Auch die Schüler protestieren gegen Macron | Aktuell Europa | DW | 06.12.2018
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Ein Staatschef unter Druck

Auch die Schüler protestieren gegen Macron

Keine Pause für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron: Kaum hat er die "Gelben Westen" beschwichtigt, machen Schüler und Studenten ihrem Ärger Luft. Wieder kam es zu Ausschreitungen und Festnahmen.

Seit Anfang der Woche gehen in ganz Frankreich tausende Gymnasiasten und Mittelschüler auf die Straße. Sie protestieren gegen härtere Auswahlkriterien beim Hochschulzugang und befürchtete Kürzungen beim Lehrpersonal. Vielerorts kam es an diesem Donnerstag zu Gewalt.

In Marseille und Bordeaux zündeten Demonstranten Mülltonnen und Autos an. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei. Vor einem Gymnasium in Mantes-la-Jolie nordwestlich von Paris nahm die Polizei nach Ausschreitungen 146 Personen in Gewahrsam. Insgesamt wurden bei den Protesten mehr als 700 Schüler vorübergehend festgenommen. Durch die Demonstrationen sei in fast 280 Schulen der Betrieb gestört worden, 45 davon seien blockiert worden, verlautete aus dem Innenministerium in Paris.

Frankreich Studenten tagen an der Sorbonne (Reuters/C. Platiau)

Sit-in an der Pariser Sorbonne

Vereinzelt wurden auch Universitäten bestreikt, mitunter war die Lage angespannt. Einige Bereiche der Pariser Universität Sorbonne blieben geschlossen, wie die Hochschule mitteilte. Laut Medienberichten hatten mehrere Menschen versucht, Teile der Universität zu besetzen.

Rufe nach Rücktritt des Präsidenten

Wie bei den Protesten der "Gelben Westen" wurden immer wieder Rufe nach einem Rücktritt von Präsident Emmanuel Macron laut. Dieser hat derweil angekündigt, die geplanten Steuererhöhungen für Benzin und Diesel für das Jahr 2019 außer Kraft zu setzen. An diesen Erhöhungen hatte sich der Unmut der "Gelben Westen" entzündet.

Ihre Proteste, die seit Mitte November anhielten, waren am vergangenen Wochenende in Gewalt umgeschlagen. Bei Ausschreitungen in Paris wurden mehr als 260 Menschen verletzt, die Sachschäden gehen in die Millionenhöhe.

Regierung wappnet sich für weitere Krawalle

Für Samstag hat die Bewegung neue Demonstrationen angekündigt. Erstmals will sie auch vor den Pariser Amtssitz des Präsidenten ziehen. Die Regierung befürchtet massive Gewalt und will in ganz Frankreich mehr als 65.000 Sicherheitskräfte mobilisieren.

Gelbwesten-Protest in Paris (AFP/Getty Images/A. Jocard)

Bei Ausschreitungen am vergangenen Wochenende waren rund 260 Menschen verletzt worden

Mehrere Museen und andere Kulturstätten in Paris bleiben am Samstag geschlossen. Die französische Fußballliga sagte auf Bitte der Regierung zwei weitere Erstliga-Spiele ab, damit die Sicherheitskräfte für die Demonstrationen eingesetzt werden können.

Eine Delegation der "Gelben Westen" forderte Macron auf, sie am Freitag zu empfangen. "Das Land ist am Rand eines Aufstands und eines Bürgerkriegs", warnten sie. Die "Gelben Westen" verfolgen keine einheitliche Strategie im Umgang mit der Regierung: Moderate wollen verhandeln, werden aber immer wieder von radikalen Strömungen bedroht. Die Unzufriedenheit breitet sich derweil immer weiter in der Bevölkerung aus. Nach den Schülern und Studenten wollen in der nächsten Woche auch die Landwirte demonstrieren.

uh/stu (afp, dpa)

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