Angela Merkel erhält den Fulbright-Preis | Deutschland | DW | 28.01.2019
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Auszeichnung

Angela Merkel erhält den Fulbright-Preis

Gute Vorbilder in der weltweiten Politik sind selten geworden. Der Fulbright-Preis für internationale Verständigung will jene ehren, die für eine bessere Welt kämpfen. In diesem Jahr mit zwei Premieren für Deutschland.

Ein Bild prägte sich an diesem Montagabend bei der Verleihung des Fulbright-Preises für Frieden und Internationale Verständigung in Berlin ein: am Anfang und am Ende der Zeremonie sprangen die meisten der rund 500 geladenen Gästen von den Stühlen auf und applaudierten und jubelten der Preisträgerin zu. Es wirkte wie eine Erleichterung, dass trotz des Erstarkens von populistischen und nationalistischen Kräften weltweit eine Preisträgerin gefunden wurde.   

Der Fulbright-Preis ehrt herausragende Beiträge zur Förderung des Friedens und der Verständigung der Völker. In diesem Jahr wurde er erstmals in seiner 25-Jährigen-Geschichte außerhalb der USA verliehen. In Berlin - an eine Deutsche. Und dass ausgerechnet an Angela Merkel, die deutsche Langzeit-Kanzlerin, die im Inland nach einer Wahlschlappe im Herbst 2017 angezählt ist, die im Ausland vielerorts aber noch immer viel Respekt und Hochachtung genießt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erhält amerikanischen Fulbright-Preis (picture-alliance/M. Sohn)

Zwei mit ähnlichem Führungsstil: Bundeskanzlerin Angela Merkel und die CNN-Chefmoderatorin Christiane Amanpour, die auf Merkel eine Laudatio hielt

Merkel setzt Standards im Umgang mit den Schwächsten

Das zeigte sich auch in der Laudatio auf Merkel, die von CNN-Chefmoderatorin Christiane Amanpour gehalten wurde. Auf die Frage, warum Merkel den Fulbright-Preis 2018 verdient habe, antwortete sie süffisant und kurz. "Für Angela Merkel sind Fakten ein zentrales Mittel zur Durchsetzung ihrer Politik." Das schätze sie an ihr, und das unterscheide Merkels Führungsstil von dem, was sich in den USA unter der Regierung von Donald Trump entwickelt habe.

Zudem habe Merkel während ihrer 14-jährigen Kanzlerschaft nie den Werte-Kompass einer freien und solidarischen Welt verloren. "Sie hat den Standard dafür gesetzt, wie wir mit den schwächsten Mitgliedern der Weltgemeinschaft umgehen sollten", sagte die US-Journalistin an die Adresse Trumps, ohne diesen beim Namen zu nennen. Und Mary Ellen Heian Schmider, die Vorsitzende der Preisjury, ergänzte: "Angela Merkel agiert immer im Einklang mit ihren Werten." Das könne Mahnung und Ansporn gleichermaßen sein.

Merkel ruft dazu auf, sich dem Nationalismus entgegenstellen

Auch der amtierende US-Botschafter, Richard Grenell, war an diesem Abend unter den geladenen Gästen. Ein Recht zu sprechen hatte er allerdings nicht. Stattdessen ergriff Merkel das Wort, bedankte sich bescheiden bei all jenen, die für sie über den Atlantik geflogen seien. "Dass der erste Preisträger Nelson Mandela war, macht diese Ehre noch größer", sagte sie. 1993 hatte die südafrikanische Polit-Ikone den Fulbright-Preis überreicht bekommen. Später reihten sich als Fulbright-Gewinner die Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter, Kofi Annan oder Martti Ahtisaari ein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel erhält amerikanischen Fulbright-Preis (picture-alliance/M. Sohn)

Fulbright-Preisträgerin Merkel und der amtierende US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell

Merkel beschwor die gemeinsamen Werte, die diesseits und jenseits des Atlantiks vorhanden seien, auch in Zeiten, in denen man nicht einer Meinung sei. In einem selten emotionalen Moment warnte sie vor dem Erstarken des "ausgrenzenden Nationalismus" und rief dazu auf: "Dem müssen wir uns entgegenstellen." Sie betonte den Wert internationaler Verständigung und warnte davor, Patriotismus als Egoismus zu verstehen. Ein echter Patriot sei nur, so Merkel, wer die Interessen der anderen mitdenken könne und den Ausgleich suche. "Wir sollen den Kompromiss hochhalten, denn er ist essentiell für das Zusammenleben der Menschen", betonte Merkel. Die Europäische Union, eine Gemeinschaft die auf dauerhaften Kompromissen zwischen 28 Ländern beruhe, bezeichnete Merkel als "die beste Idee, die wir je auf diesem Kontinent hatten".     

Ohne US-Präsident Donald Trump beim Namen zu nennen, erinnerte Merkel daran, dass internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen oder die Welthandelsorganisation als "Lehren aus dem Schrecken des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkriegs und des überbordenden Nationalismus" gegründet worden seien. Globalisierung und Klimawandel seien genauso menschengemacht wie Kriege und Krisen. "Also können und sollten wir auch alles menschenmögliche unternehmen, um diese Herausforderungen gemeinsam anzugehen", forderte die Kanzlerin.

Wenn Bürger sich begegnen, werden Staaten zur Staatengemeinschaft 

Den Namensgeber der jährlichen Preisverleihung, der amerikanische Senator J. William Fulbright, würdigte Merkel ihrerseits als "Pionier der Verständigung" - und Begründer einer besonderen Form der "Bürgerdiplomatie". Fulbright ist Namensgeber für eines der größten Austauschprogramme der Welt. Seit 1946 hat das Programm Reisen und Treffen von rund 380.000 Menschen in 160 Ländern ermöglicht. Ein großes Alumni-Netzwerk ist entstanden. Allein zwischen Deutschland und den USA konnten 46.000 Studenten, Wissenschaftler, Journalisten und Bürger das jeweils andere Land mit eigenen Augen erleben. "Erst die Begegnung der Bürger macht die Staaten der Welt zu einer echten Staatengemeinschaft", sagte Merkel. Zum anschließenden Stehempfang mischte sie sich dann auch getreu dieser Botschaft für einige Minuten unter die Gäste. Die Organisatorin rief den Gäste daraufhin zu: "Sie werden eine Möglichkeit zum Gespräch mit Frau Merkel haben, aber bitte, keine Selfies."

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