Amazonas-Synode: Herausforderung für den Papst | Aktuell Welt | DW | 06.10.2019
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Amazonas-Synode im Vatikan

Amazonas-Synode: Herausforderung für den Papst

Die Vatikansynode nutzt der Papst, um die Katholische Kirche neu zu justieren. Schwerpunkt des Treffens ist der Amazonasraum: Mit einer Aufhebung des Zölibats will Franziskus den dortigen Priestermangel beheben.

Schon vor Beginn der Synode, die unter dem Motto "Amazonien - neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie", steht, hatte es Kontroversen um deren Inhalte gegeben. Wegen des Priestermangels am Amazonas wird im Arbeitspapier vorgeschlagen, eine mögliche Priesterweihe indigener Familienväter zu prüfen. Außerdem wird gefordert, in der Amazonaskirche ein "offizielles Dienstamt" für Frauen einzuführen.

Konservative Kleriker sehen in der Weihe von Familienvätern - obwohl regional begrenzt - einen Schritt zur Abschaffung des Zölibats, der Ehelosigkeit der Priester. Der emeritierte deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller hatte behauptet, es gehe bei der Synode nicht wirklich um das Schicksal der Amazonaswälder und ihrer Bewohner, sondern um einen "radikalen Umbau der Kirche nach dem bekannten Programm." Wenn der Zölibat falle, dann sei auch die Kirche am Ende.

"Angst vor Veränderungen"

Franziskus reagierte prompt. Gegner, die Häresie-Vorwürfe gegen ihn erhoben hatten, bescheinigte er Angst vor Veränderungen zu haben. Er kritisierte die Tendenz, nur die eigenen Ideen gelten zu lassen. Wer Unterschiede nicht gelten lasse und stattdessen Menschen und Ideen vereinheitlichen wolle, schüre ein zerstörerisches Feuer, so der Papst.

Kardinal Walter Brandmüller (picture-alliance/Stefano Spaziani)

Kardinal Walter Brandmüller

Schon nach der Familiensynode 2015, bei der es auch um die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten ging, hatte es heftige Kritik von konservativer Seite an Franziskus gegeben. In den USA formiert sich wachsender Widerstand gegen den moderneren Kurs des Pontifex. Zuletzt machte auch das Wort von einem "Schisma", also einer Kirchenspaltung, die Runde. Darauf angesprochen, sagte Franziskus Anfang September, er habe keine Angst vor Schismen, bete aber, dass sie nicht passierten.

Bei seiner Eröffnungspredigt zur Synode prangerte Franziskus besonders die Ausbeutung und Umweltvernichtung im Amazonasgebiet an. "Das von zerstörerischen Interessen gelegte Feuer wie jenes, das kürzlich das Amazonasgebiet verwüstet hat, ist nicht das aus dem Evangelium", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche.

Brasilien | Brandrodung im Amazonasgebiet (Reuters/R. Moraes)

Brandrodung im Amazonasgebiet

Franziskus warnte zugleich vor der "Gier neuer Kolonialismen" und erinnerte an die Missionare, die in der Region ihr Leben gelassen hätten. "Viele Brüder und Schwestern im Amazonasgebiet tragen schwere Kreuze", sagte der Papst.

Während der kommenden drei Wochen beraten im Vatikan katholische Bischöfe aus Südamerika und anderen Teilen der Welt sowie Ordensleute und Experten über neue Formen von Seelsorge in Gebieten mit wenigen Priestern, die Rechte der Indigenen und die Umweltsituation. Abholzung und riesige Brände hatten in jüngster Zeit den größten tropischen Regenwald der Erde wieder in die Schlagzeilen gebracht.

Kolumbien Bogotá | Der Amazonas steht nicht zum Verkauf! (DW/J. Ospina-Valencia
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Plakat gegen die Abholzung im Amazonas: "Der Amazonas steht nicht zum Verkauf!"

Zur Messe im mächtigen Petersdom waren Gäste aus vielen Teilen der Welt in farbenfrohen Gewändern gekommen. Franziskus erinnerte auch an das unselige Erbe der Zwangsmission früherer Jahre. "Wie oft ist doch die Gabe Gottes nicht angeboten, sondern aufgezwängt worden, wie oft hat es Kolonisierung statt Evangelisierung gegeben", sagte er.

Am Samstag setzte Franziskus mit der Ernennung 13 neuer Kardinäle Zeichen. Nun sind 67 der 128 wahlberechtigten Purpurträger von ihm selbst ernannt worden - erstmals mehr als die Hälfte. Franziskus war im März 2013 als Nachfolger Benedikts XVI. Papst geworden.

Rom Vatikan Papst ernennt 13 Kardinäle (Getty Images/AFP/T. Fabi)

Fridolin Ambongo Besungu aus dem Kongo wird von Franziskus zum Kardinal ernannt

Der Großteil der rund 185 "Synodenväter" (stimmberechtigte Mitglieder) stammt aus Brasilien, Bolivien, Peru, Ecuador, Venezuela, Kolumbien, Guyana, Surinam und Französisch-Guyana. Deutsches Synodenmitglied ist der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Als Experten aus Deutschland wurden der Potsdamer Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber, Adveniats-Hauptgeschäftsführer Michael Heinz und Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel eingeladen.

Eine Synode fasst keine bindenden Beschlüsse, sondern erarbeitet einen Abschlussbericht für den Papst. Er dient diesem als Basis für weitere Entscheidungen.

cgn/haz (dpa, epd, kna)

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