Am Renminbi scheiden sich (noch) die Geister | Wirtschaft | DW | 25.06.2019
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Währungen und Mittelstand

Am Renminbi scheiden sich (noch) die Geister

Fast jedes zweite größere deutsche Unternehmen stellt bereits Rechnungen in der chinesischen Währung Renminbi aus. Allerdings hat sich die Zahl derjenigen, die das aus "politischen Gründen" ablehnen, verdoppelt.

Im vergangenen Jahr hatte noch jedes zwanzigste von der Commerzbank dazu befragte Unternehmen angegeben, "aus politischen Gründen" nicht in der chinesischen Währung Renminbi fakturieren zu wollen. In diesem Jahr sind es mehr als doppelt so viele: elf satt vorher fünf Prozent. Renminbi (deutsch: Volkswährung) ist der offizielle Name der chinesischen Währung, die bekanntere Bezeichnung Yuan ist die Zahleneinheit. 

Andererseits stellen bereits 46 Prozent der großen Unternehmen (das sind in der Erhebung Firmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 250 Millionen Euro) schon heute "chinesische Rechnungen" aus. Im kommenden Jahr könnten schon zwei von drei deutschen Unternehmen Rechnungen auf Renminbi ausstellen (67 Prozent). Bei Mittelständlern mit einem Jahresumsatz zwischen 2,5 und 12,5 Millionen Euro haben lediglich neun Prozent die Rechnungsstellung (Fakturierung) umgestellt.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Commerzbank durchgeführt hat. Dazu wurden mehr als 3900 Firmenkunden der Bank mit Asiengeschäft in Europa befragt, darüber hinaus befragte die Bank auch 100 chinesische Firmenkunden mit internationalem Geschäft. Diese Erhebung wurde heute in Frankfurt im Rahmen eines Pressegepräches vorgestellt.

Firmen werden politisch sensibler

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der Renminbi für die Firmenkunden der Commerzbank immer wichtiger wird. Die Erhebung enthält aber neben "positiven Bestätigungen" auch mehr oder weniger überraschende Einsichten: Die Unternehmen äußerten sich nämlich deutlich zur aktuellen geopolitischen Lage - und reagierten, so die Autoren der Studie, bereits darauf.

So würden insbesondere Lösungen im Risikomanagement immer wichtiger. Gefragt nach den Vorteilen der Fakturierung in Renminbi geben 73 Prozent der Kunden erstmals die "Absicherung des Devisenkursrisikos" als Haupttreiber an - im Vorjahr waren es 60 Prozent. Als weitere wesentliche Gründe dafür werden "Vorteile bei Preisverhandlungen", "Vorteile bei der Markterschließung auf dem chinesischen Festland" sowie "Präferenzen von chinesischen Handelspartnern" genannt.

Deutschland China Railway Express im Containerhafen Duisburg (picture-alliance/Photoshot/Shan Yuqi)

Der politische Rahmen beeinflusst den Handel mit China

Die "Kleinen" fühlen sich sicherer

Hauptbarrieren für die Umstellung sind der Umfrage zufolge "bereits etablierte Vorgehensweisen" sowie die "Präferenz des Handelspartners für Euro beziehungsweise US-Dollar". Aufgrund der nach wie vor rigiden Kapitalabflussrestriktionen beklagen elf Prozent der Kunden "fehlendes Vertrauen in die Nachhaltigkeit der Währung", das entspricht ungefähr dem Vorjahresniveau.

Zwei Drittel der Unternehmen in Europa antworteten, bislang gar keine oder nur geringe Auswirkungen der gegenwärtigen geopolitischen Lage zu verspüren, ein Drittel sieht sich dagegen spürbar betroffen.

"Interessant für uns ist", so Michael Rugilo, Asien-Experte der Commerzbank, "dass sich 44 Prozent der Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 250 Millionen Euro überdurchschnittlich betroffen wähnen. Im Gegensatz dazu fühlen lediglich 15 Prozent der kleineren Firmenkunden mit einem Umsatz zwischen 2,5 und 12,5 Millionen Euro die veränderten weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in ihrem Geschäft."

Über allem schwebt die geopolitische Unsicherheit

Bei der Befragung chinesischer Firmen mit Geschäftsbeziehungen nach Europa ergibt sich ein ähnliches Bild: 29 Prozent der chinesischen Firmenkunden der Commerzbank nutzten die Währung bereits, vier Prozent Prozent planten die Umstellung innerhalb eines Jahres, 67 Prozent beabsichtigten keine Umstellung.

58 Prozent der Kunden in China gaben an, den Impuls zur Umstellung aus dem Ausland zu erhalten. Die Währungsabsicherung spiele, so die Erhebung, mit 19 Prozent eine geringere Rolle. Als Hinderungsgründe würden zu 53 Prozent wieder der "Handelspartner und dessen Präferenz" genannt, aber auch "etablierte Vorgehensweisen".

Barbara Herbert, Renminbi-Expertin der Commerzbank, fasst die Umfrageergebnisse so zusammen: "Während der Tenor der letztjährigen Umfrage die Hoffnung auf eine Rückkehr zum Liberalisierungskurs der chinesischen Währung war, beschäftigen sich die Firmenkunden nunmehr verstärkt mit den Auswirkungen der veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen auf deren China-Geschäft."

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