Angola: Schafft Präsident João Lourenço die Wende? | Afrika | DW | 07.09.2018
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Afrika

Angola: Schafft Präsident João Lourenço die Wende?

Am Samstag soll Angolas Präsident João Lourenço zum Chef der Regierungspartei MPLA gewählt werden. Ex-Staatschef dos Santos tritt nach über 38 Jahren an der Parteispitze ab. Damit geht eine Ära zu Ende.

Der Empfang war freundlich, die Worte warm. Selbst Bundeskanzlerin Merkel lobte Angolas Präsidenten João Lourenço, als er Ende August nach Deutschland kam: Sie freue sich, dass mit seinem Amtsantritt ein frischer Wind in Angola eingezogen sei. Ab Samstag könnte der sogar noch frischer werden. Die Regierungspartei MPLA will Lourenço zu ihrem Vorsitzenden wählen. Ex-Präsident Eduardo dos Santos tritt nach fast 39 Jahren als Parteichef ab.

Öl-Milliarden und hungernde Kleinkinder

"Wir erleben das Ende einer Ära", sagt Emanuel Matondo, Angola-Experte bei der Informationsstelle Südliches Afrika in Bonn. Aus Sicht vieler Angolaner war es keine gute: Ihr Land ist zweitgrößer Erdölproduzent Afrikas, viele Menschen sind trotzdem bettelarm. Die dos Santos-Familie und anderen einflussreiche Personen sollen dagegen Milliarden aus dem Ölgeschäft abgezweigt haben. Die Tochter des Ex-Präsidenten, Isabel dos Santos, gilt als reichste Frau Afrikas. Dagegen leidet jedes dritte Kind in Angola an Wachstumsverzögerungen, weil es nicht genug zu essen hat.

Angolanischer Präsident Lourenço schreitet gemeinsam mit Kanzlerin Merkel eine militärische Ehrenformation von Soldaten der Bundeswehr ab (pictue-alliance/dpa/B. von Jutrczenka)

Auch Bundeskanzlerin Merkel lobt Lourenços Reformen

Bei seinem Amtsantritt im September 2017 galt Lourenço noch als Marionette von Dauerpräsident dos Santos. Dem hatte er zuvor als loyaler Verteidigungsminister gedient. Stattdessen gibt er den entschlossenen Aufräumer: Er feuerte Isabel dos Santos als Chefin des staatlichen Ölkonzerns, gegen den Sohn des Ex-Präsidenten ließ er Korruptionsermittlungen einleiten. Er soll 500 Millionen US-Dollar vom staatlichen Sozialfonds gestohlen haben. Andere veruntreute Gelder will Lourenço per Gesetz aus dem Ausland zurückholen. Medien und Oppositionelle werden außerdem nicht mehr so drangsaliert wie zu dos Santos Zeiten.

"Angola am Wendepunkt"

Nicht nur bei der deutschen Kanzlerin kommt das gut an. "Niemand kann verneinen, dass wir an einem Wendepunkt stehen. Man kann klar erkennen, dass Präsident Lourenço versucht, einen anderen Ansatz zu verfolgen", lobt der angolanische Schriftsteller Ondjaki, eigentlich ein erbitterter Regierungskritiker.

Jose Eduardo dos Santos reckt auf einer Wahlkundgebung seiner Partei MPLA die rechte Faust in die Luft, er trägt einen roten Pullover. Neben ihm seine Frau (Getty Images/AFP/S. De Sakutin)

Jose Eduardo dos Santos regierte Angola fast 39 Jahre lang

Bekommt Lourenço durch den Parteivorsitz nun noch mehr Macht, um seine Reformen weiter voranzutreiben? "In der MPLA gibt es einen starken dos Santos-Flügel, auch wenn die Mehrheit dazu tendiert, Lourenço zu unterstützen", gibt Angola-Kenner Matondo im DW-Interview zu bedenken. Viele der dos Santos-Leute hätten großen wirtschaftlichen Einfluss und seien im Land gut vernetzt.  Für sie hätte es Folgen, wenn der Kampf gegen die Korruption weiterginge: "Lourenço müsste die Hälfte seiner Partei ins Gefängnis bringen. Das kann er aber gar nicht", mahnt Matondo. Er ist sich sicher: Zwischen beiden Flügeln wird es Konflikte geben. Das könnte Lourenços Reformkurs entschieden bremsen.

Meint es Lourenço mit der Korruptionsbekämpfung ernst?

Leidgeprüfte Kritiker der MPLA sind sich ohnehin nicht sicher, ob es Lourenço damit ernst meint. "Wir werden von einer Partei regiert, die seit über 40 Jahren an der Macht ist. Innerhalb der Partei gab es einen Übergang zu einem neuen Präsidenten. Wir haben also noch keinen Regimewechsel", sagt der Rapper MCK.

Auch Lourenço wird Verschwendung vorgeworfen. Laut der Fachzeitschrift "Africa Confidential" charterte er für eine Reise nach Belgien, Frankreich und Spanien eine Boeing 787. Kostenpunkt: rund 74.000 US-Dollar pro Stunde. Die Reise soll Lourenço nicht nur für offizielle Gespräche genutzt haben, sondern auch für den privaten Besuch einer exklusiven Augenklinik. Solche Berichte wecken bei machen Angolanern Sorgen, dass sich der Reformkurs am Ende als PR-Aktion erweist. Denn als Parteivorsitzender und Staatspräsident hätte Lourenço die beiden wichtigsten Ämter des Landes inne - und könnte am Ende ähnlich autoritär regieren wie sein Vorgänger. 

Mitarbeit: Manuel Luamba (Luanda), João Carlos (Lissabon), Johannes Beck

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