Auf dem Berg | Sprachbar | DW | 29.01.2014
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Sprachbar

Auf dem Berg

Berge können sehr hoch sein, manche können spucken, andere sind eiskalt. Besonders lokale Präpositionen fühlen sich zum Berg „hingezogen“. Sprachlich steht er als Synonym für eine Herausforderung oder einen Erfolg.

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Sprachbar: Auf dem Berg – die Folge als MP3

Die einfache Definition für einen Berg ist „eine große Erhebung in natürlichem Gelände“. Berge können steil, gefährlich und majestätisch sein. Sie können Feuer speien und Asche spucken, oder sie sind vereist. Berge können ein Ort für Sport und Erholung sein, eine Art „Arbeitgeber“ für bestimmte Berufsgruppen, ein Objekt für Forscher und ein Platz, an dem sich mancher sogenannte „Flachlandtiroler“ besonders gerne aufhält.

Die Berge: ein schützenswerter Lebensraum

Grafik der Bodenerosion in den Alpen

Mit Bergen wie den Alpen geht es „bergab“

2002 kam der Berg zu besonderen Ehren. Die Vereinten Nationen hatten das Jahr zum „Internationalen Jahr des Berges“ ausgerufen. In Deutschland wurde damals sogar eine Sonderbriefmarke herausgegeben. Sie zeigt ein Bergmassiv – in dunklem und hellem Blau gehalten und mit spitzen Gipfeln. Davor liegt eine Bergwiese in sattem Grün.

Deutlich sichtbar zieht sich mit einem leichten Gefälle ein feiner weißer Balken von links nach rechts über die Marke. Eine Art Warnung, dass es mit den Bergen bergab geht. Und das hat seine Gründe.

Die Berge: ein Paradies für Bergfreunde

Gondeln einer Bergbahn im Nebel über der Kandahar-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen

Bergbahnen – dauerhafte Zeugnisse in der Berglandschaft

Damit der zivilisierte Mensch auch jederzeit in den Genuss einer beeindruckenden Bergwelt kommen kann, baut er Bergbahnen und bohrt Tunnel in die Berge. Erstere bringen ihn auf den Berg, letztere durch den Berg ins nächste Tal, wenn er die Berge von der anderen Seite sehen will.

Das Schönste scheint aber zu sein, die Berge hinunterzufahren – natürlich auf Skiern oder Snowboards. Damit dies möglichst viele Menschen möglichst oft und möglichst überall in den Bergen tun können, werden Berghänge zu Skipisten umfunktioniert.

Die Berge: ein Arbeitsplatz für die Bergwacht

Rettungskräfte suchen nach Verschütteten eines Lawinenabgangs.

Die Bergrettung bei der Suche nach Verschütteten eines Lawinenabgangs

Nun ist es aber ziemlich langweilig, immer nur auf den ausgewiesenen Pisten ins Tal zu fahren, auf denen Verkehrsregeln herrschen. Das wahre Bergabenteuer liegt für den echten Bergfreund abseits des lärmenden Tourismus. Er begibt sich auf die Wege jenseits der knallroten Warntafeln, läuft dann allerdings Gefahr, eine Lawine loszutreten.

Diese donnert zu Tal, vielerorts ungehindert, da der Bergwald als natürliche Bremse meist nicht mehr im Weg steht. Und sie begräbt nicht nur Häuser, sondern auch Menschen unter sich. Wer großes Glück hat, wird von der Bergwacht lebend aus den Schneemassen ausgegraben. Die kundigen Bergführer der Bergwacht sind Teil einer Organisation, der Bergrettung. Sie verfügt über viele technische Hilfsmittel, um verunglückte Menschen zu retten. Zu diesen Hilfsmitteln gehören etwa Bergrettungsfahrzeuge.

Der Berg: ein bisschen Etymologie

Ein Eisberg, bei dem der größte Teil des Berges unter Wasser liegt

Sie sind auch „hoch“, allerdings in die andere Richtung: Eisberge

Nun, Berge werden weder gerettet noch geführt. „Berg“ übernimmt hier die Funktion eines Bestimmungswortes – wie zum Beispiel auch in den Wörtern Bergmann oder Bergbau. Hiermit sind wir beim sprachlichen Teil des Stichwortes angelangt.

Das Wort „Berg“ gibt es bereits seit dem 8. Jahrhundert. Im Althochdeutschen wurde es so geschrieben, wie wir es heute kennen, im Mittelhochdeutschen endete es mit einem „c“. Es bedeutete so viel wie „Felsen“, „Felswand“ und „etwas, das sich erhebt“. Der Name der österreichischen Stadt Bregenz und der Frauenname Brigitte sind entsprechende Ableitungen. Brigitte heißt „die Erhabene“. „Erhaben“ bedeutet soviel wie „hoch“, „majestätisch“, „würdevoll“, „achtungsgebietend“, alles Adjektive, die auch auf die Beschreibung eines Berges passen.

Der Berg: ein Synonym für eine Herausforderung oder einen Erfolg

Ein Korb voller Bügelwäsche

Da wartet jede Menge Arbeit!

Und das, wofür ein Berg steht, findet sich in der Alltagssprache in übertragenen Begriffen und Redewendungen wieder. Da ist der beinahe unüberwindliche Berg an Arbeit. Dieser kann aus einem zu lesenden Aktenberg bestehen, aber auch aus einem Berg Wäsche, der darauf wartet, gebügelt zu werden. Viele Menschen können ein Lied davon singen, dass es kein Vergnügen ist, auf einem Schuldenberg zu sitzen. Mancher hält in einer solchen Situation hinter dem Berg, traut sich nicht zu sagen, wie seine Lage wirklich ist.

Sie oder er muss dann aber nicht wie der Ochs am Berg stehen, ratlos sein und nicht weiterwissen. Eine Lösung findet sich bestimmt. Wer krank im Bett liegt und noch nicht über den Berg ist, hofft auf baldige Besserung. Sollte er – vielleicht erst nach einigen Wochen – über den Berg sein, muss er aber nicht über alle Berge sein. Das bedeutet nämlich, dass jemand spurlos verschwindet, manchmal mit jeder Menge Geld in der Tasche.

Die Berge: eine zu beantwortende Frage

Nach so vielen sprachlichen Erklärungen steht noch folgende Frage im Raum, die ein kleiner Junge seinem Vater gestellt hat: „Papa, wie tief stecken die Berge in der Erde?“ Bei der Antwort muss niemand mit seiner Meinung hinter dem Berg halten.




Fragen zum Text

Was stimmt nicht? Droht einem Unternehmen der finanzielle Ruin, dann …
1. geht es mit dem Geschäft bergab.
2. wird das Geschäft bergabwärts geführt.
3. kann die Geschäftsführung über alle Berge sein.

Sagt jemand deutlich, was sie/er denkt, …
1. ist sie/er nicht über den Berg.
2. steht sie/er wie der Ochs vorm Berg.
3. hält sie/er mit der Meinung nicht hinter dem Berg.

Der abwertende Begriff „Flachlandtiroler“ bezieht sich auf jemanden, der …
1. aus der österreichischen Region Tirol kommt und sich in den Bergen gut auskennt.
2. gerne am Meer Urlaub macht, weil er in den Bergen wohnt.
3. selten in den Bergen ist, sich aber so verhält und kleidet wie ein Gebirgsbewohner.


Arbeitsauftrag
Denkt euch eine Situation zum Thema „Berg“ aus, beispielsweise, dass jemand eine gekennzeichnete Piste verlassen und eine Lawine losgetreten hat, oder dass jemand vor einem Berg Bügelwäsche steht. Schreibt anschließend einen kurzen Dialog zwischen drei handelnden Personen. Zum Schluss gebt ihr das, was zwischen den Personen gesagt wurde, in indirekter Rede wieder.

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