BMW-Chef Harald Krüger zeigte sich optimistisch, dass es keine Strafzölle auf europäische Auto-Einfuhren gebe: "Das geht nicht per Dekret des Präsidenten von heute auf morgen." Außerdem gebe es US-Parlamentarier, die Strafzölle ablehnten. So hatte der einflussreiche Chef der US-Republikaner im Repräsentantenhaus, Paul Ryan, den US-Präsidenten dazu aufgefordert, seine Pläne für Strafzölle zu überdenken. 

Ryan kommt aus dem Bundesstaat Wisconsin, wo der Motorradbauer Harley-Davidson beheimatet ist, den die Europäische Kommission für den Fall von Zöllen mit Gegenmaßnahmen treffen will. Außer Motorrädern könnten auch Whiskey, Orangensaft, Mais, Jeans und andere Kleidung oder Kosmetik betroffen sein. Insgesamt stehen auf der EU-Liste US-Produkte im Wert von 2,8 Milliarden Euro. Unmittelbar verhängen wird die Brüsseler Behörde die Strafabgaben aber nicht. Vorher muss Trump die Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte wirklich umsetzen. Bisher gibt es nur Drohungen.

Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchione kritisierte die EU: Ihre Reaktion auf Trumps Ankündigung von Zöllen auf Aluminium und Stahl sei nicht hilfreich. "Das ist die falsche Antwort zur falschen Zeit", sagte  Marchione und mahnte: "Wir müssen sehr vorsichtig sein." Statt auf jede Provokation sofort zu reagieren, sollte die Diskussion breiter geführt werden. Der Chef des französischen PSA-Konzerns und Vorsitzende des europäischen Autoverbandes Acea, Carlos Tavares, sagte, Trump äußere seine Meinung stets sehr deutlich. Aber das müsse nicht heißen, dass alles auch so komme. "Zwischen einer Verhandlungsposition und einer endgültigen Entscheidung gibt es einen Unterschied", betonte der Lenker des Konzerns mit Marken wie Peugeot, Citroën und Opel in Genf.

Frankreich PSA CEO Carlos Tavares (Getty Images/AFP/W. Zhao)

PSA-Chef Carlos Tavares rät zur Besonneheit nach den Trump-Drohungen

Trump hatte zunächst Strafzölle auf Stahl und Aluminium angekündigt und dann am Samstag mit Strafabgaben für Import-Autos gedroht, sollte die EU US-Produkte mit höheren Zöllen belegen. Die EU-Kommission will am Mittwoch entscheiden, wie sie reagiert. Die Steuerreform von Trump hatte den Autokonzernen zuletzt dicke Sondergewinne beschert. Allein VW, Mercedes und BMW verbuchten zusammen drei Milliarden Euro extra. VW-Konzernchef Matthias Müller kritisierte aber, nach jahrelangen Bemühungen um den Abbau von Zollschranken schere nun eine Nation aus. "Das ist für uns auch sehr überraschend. Jetzt muss man schauen, wie sie sich konkret verhalten." Für Schlussfolgerungen sei es zu früh: "Wir müssen das dann in aller Gelassenheit bewerten und dann entscheiden."

BMW-Chef Harald Krüger vertraut im Falle von US-Zöllen auf Auto-Importe auf die eigene Produktion in den Vereinigten Staaten. Weil BMW viele Modelle in seinem Werk in Spartanburg im Bundesstaat South Carolina produziere, sei der Konzern in einer besseren Position als die Wettbewerber. Krüger gab aber zu bedenken: "Sollten wir Zollschranken bekommen, hat das auch Einfluss auf Arbeitsplätze in den USA." Fiat-Chrysler-Chef Marchione nannte die hitzige Debatte "nicht hilfreich". Sie mache Gespräche über die Zukunft der nordamerikanischen Freihandelszone Nafta kompliziert. Die Debatte stelle Mexiko und Kanada als Investitionsorte in Frage.

Breite Diskussion über Elektromobilität

Tavares und Krüger forderten von der Politik mehr Anstrengungen beim Aufbau einer Elektro-Ladeinfrastruktur. Trotz geringer Nachfrage bringe die Autoindustrie die Elektromobilität voran, sagte Tavares. "Wir haben die Erwartung, dass die europäischen Regierungen sich klar dazu bekennen, dass es ein Ladenetz mit einer gewissen Dichte geben muss, bevor wir die CO2-Ziele erreichen müssen".

BMW Werk in Spartanburg (BMW AG)

BMW vertraut auf sein Werk in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina

Toyota kündigte derweil in Genf den schrittweisen Abschied vom Diesel an. Wegen der sinkenden Nachfrage werde der japanische Autoriese als letztes Auto auch den Kompaktwagen Auris ab 2019 nur noch mit Benzin-Hybrid-Motor anbieten, nicht mehr mit Diesel. Diese Motoren hatte BMW zugeliefert. Bei Geländewagen oder leichten Nutzfahrzeugen soll es aber weiter auch Diesel-Versionen von Toyota geben. Toyota hat im vergangenen Jahr 718.000 Autos in Europa verkauft. Marktführer VW kam hier auf 3,718 Millionen Exemplare.

PSA-Chef Tavares sage: "Wenn es irgendwann nicht mehr genug Kunden gibt, die einen Diesel wollen, stoppen wir den Diesel. Aber das kommt auf die Kunden an." Krüger sagte, das Ziel, den Ausstoß des Klimagases CO2 zu senken, stehe für BMW. Aber "ohne Diesel sind die CO2-Ziele nicht erreichbar".

Kritisch sieht Marchione den Trend weg vom Diesel hin zu E-Autos. "Wir sind die Einzigen, die vorsichtig sind bei elektrischen Autos und beim autonomen Fahren", sagte der Fiat-Chrysler-Chef. Das sei Zukunftsmusik, und "die Zukunft ist nicht jetzt". Aber die Nachfrage nach Diesel-Autos sinke, "der Markt sagt: schuldig". Die Vorgaben der Regulierer machten dem Diesel die Zukunft schwer. Daher werde der Konzern die Abhängigkeit vom Diesel verringern, "weil wir müssen".

Daimler und VW gaben derweil auf der Messe weiter gut laufende Geschäfte bekannt: Im Februar verkauften Mercedes und Smart weltweit 5,4 Prozent mehr Autos als vor einem Jahr. Auch Volkswagen habe im Februar um mehr als fünf Prozent zugelegt, sagte VW-Markenchef Diess.

tko/hk (dpa, rtr)

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