Auswärtiges Amt verschärft Reisewarnung für Ägypten | Aktuell Afrika | DW | 26.02.2014
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Aktuell Afrika

Auswärtiges Amt verschärft Reisewarnung für Ägypten

Angesichts der Gewalt auf der Sinai-Halbinsel hat das Auswärtige Amt in Berlin seine Reisewarnung für Ägypten verschärft. Betroffen sind jetzt auch die Badeorte am Roten Meer.

"Vor Reisen in den Norden der Sinai-Halbinsel und das ägyptisch-israelische Grenzgebiet wird gewarnt. Dies gilt auch für den Badeort Taba", heißt es in der Erklärung des Ministeriums. In den Regionen fänden militärische Operationen statt, und es komme - wie zuletzt am 16. Februar in Taba - zu "terroristischen Anschlägen".

Aber auch vor Reisen in alle anderen Regionen der Sinai-Halbinsel wird dringend abgeraten. Dies gelte einstweilen auch für die Badeorte. Urlaubern vor Ort rät das Außenamt, sich wegen einer früheren Abreise aus dem Sinai an ihren Reiseveranstalter zu wenden. Bis dahin wird empfohlen, Bewegungen vor Ort auf ein Minimum zu reduzieren und die Anweisungen von Reiseveranstaltern und ägyptischen Sicherheitskräften unbedingt zu befolgen.

Auch weitere Gebiete betroffen

Weitere Reisewarnungen gibt es für das Nildelta außerhalb der Ballungszentren Kairo und Alexandria und für das Niltal südlich von Kairo bis nördlich von Luxor. Von Reisen in entlegene Gebiete der Sahara insbesondere die Grenzregionen zu Libyen und zum Sudan wird sogar "eindringlich" abgeraten.

Die Reisewarnung gilt nicht für Schiffstouren zu den historischen Städten und den Nasser-Stausee bis Abu Simbel.

Todesurteile für Islamisten

Seit dem Sturz des ersten demokratisch gewählten Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär Anfang Juli vergangenen Jahres hat die Gewalt im Lande und besonders auf dem Sinai deutlich zugenommen. Militante Islamisten hatten Urlaubern in Ägypten in der vergangenen Woche mit neuen Anschlägen gedroht. Ausländern war ein Ultimatum zum Verlassen des Landes bis Donnerstag vergangener Woche gestellt worden.

Erst in der Nacht zum Mittwoch sprengten mutmaßliche Aufständische im Norden des Sinai eine Pipeline in die Luft, die Gas nach Jordanien transportiert. Es war bereits der vierte Anschlag auf eine Pipeline auf der Halbinsel seit Jahresbeginn. Wegen der Anschläge auf Pipelines mussten die Gaslieferungen nach Israel und Jordanien immer wieder gestoppt werden.

Ein Gericht in Kairo hat am Mittwoch 26 mutmaßliche Terroristen zum Tod verurteilt, die geplant haben sollen, Schiffe im Suezkanal mit Raketen anzugreifen. Gegen alle Angeklagten wurde in Abwesenheit verhandelt, wie Justizkreise in Kairo bestätigten. Bei allen handle es sich um ägyptische Staatsbürger.

Schwierige Regierungsbildung

Unterdessen kommt die Bildung einer neuen Regierung nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Hasem al-Beblawi voran. Dabei setzt der designierte Regierungschef Ibrahim Mahlab vor allem auf zurückgetretene Minister. Wiederernannt wurden unter anderem Innenminister Mohammed Ibrahim, Planungsminister Aschraf al-Arabi sowie der für Öl zuständige Minister Scherif Ismail.

Ägypten Muslimbrüder Protest Polizei Tränengas 20.12.2013 (Foto: Reuters)

Anhänger der Muslimbrüder schrecken vor Gewalt nicht zurück

Auch Armeechef Abdel Fattah al-Sissi wird weiter das Amt des Verteidigungsministers bekleiden. Al-Sissi werden gute Chancen bei der kommenden Präsidentenwahl eingeräumt. Um offiziell seine Kandidatur einreichen zu können, muss er aber zuvor sein Regierungsamt niederlegen.

Der nächste ägyptische Staatschef muss ein tief gespaltenes Land regieren, in dem sich die Gefolgsleute Mursis immer wieder bei Demonstrationen blutige Schlachten mit Polizei und politischen Gegnern liefern. Auf dem Sinai, aber auch in den Großstädten greifen zudem mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Dschihadisten die Sicherheitskräfte und andere Ziele an, um das Chaos zu verstärken. Mehr als tausend Menschen, zumeist Islamisten, wurden seit dem Sturz Mursis im Lande getötet; fast die gesamte Führung der straff organisierten Muslimbruderschaft sitzt in Gefängnissen.

gmf/se (afp, dpa, rtr)