Ausbeutung? - Thailändische Beerenpflücker in Schweden | DokFilm | DW | 29.08.2020
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DokFilm

Ausbeutung? - Thailändische Beerenpflücker in Schweden

Jeden Sommer ziehen tausende Thailänder durch Schwedens Wälder, um Beeren zu suchen. Einheimische sind für den Job nicht zu finden. Doch immer wieder ist von schlimmen Arbeitsbedingungen die Rede. Was treibt die Erntehelfer trotzdem nach Schweden?

Chang ist einer von mehr als 6000 thailändischen Saisonarbeitern, die in den Sommermonaten nach Schweden gekommen sind. Statt auf dem Reisfeld zu schuften, sammelt er jetzt täglich bis zu zwölf Stunden Blau- und Preiselbeeren. Viel weiß Chang nicht über das skandinavische Land, doch für ihn bietet es eine Riesenchance: "In Thailand würde ich jetzt nur auf die Reisernte warten, aber hier in Schweden kann ich hoffentlich viel Geld machen!" Chang ist das erste Mal in Schweden. Eine Leiharbeitsfirma hat ihn angeheuert und ihm das Arbeitsvisum und Flugticket besorgt. Dafür hat sich Chang hoch verschuldet. Und auch in Schweden muss er zunächst die Kosten für Unterbringung und Verpflegung abarbeiten, bevor er überhaupt etwas verdient. Die Skandale in den vergangenen Jahren haben ihn nicht abgeschreckt. Thailändische Arbeiter wurden immer wieder um ihren Lohn geprellt. Im Jahr 2013 beging ein Pflücker sogar Selbstmord in Schweden. Zu groß war seine Verzweiflung, ohne Geld nach Hause fliegen zu müssen. Eine besondere Regelung hat den Kampf um die Beeren erst möglich gemacht. In Schwedens Wäldern herrscht "Jedermannsrecht". Der kostbare Rohstoff gehört dem, der ihn zuerst erntet. Unternehmen haben daraus ein Riesengeschäft gemacht. Doch gleichzeitig hat das mancherorts zu Verhältnissen wie im Wilden Westen geführt. Zwar gibt es inzwischen einen garantierten Mindestlohn von knapp 2.000 Euro, doch ob der auch immer gezahlt wird, lässt sich nur schwer kontrollieren. Das Risiko gehen immer die Pflücker aus Thailand ein, sagt Mats Wingborg. Der investigative Journalist berichtet seit Jahren über die Situation der Beerensammler: "Das System ist anfällig für Betrug. Dazu kommt, dass die Thailänder mindestens einen Monat arbeiten müssen, um erst mal ihre Schulden abzubezahlen. Und wenn die Ernte schlecht ausfällt, fahren manche sogar mit Schulden nach Thailand zurück."