Aufbruch nach Gaddafis Tod | Welt | DW | 21.10.2011
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Welt

Aufbruch nach Gaddafis Tod

Nur Stunden nach dem Tod von Ex-Diktator Gaddafi laufen in Libyen bereits die Vorbereitungen für eine neue Regierung an. Gaddafi selbst soll schon in Kürze an einem geheimen Ort begraben werden.

Libyer bejubeln Gaddafis Tod (Foto: dpa)

Jubel: Die Libyer blicken zuversichtlich in die Nach-Gaddafi-Ära

In Libyen werden erste Weichen für eine demokratische Zukunft gestellt: Wenige Stunden nach dem Tod des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi wandte sich der Übergangsrat bereits der Bildung eines neuen Staatswesens zu. Schon in einem Monat soll die neue Übergangsregierung in Tripolis stehen.

Tod im Krankenhaus?

Wer genau den Ex-Diktator am Donnerstag in seiner Heimatstadt Sirte tötete, konnte vorerst nicht geklärt werden - die Berichte widersprechen sich. Zuletzt erklärte der Regierungschef des Übergangsrates, Mahmud Dschibril, Gaddafi sei gefangengenommen und kurz darauf lebensgefährlich verletzt worden, als die Kämpfer, die ihn auf einem Pritschenwagen von Sirte nach Misrata bringen wollten, auf dem Weg unter Beschuss geraten seien. Er sei nicht von den Kämpfern zu Tode geprügelt worden, sondern erst nach seiner Ankunft im Krankenhaus von Misrata gestorben, weil er viel Blut verloren habe.

Außer Gaddafi sollen auch dessen Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi und sein Verteidigungsminister Abu Bakr Junis getötet worden sein. Am Abend wurde zudem der Tod der Gaddafi-Söhne Saif al-Islam und Mutassim von staatlichen Fernsehen bestätigt. Beide sollen wie ihr Vater in Sirte getötet worden sein.

Kompletter Neuanfang

Mahmud Dschibril (Foto: dapd)

Führt die amtierende Regierung: Mahmud Dschibril

Die Libyer nehmen ihr Schicksal jetzt selbst in die Hand. Mahmud Dschibril erklärte, die neuen Machthaber wollten schon am Samstag offiziell den Beginn der Übergangsphase auf dem Weg zu einem demokratischen Staat verkünden. Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, wolle dies in Sirte, der Heimatstadt von Ex-Diktator Gaddafi tun. Dann werde binnen 30 Tagen eine neue Übergangsregierung gebildet. Acht Monate später solle dann ein Nationalkongress einberufen werden, um die Weichen für einen kompletten Neuanfang zu stellen.

Dschibril erklärte den Angaben zufolge, der Übergangsrat habe am Donnerstag, nachdem Gaddafi getötet worden sei, Kontakt mit dem Internationalen Strafgerichtshof aufgenommen. Das Gericht habe die Libyer gebeten, Gaddafi vorerst nicht zu begraben, damit der Leichnam untersucht werden könne. Der Übergangsrat habe jedoch anders entschieden. Allerdings hätten Ärzte Haar- und Gewebeproben von der Leiche genommen, um keine Zweifel an der Identität des Getöteten aufkommen zu lassen. Gaddafi werde in Kürze an einem unbekannten Ort nach islamischem Ritus begraben.

F-16-Kampfjets (Foto: AP)

Ein Bild der Vergangenheit: Nato-Jets im Libyen-Einsatz

Nato beendet Einsatz

Der Nato-Rat will auf einer Sondersitzung voraussichtlich schon an diesem Freitag (21.10.2011) den Militäreinsatz in Libyen für beendet erklären. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Libyer zur Versöhnung auf: "Die Kämpfer aller Seiten müssen ihre Waffen in Frieden niederlegen. Das ist die Zeit der Versöhnung, nicht der Rache."

Autoren: Jutta Lauterbach / Hans Dahne
Redaktion: Christian Walz

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