″Armbrust-Fall″: Staatsanwaltschaft vermutet gemeinsamen Suizid | Aktuell Deutschland | DW | 14.05.2019
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Deutschland

"Armbrust-Fall": Staatsanwaltschaft vermutet gemeinsamen Suizid

Drei Armbrüste und fünf Leichen in Bayern und Niedersachsen - ein mysteriöser Kriminalfall bewegt Deutschland. Nach einer ersten Obduktion geht die Staatsanwaltschaft von Tötung auf Verlangen beziehungsweise Suizid aus.

Bayern, Passau: Drei Tote in Gästezimmer gefunden (picture-alliance/dpa/L. Mirgeler)

Tatort: ein Gästezimmer in dieser Passauer Pension am Fluss Ilz

Es ist ein gruseliges Szenario: In einer einsam gelegenen Pension im bayerischen Passau findet ein Zimmermädchen am vergangenen Wochenende drei Leichen. Die Polizei stellt in dem Zimmer drei Armbrüste sicher. Am Montag entdecken Ermittler dann in der Wohnung einer der Toten in Niedersachsen zwei weitere Leichen.

Pfeile in Herz und Hals

Im Fall der drei Toten in Passau - einem 53-jährigen Mann sowie zwei Frauen im Alter von 33 und 30 Jahren - liegt nun ein vorläufiges Obduktionsergebnis vor. Wie die zuständige Staatsanwaltschaft bekannt gab, wurden der Mann und die 33-jährige Frau, die gemeinsam in einem Bett lagen, jeweils durch Schüsse mit Armbrustpfeilen ins Herz getötet. Bei der 30-Jährigen, die in dem Pensionszimmer auf dem Boden lag, sei ein Schuss in den Hals sofort tödlich gewesen.

Die beiden Leichen im Bett hätten weitere Pfeile aufgewiesen, die den Erkenntnissen nach jedoch erst nach den tödlichen Schüssen ins Herz abgeschossen worden seien. Es hätten sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass zwischen den Beteiligten eine Auseinandersetzung stattgefunden habe, teilte das Polizeipräsidium Niederbayern mit. Zudem seien in dem Pensionszimmer zwei Testamente gefunden worden.

Viele Fragen offen

Die Ermittler leiteten weitergehende Untersuchungen ein, ob der Mann und die beiden Frauen unter Einfluss von Medikamenten, Alkohol oder Drogen standen. Eine Beteiligung anderer Menschen könne ausgeschlossen werden. Die Polizei beschlagnahmte das Auto der 33 Jahre alten Frau. Der Wagen solle untersucht werden, die Testamente sollten ausgewertet werden. 

Armbrust-Fall - Leichenfund in Wittingen (picture -alliance/dpa/C. Gateau)

Was geschah in diesem Wohnhaus im Landkreis Gifhorn?

Bei den zwei im Zuge der Ermittlungen zu dem Passauer Fall in Niedersachsen gefundenen Frauenleichen läuft nach Angaben der Polizei in Gifhorn die Obduktion. Äußerlich seien laut den Ermittlern keine Rückschlüsse auf die Todesursache möglich gewesen.

Eine der tot gefundenen Frauen war die 35 Jahre alte Lebensgefährtin der in Passau tot aufgefundenen 33-Jährigen. Die beiden wohnten erst seit Kurzem zusammen in der Wohnung im niedersächsischen Wittingen. Die Identität der zweiten in Wittingen entdeckten Frau stehe noch nicht endgültig fest. Polizisten hatten die Leichen entdeckt, als sie die Lebensgefährtin über den Tod der 33-Jährigen informieren wollten.

Die Kriminalpsychologin und Schriftstellerin populärwissenschaftlicher Sachbücher, Lydia Benecke, sagte der Deutschen Welle, es sei noch zu früh, das Geschehen genau einzuordnen. "Es wird wichtig sein zu klären, in welchen emotionalen und möglicherweise auch Machtverhältnissen die Beteiligten zueinander standen und wie genau die Gruppendynamik zu dem Gesamtbild geführt hat", erklärte Benecke.

Nach Angaben des Deutschen Schützenbundes sind in mehr als 14.200 Schützenvereinen etwa 1,35 Millionen Mitglieder organisiert. Rund 3000 von ihnen betreiben Armbrustschießen. Ab dem 18. Lebensjahr können Armbrüste in Deutschland frei erworben werden. "Erwerb und Besitz sowie Führen von Armbrüsten sind nach dem Waffengesetz erlaubnisfrei", teilte ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums mit.

rb/wa/hk/ww/kle (dpa, afp)