Am Steuer der Seifenkiste | Archiv | DW | 31.10.2013
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Archiv

Am Steuer der Seifenkiste

Im Reisetagebuch schildern die Kandidaten abwechselnd ihre ganz persönlichen Erlebnisse und Gedanken rund um die Dreharbeiten. Heute schildert Nasser, wie er den Unfall beim Seifenkistenrennen erlebt hat.

Ich hatte mir schon oft gewünscht, einmal am Steuer von einem Auto zu sitzen. Bei der Aufgabe in Niedergründau habe ich endlich einmal die Chance dazu bekommen. Allerdings hatte ich Pech.

Natürlich war es kein richtiges Auto, mit dem ich gefahren bin, sondern eine Seifenkiste. Auch in Ägypten bauen die Kinder solche Seifenkisten. Allerdings sind die viel einfacher als alle Modelle, die ich beim Rennen in Niedergründau gesehen habe. Meistens reicht ein leerer Flaschenkasten, an den eine Schnur gebunden wird. Ein Kind sitzt im Kasten, das andere zieht. Gebremst wird mit den Füßen.

So schnell wie in Niedergründau werden die ägyptischen Seifenkisten auch nicht. Die Fahrt bei der Aufgabe von Ticket nach Berlin hat so viel Spaß gemacht, dass ich das Lenkrad losgelassen und gejubelt habe. Wir alle schrien vor Freude. Ich vergaß die Welt um mich herum und genoss den schönen Moment. Es war wie im Traum. Leider wurde dieser Traum schnell zu einem Albtraum, als ich begriff, dass etwas nicht in Ordnung war:

Ich hatte mich gerade umgedreht, um zu sehen, wie viel Vorsprung wir vor unseren Gegnern hatten. Als ich wieder nach vorn schaute, schrie Jonas auch schon: "Bremsen!" Kurz vor der Ziellinie habe ich langsam auf das Pedal getreten, um eine Vollbremsung zu vermeiden. Nichts passierte. Mein Herz fing an zu rasen, und Jonas schrie immer lauter. Die Bremse funktionierte nicht, obwohl ich jetzt mit aller Kraft auf das Bremspedal trat. Keine Reaktion. Nur die Ziellinie und der Mann, der da mit einer Fahne stand, kamen immer näher.

Voller Panik dachte ich, dass die großen weißen Blöcke hinter der Ziellinie aus Beton seien. Unser Ende war nah. Gott sei Dank waren diese Bremsblöcke ganz weich, und uns passierte nichts. Dahinter stand ausgerechnet ein Krankenwagen. Der Vorteil eines Krankenwagens ist natürlich, dass man schnell Hilfe bekommt, wenn man verletzt ist. Leider hat ein Krankenwagen auch einen Nachteil: eine harte Stoßstange. Ich riss das Lenkrad nach links, um einen Unfall zu vermeiden. Wir hatten Glück, es gab nur einen leichten Zusammenstoß. Endlich hielt die Seifenkiste an, unsere Abenteuerfahrt war beendet.

Ich kann mich noch gut an den bösen Blick von Jonas direkt nach dem Unfall erinnern. Ich fühlte mich beleidigt und schuldig, obwohl ich den anderen immer wieder erklärte, dass die Bremsen nicht funktioniert hatten. Niemand glaubte mir. Jonas beruhigte sich zwar wieder, aber die Situation war sehr angespannt, weil er mir die Schuld an dem Zusammenstoß mit dem Krankenwagen gab. In diesem Moment fühlte ich mich in meinem eigenen Team wie ein Fremder. Ich hatte Heimweh nach Kairo, wo meine Freunde mir vertrauen und mir glauben, was ich sage.

Die Organisatoren der Veranstaltung waren über Funk über den Unfall informiert worden. Ihre erste, besorgte Frage war: "Ist jemand von euch verletzt, geht es euch allen gut?". Anschließend untersuchten die Techniker die Seifenkiste. Natürlich war ich froh, als ich hörte, dass die Bremsen wirklich defekt waren. Nun wussten alle, dass ich die Wahrheit gesagt hatte. Doch mein Gefühl im Team änderte sich an diesem Nachmittag wenig. Erst am nächsten Tag war wieder alles normal, als ob nichts geschehen wäre.

Text: Nasser