Aus Dubai nach Deutschland zum Arzt | Deutschland | DW | 01.01.2014
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Deutschland

Aus Dubai nach Deutschland zum Arzt

42 Jahre nach Staatsgründung ist Dubais Infrastruktur noch im Aufbau. Daher lässt der Golfstaat Kranke im Ausland behandeln. Auch andere Araber konsultieren Ärzte in Deutschland - nicht immer ohne Komplikationen.

Eines der Telefone im Büro von Dr. Khaled AlQaiwani klingelt immer. Gerade hat sich eine Frau aus Dubai gemeldet. Sie war zum Shoppen nach Deutschland gekommen, erlitt einen Schwächeanfall und landete im Krankenhaus. Dort sagte man ihr, die Ärzte müssten diverse Ursachen abklären. AlQaiwani wird die Kostenübernahme prüfen. Üblicherweise entscheiden die Mediziner in Dubai über die Behandlung im Ausland. Oft sind es Schwerverletzte nach Autounfällen, Kinder mit Fehlbildungen, Patienten mit Tumoren oder orthopädischen Beschwerden, die nach Deutschland kommen.

Ansprecherpartner für Alle und Alles

AlQaiwani ist Urologe mit Büro in der Außenstelle der Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate in Bonn. Die Befunde und Krankenunterlagen der Patienten bekommt er aus seinem Heimatland Dubai zugeschickt.

Dr. Khaled AlQaiwani in seinem Büro in der Bonenr Botschaft der Vereinigten Arabishen Emirate (Foto: Karin Jäger/DW)

Dr. Khaeld AlQaiwani - immer ansprechbar

Dann sucht er im gesamten Bundesgebiet, in Österreich oder der Schweiz die passende Klinik und organisiert die Reise und den gesamten Aufenthalt. Neben größeren Pannen muss der Verbindungsmann kleinere Unklarheiten sofort lösen: "Einmal rief ein Dubaier an und fragte: Ich bin gerade gelandet. Vor mir steht ein Mann in Uniform, was soll ich tun, wenn er mir Schwierigkeiten macht?" AlQaiwani erklärte, dass es sich um einen Polizisten handele, dem er seinen Pass vorzeigen solle.

Viele solcher Anekdoten könnte der Mediziner, der in Deutschland studiert hat, erzählen. "Die Menschen sind krank, psychisch belastet, sind das erste Mal in einem fremden Land, deren Sprache sie nicht sprechen", sagt AlQaiwani. "Sie verhalten sich hier nicht wie zu Hause. Sie haben oft keine Geduld." Nicht selten erlebten die Menschen aus dem Orient erst einmal einen Kulturschock.

Unseriöse Vermittler haben eine Branche in Verruf gebracht

AlQaiwani vermittelt ihnen, wie sie sich benehmen sollen, um nicht negativ aufzufallen. Er organisiert Dolmetscher, Transportdienste, Unterkünfte für den mitgereisten Familienanhang. Er verhandelt mit Kliniken über notwendige Maßnahmen und Honorare, bewilligt bedürftigen Emiratern staatlich finanziertes Taschengeld. Aber auch Fragen zur Ausübung der Religion, schweinefleisch- und alkoholfreier Kost muss er klären. "Mein Job ist sehr stressig", sagt der Medizin-Bürokrat und lächelt gelassen dabei. Tausend Patienten betreut er pro Jahr, die im Durchschnitt zusätzlich zwei Begleiter mitbringen. Weil er die nicht alle persönlich begleiten kann, muss er auf die Dienste von Organisationen zurückgreifen. Mit deren Leistungen ist er aber nicht immer zufrieden. "Die arbeiten oft nicht professionell, kassieren Unsummen an Provisionen - von Ärzten und Patienten. Das beeinträchtigt die Behandlung", hat AlQaiwani erfahren.

Reha-Klinik Godeshöhe in Bonn-Bad Godesberg (Foto: Karin Jäger/DW)

Auf die Behandlung arabischer Patienten eingestellt: die Reha-Klinik Godeshöhe

Auch andere Araber suchen ihr Heil in Deutschland - und manche hinterlasssen offene Rechnungen: Patienten verschwanden in der Vergangenheit spurlos, ohne gezahlt zu haben, beklagen Klinikbetreiber. Die neurologische Reha-Klinik Godeshöhe im früheren Bonner Diplomatenviertel Bad Godesberg hat daraus Konsequenzen gezogen. So werden Schlaganfall- oder Hirntrauma-Patienten aus Saudi-Arabien und Kuwait nur noch gegen Vorkasse behandelt. Auch wegen der Kostenübernahme für Schwerverletzte im libyschen Bürgerkrieg 2011, die in Deutschland behandelt werden, gebe es Unstimmigkeiten. Rolf Radzuweit, Geschäftsführer der Klinik, beziffert die Außenstände auf einen sechsstelligen Betrag. Die Verantwortlichen in Berlin schauten hier unbeteiligt zu. "Die Zusammenarbeit mit den Botschaften der Emirate und Katars funktioniert seit drei Jahrzehnten vorbildlich. Rechnungen werden umgehend bezahlt", fügt der Klinik-Geschäftsführer im Gespräch mit der Deutschen Welle hinzu.

Krankenhäuser sind Luxus in den reichen Golfstaaten

Katar und Dubai gelten zwar im westlichen Verständnis als Urlaubs- und Einkaufsparadiese am Persischen Golf. Das staatliche Gesundheitssystem in den ölreichen Staaten hat aber Defizite, vor allem bei der Massenversorgung. "Wir haben moderne Kliniken, aber zu wenige Ärzte. Patienten mit komplexen Krankheiten werden ins Ausland geschickt, weil in unserer Verfassung die medizinische Behandlung als Grundrecht verankert ist", erklärt AlQaiwani den Zweck dieses Medizintourismus'.

Wolkenkratzer Burj Al-Arab in Dubai (Foto: AFP)

Prächte Bauten, niedriger Gesundheitsstandard - in Dubai

Nicht nur wohlhabende Araber werden in Deutschland behandelt, auch Soldaten, deren Angehörigen sowie Zivilisten. Die Rehabilitationsmaßnahmen oder die Anpassung orthopädischer Hilfsmittel nach operationen rechtfertige die Reise nach Deutschland.

"Es gibt allerdings Kliniken, die schlagen auf jede Rechnung 20 Prozent drauf. Das ist eine richtige Mode geworden", beklagt AlQaiwani. Rolf Radzuweit rechtfertigt die Mehrkosten für ausländische Patienten mit Laborleistungen, Dolmetschertätigkeiten, Transporten außerhalb der Klinik, besonderer Verpflegung und Mehraufwand für geschlechterspezifische Behandlung. "Wir rechnen das so pauschal ab. Das dient der Übersichtlichkeit und schützt die Botschaften vor bösen Überraschungen." Im Übrigen zahlen die Patienten aus dem Ausland nur die reinen Betriebskosten." Deutsche Patienten hätten zusätzlich über Steuermittel Klinikbauten und Medizintechnik bezahlt.

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