Angola dreht Präsidententochter den Geldhahn zu | Aktuell Afrika | DW | 31.12.2019
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Angola

Angola dreht Präsidententochter den Geldhahn zu

Ein Gericht hat das Vermögen von Isabel dos Santos, der Tochter des früheren angolanischen Präsidenten, wegen Korruptionsvorwürfen eingefroren. Die von ihrem Vater protegierte 46-Jährige gilt als reichste Frau Afrikas.

Angola l Isabel dos Santos - Gericht zieht Vermögen (picture alliance/dpa/TASS/M. Metzel)

Isabel dos Santos im Juni bei einem Besuch im russischen St. Petersburg

Ex-Präsident José Eduardo dos Santos und seine alte Machtclique haben sich über Jahrzehnte bereichert, während die meisten Angolaner in Armut leben. Eine der Nutznießerinnen des Systems war die ältestete Tochter des Ex-Präsidenten, Isabel dos Santos. Ihr auf rund 2,2 Milliarden US-Dollar (etwa 1,96 Milliarden Euro) geschätztes Vermögen hat sie durch Beteiligungen an angolanischen Unternehmen, darunter Banken, die Telekommunikationsfirma Unitel und den zeitweisen Vorsitz in der staatlichen Ölgesellschaft Sonangol angehäuft. In Angola brachte ihr das den Spitznamen "die Prinzessin" ein.

Rückforderung in Milliardenhöhe

Jetzt hat ein Gericht in Angola die Vermögenswerte der 46-Jährigen wegen Korruptionsvorwürfen eingefroren. Von dem Justizentscheid seien auch dos Santos' Ehemann Sindika Dokolo und ein Geschäftspartner des Paares betroffen, berichtete die portugiesische Nachrichtenagentur Lusa unter Berufung auf eine Mitteilung der angolanischen Generalstaatsanwaltschaft. Die Zentralbank werde sicherstellen, dass es keine Transfers von den Konten der Beschuldigten gebe.

Der Schritt folgt auf eine einstweilige Verfügung der Regierung in Luanda, die umgerechnet etwa eine Milliarde Euro von der Investorin und ihren Mitarbeitern zurückfordern will. Bei den Untersuchungen geht es um dubiose Geldtransfers. Hintergrund sind Korruptions- Ermittlungen in Verbindung unter anderem mit der Ölfirma Sonangol, als deren Direktorin dos Santos im Sommer 2016 von ihrem Vater eingesetzt worden war. Der Schritt war weithin als Fall von offensichtlicher Vetternwirtschaft kritisiert worden.

Der neue Präsident räumt auf

Nach 38 Jahren an der Macht war José Eduardo dos Santos im September 2017 zurückgetreten. Schon zwei Monate später wurde seine Tochter durch den neuen Präsidenten João Lourenço als Sonangol-Chefin entlassen. Lourenço hatte im Wahlkampf versprochen, entschlossen gegen die grassierende Korruption vorzugehen und die stark gebeutelte Wirtschaft des Landes wieder aufzubauen.

Isabel dos Santos reagierte gelassen auf die gegen sie erhobenen Vorwürfe. "Wir werden weiterhin jeden Tag in jedem Geschäft unser Bestes geben und für das kämpfen, woran ich für Angola glaube. Der Weg ist lang, die Wahrheit wird sich durchsetzen" twitterte sie.

Sie entstammt der ersten Ehe ihres Vaters mit einer russischen Schachmeisterin. Die Eltern trennten sich nach ein paar Jahren, Isabel zog mit ihrer Mutter nach London.

Die ehemalige portugiesische Kolonie Angola ist einer der größten Erdölproduzenten Afrikas. Dennoch gilt das Land als eines der ärmsten der Welt.

qu/haz (dpa, rtr, afp)

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