Athen will IWF-Kredite vorzeitig zurückzahlen | Aktuell Europa | DW | 22.04.2019
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Schuldenkrise

Athen will IWF-Kredite vorzeitig zurückzahlen

Griechenland treibt eine frühzeitige Rückzahlung von Milliarden-Krediten des IWF voran. Dem Vernehmen nach ist die Bundesregierung alles andere als begeistert von dem Plan.

Griechenlands Premier Alexis Tsipras im Jahr 2016 mit IWF-Chefin Christine Lagarde

Griechenlands Premier Alexis Tsipras im Jahr 2016 mit IWF-Chefin Christine Lagarde

Die Athener Regierung hat die Genehmigung des Euro-Rettungsschirms ESM beantragt, Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) vorzeitig zurückzuzahlen. Dies teilte das griechische Finanzministerium mit. Es gehe um rund 3,7 Milliarden Euro, die dieses und nächstes Jahr fällig würden. Der ESM hätte als größter Gläubiger bei einer vorzeitigen Tilgung von IWF-Krediten einen Anspruch darauf, ebenfalls einen entsprechenden Teil seines Geldes früher zurückzubekommen. Die Institution könnte darauf aber auch verzichten.

Der Euro-Rettungsschirm hat bereits signalisiert, dass er eine frühzeitige Ablösung der Kredite für sinnvoll hält. Deutschland und die Niederlande sind Insidern zufolge dagegen skeptisch, weil sie den Rückzug des IWF aus der Kontrolle von Wirtschaftsreformen befürchten. Diese hatten die Euro-Partner zur Bedingung ihrer Hilfsprogramme gemacht, mit denen Griechenland vor der Staatspleite bewahrt wurde. 

Punkten vor der Wahl

Berlin war die Teilnahme des IWF an der Griechenland-Rettung immer wichtig, auch wenn sich der Währungsfonds zuletzt nur noch mit seiner Expertise und nicht mehr mit Geld einbrachte. Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras will den ungeliebten IWF hingegen mit der vorzeitigen Tilgung der Kredite loswerden und so im Wahlkampf punkten, glauben Beobachter. 

Ein Graffito in Athen fordert einen Schuldenerlass und den Abzug des IWF (Archivbild)

Ein Graffito in Athen fordert einen Schuldenerlass und den Abzug des IWF (Archivbild)

Inzwischen kann sich das Land auch wieder Geld an den Kapitalmärkten besorgen. Dort liegen die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen mit 3,31 Prozent derzeit deutlich unter den fünf Prozent, die Griechenland jährlich für die beiden im Rahmen der Hilfsprogramme vergebenen IWF-Kredite zahlen muss. Deshalb ist die Athener Regierung an einer frühzeitigen Ablösung interessiert. Ähnliches hatten auch Irland und Portugal gemacht. 

Insgesamt muss Griechenland dem IWF bis 2024 rund 9,3 Milliarden Euro zurückzahlen. Experten werten eine vorzeitige Ablösung als Erfolg für Griechenland.

Die Euro-Partner und der IWF hatten Griechenland in den vergangenen Jahren mit Krediten von insgesamt fast 257 Milliarden Euro mehrfach vor dem Staatsbankrott gerettet. Im August endete das dritte Kreditprogramm für das hoch verschuldete Land, das nun wieder finanziell auf eigenen Beinen stehen soll.
 
stu/jj (rtr, afp, ap)

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