Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit vor dem Abschluss? | Aktuell Afrika | DW | 29.08.2019
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Südwestafrika

Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit vor dem Abschluss?

Entwicklungsminister Müller will die Zusammenarbeit mit Namibia auf eine neue Basis stellen. Er wünscht sich eine engere Partnerschaft mit der früheren Kolonie und die endgültige Aufarbeitung der Kolonialverbrechen.

Deutschland habe das feste Ziel, die Aufarbeitung der Kolonialverbrechen des Deutschen Reiches im damaligen Deutsch-Südwestafrika zum Abschluss zu bringen, "denn wir wollen nach vorne blicken; die Vergangenheit nicht vergessen, aber einen neuen Schritt nach vorne machen hin zur Partnerschaft und Freundschaft der beiden Länder", sagte der Bundesentwicklungsminister bei einem Besuch in Namibia, der früheren Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Die offene und ehrliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sei Fundament für die gemeinsame Zukunft.

Namibia Bundesentwicklungsminister Gerd Müller in Windhoek (Imago Images/photothek/U. Grabowsky)

Minister Müller mit Herero und Nama in Windhuk

Ein Treffen mit Vertretern der Volksgruppen der Herero und Nama in Windhuk, die Opfer der Gräueltaten der deutschen Kolonialherren waren, bezeichnete Gerd Müller als freundschaftlich. "Wir haben zu lange vergessen und auch zu lange verdrängt, was war in den Jahren der Kolonialzeit", meinte Müller mit Blick auf die Vergangenheit. Deutschland habe eine historische Verantwortung und stehe zu der daraus erwachsenden Verpflichtung: "Es ist zwischenzeitlich klar, dass die Verbrechen und Gräueltaten 1904 bis 1908 das waren, was wir heute als Völkermord bezeichnen - und dies auch so benennen." Deutschland werde daher auch "in aller gebotenen Form" um Entschuldigung bitten, kündigte Müller an.

Abschluss noch in diesem Jahr geplant

Beide Volksgruppen verlangen vom Bundestag eine offizielle Entschuldigung für zur Kolonialzeit begangene Verbrechen sowie eine finanzielle Wiedergutmachung. Der deutsche Minister lehnte sich inhaltlich zwar nicht aus dem Fenster, schließlich ist er nicht der Verhandlungsführer. Aber er bezeichnete die Verhandlungen als weit fortgeschritten. Der Text liege schon vor, nur die Finanzfrage sei noch offen. Im November wird in Namibia gewählt, und danach soll das Papier vollständig sein.

Müller versprach zudem eine Intensivierung des deutschen Engagements in dem südwestafrikanischen Staat. "Wir werden unsere Zusammenarbeit weiter ausbauen und neue Schwerpunkte setzen - insbesondere die Bereiche Ausbildung, Gesundheit und Energie wird Deutschland unterstützen". Geplant ist auch ein Austauschprogramm für junge Handwerker. Im September - so stellte er in Aussicht - solle die Hilfe für die kommenden zwei Jahre von 130 auf 150 Millionen Euro aufgestockt werden.

Nach den politischen Gesprächen stehen Umwelt-, Naturschutz- und Infrastrukturprojekte in Nambia auf Müllers Besuchsagenda.

Das Deutsche Reich war von 1884 bis 1915 Kolonialmacht im heutigen Namibia.

qu/cgn (dpa, BMZ)

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