Archäologische Rarität: Reste eines Wagengrabes werden restauriert | Geschichte | DW | 10.02.2019
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Archäologie

Archäologische Rarität: Reste eines Wagengrabes werden restauriert

Das Germanische Nationalmuseum hat einen seltenen Ausgrabungsfund aus der Bronzezeit erhalten - die Überreste eines sogenannten Wagengrabes. In den nächsten Jahren werden diese begutachtet, restauriert und ausgestellt.

Der Superlativ "Sensationsfund" wird in der Archäologie leider allzu inflationär verwendet. Ein sensationeller Fund sind die Überreste eines Wagengrabes aus der Bronzezeit dann auch nicht, die schon im Jahr 2011 bei der Erschließung eines Neubaugebietes in der niederbayerischen Marktgemeinde Essenbach im Landkreis Landshut zufällig entdeckt wurden. Selten und hoch interessant aber sind sie auf jeden Fall. Davon ist das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg überzeugt, das den Fund jetzt von der Gemeinde übereignet bekommen hat.

Germanisches Nationalmuseum Nürnberg - Überresten eines sogenannten Wagengrabes (Fa. ARDI/Archäologische Dienstleistungen/M. Thannabaur)

Die Fundstelle während der Grabung

Wagengräber sind eine Form der Bestattung, die nur besonders herausgestellten Persönlichkeiten der Bronzezeit - einem Zeitraum von 2200 bis 800 v. Chr. - zuteil wurde. Solchen Menschen also, die "wirtschaftlichen, politischen oder religiösen Einfluss besaßen", betont Angelika Hofmann, Sammlungsleiterin für Vor- und Frühgeschichte am Germanischen Nationalmuseum. Für Hofmann ist das Wagengrab ein "Elitegrab, wie es nicht mal ein Prozent der Bevölkerung der Bronzezeit hatte".

Das Besondere dieses Fundes

Der Wagen war - ebenso wie Pferdegeschirr, Waffen oder Schmuck - eine Grabbeigabe. Allerdings ist von diesem Wagengrab nicht mehr viel übrig, denn es war in jener Zeit üblich, die Toten zu verbrennen. Nicht verwunderlich also, dass nur wenige Teile die geschätzt 2800 Jahre in der Erde überdauert haben: ein paar Metallbeschläge des Wagens (unser Titelbild), ein Schwert, ein goldener Fingerring, ein Rasiermesser, einige Keramikgefäße.

Germanisches Nationalmuseum Nürnberg - Überresten eines sogenannten Wagengrabes (GNM/A. Regenfus)

Das Vollgriffschwert, bewusst verbogen, damit es kein anderer nutzen kann

Mehrere hundert Wagengräber wurden im Laufe der Zeit fast im gesamten vormals keltischen Kulturgebiet gefunden. Die meisten von ihnen stammen jedoch aus der Hallstattzeit, der nächstjüngeren Epoche als der Fund aus Essenbach. Der ist der Urnenfelderkultur zuzurechnen, die von etwa 1300 bis 800 v. Chr. bestand. Ihren Namen bekam sie wegen des damals praktizierten Bestattungsritus: Leichen wurden auf Scheiterhaufen verbrannt und deren Überreste in Urnen bestattet. Aus dieser Zeit waren lediglich zwei Wagengräber gefunden worden, so Sammlungsleiterin Hofmann – der Fund aus Essenbach sei das dritte und deshalb eine Rarität.

Exponierter Platz zum Bestaunen

Germanisches Nationalmuseum Nürnberg - Überresten eines sogenannten Wagengrabes: Installationsansicht (GNM/D. Messberger)

Interessante neue Nachbarn für den Goldhut

Im niederbayerischen Essenbach wurde aber 2011 nicht nur das Wagengrab gefunden, sondern etwa 30 weitere Gräber sowie Reste einer bronzezeitlichen Siedlung.

Nun haben die Restauratoren das Heft des Handelns in der Hand. In den nächsten Jahren werden sie die geborgenen Fundstücke vom Schmutz der Zeit befreien, sorgfältig untersuchen und, so gut es geht, im alten Glanz erscheinen lassen. Das Beste vom Alten soll dann in der Daueraustellung des Nürnberger Museums gezeigt werden – in der Abteilung "Eliten der Bronzezeit". Ein Platz ist bereits reserviert, gleich neben dem Goldhut von Ezelsdorf/Buch. Das etwa 90 Zentimeter hohe Prachtexemplar stammt aus der gleichen Zeit wie das Wagengrab.