Angst vor Tigerhaien? Sei froh, dass du kein Singvogel bist! | Wissen & Umwelt | DW | 21.05.2019
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Biologie

Angst vor Tigerhaien? Sei froh, dass du kein Singvogel bist!

Tigerhaie gelten als eine der gefährlichsten Haiarten für Menschen. Dennoch ist es sehr unwahrscheinlich, von einem gebissen oder gar getötet zu werden. Singvögel hingegen fallen den Raubtieren viel häufiger zum Opfer. 

Tigerhaie sind in einer Klasse mit Großen Weißen Haien und mit Bullenhaien, wenn es um unprovozierte Angriffe auf Menschen geht. Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass ein Schwimmer, Surfer oder Taucher von einem Tigerhai gebissen und getötet wird, ist dennoch eher gering.

Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts sind weltweit nur knapp über hundert Tigerhai-Angriffe registriert worden. Und weniger als ein Drittel von ihnen endete tödlich.

Nun zeigt eine Studie, dass Singvögel ein viel höheres Risiko haben, von Tigerhaien gefressen zu werden als Menschen. 

Mehr dazu: Haie nutzen Israels Küste als Jacuzzi

Der Biologe Marcus Drymon pumpt auf dem Golf von mexico einem Tigerhai den Magen leer. (Marcus Drymon)

Marcus Drymon pumpt einem jungen Tigerhai den Magen leer.

Entnahme von DNA-Proben aus dem Magen 

Ein Forscherteam um Marcus Drymond von der Mississippi State University hatte vom Boot aus 105 junge Haie im Golf von Mexiko eingefangen. Die Tiere waren noch nicht ausgewachsen und jeweils weniger als einen Meter lang.

Die Wissenschaftler pumpten den Haien den Magen aus. Nach der Entnahme der Proben ließen sie die Raubtiere unversehrt ins Wasser zurück. 41 von ihnen hatten Vogelüberreste im Magen, einschließlich Knochen und Federn. 

Der Biologe und sein Team extrahierten dann die genetische Information aus dem Mageninhalt. Zu ihrer Überraschung fanden sie DNA-Spuren einer verblüffend großen Vielfalt von Vogelarten, die sie nicht erwartet hatten.

Dazu gehörten typische landlebende Spatzen, Schwalben, Tauben und sogar Spechte, die in den USA auch zu den Zugvögeln gehören. Aber was die Biologen am meisten überraschte: Sie fanden keine Spuren von Wasservögeln. "Darunter gab es keine Möwen, Pelikane, Kormorane oder irgendeine andere Art von Meeresvogel", sagte Dryman. 

Mehr dazu: Warum sterben Haie und Rochen im Meer vor Bosnien und Herzegowina?

Infografik Zugvogelrouten über dem Golf von Mexiko DE

Wie gehen Haie auf Vogeljagd? 

Die Haie verlassen das Wasser natürlich nicht, um an Land zu jagen. Der Grund, warum sie so eine ungewöhnliche Beute machen können, liegt eher in den Zugrouten der Vögel. 

Die Haie hielten sich während der Zugzeit der Vögel im Golf von Mexiko auf. "In jedem Fall fiel der Zeitpunkt, zu dem der Tigerhai den Vogel fraß, mit dem Höhepunkt der ornithologischen Sichtungen für diese Vogelart vor unserer Küste zusammen", erklärt Drymon. 

"Die Tigerhaie fingen also Singvögeln, die Schwierigkeiten hatten, über den Ozean zu fliegen", ergänzt Kevin Feldheim. Er ist Mitautor der Studie und Forscher am Field-Museum in Chicago. "Sie sind bereits erschöpft, und dann werden sie müde oder fallen bei einem Sturm ins Meer." 

Vogelfedern aus em Magen von Tigerhaien (Marcus Drymon)

Diese Federn stammen aus dem Magen von Tigerhaien. Es sind keine Seevogel-Federn.


Vögel, die nicht schwimmen können, sind wahrscheinlich eine leichtere Beute für Haie als Seevögel, vermutet Feldheim. Seevögel können auf dem Wasser besser fliehen. 

Es ist allerdings auch bekannt, dass ausgewachsene Tigerhaie junge Albatrosse erbeuten können. "Es gibt einen Ort auf Hawaii, an dem Babyalbatrosse das Fliegen lernen," erinnert sich Feldheim. "Ausgewachsene Tigerhaie schnappen sie sich dann."  

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Video ansehen 01:16

Warum verschwinden die Haie aus der Adria?

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