Aramco: Börsengang als Riesendeal | Wirtschaft | DW | 05.12.2019
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Börsengänge

Aramco: Börsengang als Riesendeal

Die Preisspanne ließ bereits Superlative erwarten - und nun steht es auch offiziell fest: Der Börsengang des saudischen Öl-Giganten Aramco wird ein Riesendeal. Auch für die saudischen Herrscher.

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Aramco: Börsengang der Superlative

Die Vorhersagen waren treffsicher: Der Aramco-Börsengang wird die größte Neuemission aller Zeiten. Die Aktien des saudi-arabischen Erdölriesen kommen zu einem Preis von 32 Riyal (8,50 Dollar) an die Börse. Das ist das oberste Ende der angekündigten Preisspanne. Und damit produziert der Konzern Zahlen, die selbst Alibaba und Apple in den Schatten stellen. 

Allerdings hat das ganze Vorhaben noch auf der Zielgeraden viel von seinem anfänglichen Glanz verloren. Das Interesse ist deutlich geringer als von den Herrschern im Wüstenstaat erhofft. Auch die in die Pflicht genommenen lokalen Anleger zweifeln offenbar.

Infografik Eckdaten der Aramco-Aktie DE

Selbst wenn Aramco mit 1,5 Prozent seiner Anteile nun umgerechnet rund 23 Milliarden Euro (oder gut 25 Milliarden Dollar) erlöst - angestrebt waren einmal 90 Milliarden Euro. Die Pläne für den Börsengang reichen bis Anfang 2016 zurück. Und selbst wenn der Börsenwert des weltweit profitabelsten Unternehmens nun mit astronomischen 1,7 Billionen Euro veranschlagt wird - Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman hatte ursprünglich auf zwei Billionen spekuliert. Das Kapital soll helfen, den gigantischen Umbauplan des Kronprinzen für das Land zu finanzieren, der unter dem Schlagwort Vision 2030 bekannt ist.

Angebot für Saudis

Ohnehin wird die Aramco-Aktie - insgesamt rund drei Milliarden Papiere - nur in Saudi-Arabien selbst angeboten. Die Welt-Börsen etwa in den USA sind draußen. Das hat auch damit zu tun, dass sich der Staatskonzern wohl nicht allzu tief in die Bücher schauen lassen wollte - das wäre aber Voraussetzung für eine Platzierung an Börsen wie New York, London oder Hongkong. Seit Mitte November lief die Zeichnungsfrist für die Aktie - bis Mittwoch für institutionelle Anleger, für Privatleute eine Woche weniger.

Aramco hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, die Unternehmensanteile seien 1,7-fach überzeichnet. Zum Vergleich: Anteile der National Commercial Bank, des größten Kreditinstituts des Landes, wollten beim Börsengang 2014 weit mehr als zwanzigmal so viele Anleger kaufen wie möglich. 2006 zeichneten rekordverdächtige zehn Millionen Saudi-Araber bei der Immobiliengesellschaft Emaar. Aramco hatte Stand vergangene Woche nur etwa halb so viele Kleinanleger überzeugt.

Saudi Arabien | Angestellte der Aramco Oil Company (Getty Images/AFP/F. Nureldine)

Beschäftigte von Saudi Aramco in Khurais

Für den Titel des bislang weltweit größten Börsengangs hat es dennoch gereicht. Aramco wird den bislang größten aller Zeiten hinter sich lassen, den der chinesische Online-Handelsriese Alibaba 2014 hingelegt hatte, der seinerzeit 25 Milliarden Dollar einnahm, umgerechnet rund 22,5 Milliarden Euro.

Staatskonzern fürs Herrschauerhaus

Der Gewinn von Aramaco, wenngleich immer noch gigantisch, ging in der letzten Zeit zurück: In diesem Jahr bis Ende September erzielte Aramco einen Gewinn von 68,2 Milliarden Dollar im Vergleich zu 83,1 Milliarden Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres (im gesamten Jahr 2018 betrug der Gewinn 111 Milliarden Dollar) - in neun Monaten sackte er also um 18 Prozent ab. Dass überhaupt Zahlen zum Gewinn bekannt geworden sind - erstmals seit den 1970er Jahren - hat auch mit dem Börsengang zu tun. 

Aramco wurde 1933 als California-Arabian Standard Oil Company gegründet. 1988 verwandelte die saudische Regierung die Firma unter dem Namen Saudi Arabian Oil Company oder Saudi Aramco in einen Staatskonzern. Ende 2018 waren die nachgewiesenen Erdölvorkommen Aramcos nach eigenen Angaben fünfmal größer als die der fünf großen internationalen Ölkonzerne zusammen, also ExxonMobil, Shell, BP, Chevron und Total.

Der Börsengang des Öl-Giganten dürfte folglich auch beim Treffen der OPEC-Staaten eine Rolle spielen. Die 14 Mitglieder kommen am Donnerstag und Freitag in Wien zusammen, um über die Förderpolitik des Kartells zu beraten. Vorrangig geht es dabei um die Frage, ob sich die Opec-Staaten samt ihrer 10 Kooperationspartner auf eine Verlängerung der derzeit geltenden Förderbeschränkung einigen können. Die Entscheidung hat mit großer Wahrscheinlichkeit Auswirkungen auf die Spritpreise an den Tanksäulen. Derzeit kommen von der OPEC etwa 30 Prozent der weltweiten Ölproduktion.

ar/rb (rtr, afp, dpa)

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