Angriff auf philippinisches Gefängnis | Aktuell Asien | DW | 04.01.2017
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Südostasien

Angriff auf philippinisches Gefängnis

Bewaffnete Rebellen haben im Süden des Inselstaats eine Haftanstalt gestürmt. Sie eröffneten das Feuer auf die Wachen und befreiten mehr als 150 Gefangene. Mindestens sieben Menschen starben bei der Attacke.

Der Überfall ereignete sich auf die Haftanstalt der Stadt Kidapawan in der Provinz Cotabato auf der Insel Mindanao. Der Leiter des Gefängnisses, Peter John Bongat, sprach von etwa 100 bewaffneten Angreifern. Sie hätten die Wachmannschaften in den frühen Morgenstunden in ein zweistündiges Feuergefecht verwickelt. Dabei kamen nach offiziellen Angaben mindestens sieben Menschen ums Leben. Unter den Toten sind nach jüngsten Angaben sechs Häftlinge und ein Wächter. 

Steckt die MILF hinter dem Angriff?

Mehr als 150 Gefangenen seien entkommen, so Bongat. Er machte die muslimische Rebellengruppe "Moro Islamic Liberation Front" (MILF)  für die Attacke verantwortlich. Polizei und Militär nahmen die Verfolgung der Rebellen und Gefangenen auf. Bisher gibt es noch keine offizielle Stellungnahme zur Identität der Angreifer oder deren Motive.

Die südliche Philippinen-Insel Mindanao, auf der die Stadt Kidapawan liegt, wird überwiegend von Muslimen bewohnt und ist Brennpunkt des Konflikts zwischen muslimischen Rebellen und der Regierung des mehrheitlich katholischen Landes. Auch kriminelle Banden, von denen sich einige als Teil der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) sehen, sorgen für Instabilität.

Schleppende Autonomievereinbarung 

Die MILF ist die wichtigste Rebellengruppe des Landes. 2014 hatte sie einen Friedensvertrag mit der philippinischen Regierung geschlossen, der weitreichende Autonomierechte für die muslimische Bevölkerung auf Mindanao vorsieht und damit einen jahrzehntelangen Konflikt beigelegen sollte. Die Autonomievereinbarung ist bislang noch nicht umgesetzt worden.

Die MILF kämpfte seit den 1970er Jahren gegen die Regierung in Manila, gab ihre Forderung nach Unabhängigkeit später aber zugunsten der Forderung nach regionaler Autonomie auf. Seit Beginn des Aufstands wurden Schätzungen zufolge mindesten 150.000 Menschen getötet. Die Philippinen sind mehrheitlich katholisch, die rund zehn Millionen Muslime machen etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus.

cw/gri (ape, afpe, rtre)