Alpensegler - Rekordhalter der Lüfte | Wissen & Umwelt | DW | 16.10.2013
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Wissen & Umwelt

Alpensegler - Rekordhalter der Lüfte

Alpensegler vollbringen außergewöhnliche Ausdauerleistungen: Bis zu sieben Monate können die Zugvögel fast pausenlos fliegen - selbst im Schlaf. Wenn überhaupt, gönnen sie sich höchstens kurze Zwischenstopps.

Alpensegler (Foto: dpa - Bildfunk)

Alpensegler fressen auch im Flug. Sie ernähren sich von "Luftplankton", also hauptsächlich von hoch fliegenden oder vom Wind verdrifteten Insekten.

Zugvogel müsste man sein. Sobald es kalt und ungemütlich wird, zieht er einfach gen Süden, wahlweise nach Südeuropa oder ins warme Afrika, um dort zu überwintern. Hunderte und oft sogar Tausende von Kilometern legen Vogelarten, wie Mauersegler, Kranich oder Rauchschwalbe alljährlich auf dem Weg in ihre Winterquartiere zurück.

Diese Reisen sind eine äußerst kräftezehrende Angelegenheit. Schließlich ist Fliegen eine der energieaufwändigsten Fortbewegungsarten überhaupt. Schon für uns Menschen kann ein Langstreckenflug anstrengend sein. Und das, obwohl wir im Flugzeug größtenteils sitzen und nicht wir selbst, sondern die Maschine unser Körpergewicht durch die Lüfte befördert.

Gerade Zugvögel zeigen beim Fliegen eine erstaunliche Ausdauer. Dennoch brauchen die meisten von ihnen auf dem Weg zu ihrem Winterquartier regelmäßige Pausen, um ihr Schlafdefizit auszugleichen. Nicht so der europäische Alpensegler (Tachymarptis melba): Dieser außergewöhnliche Nonstop-Flieger legt nicht nur die gesamte Strecke aus der Alpenregion nach Westafrika - also um die 3000 Kilometer - ohne Rast zurück. Schweizer Forscher um Felix Liechti vom Ornithologischen Institut in Sempach fanden außerdem heraus, dass sie selbst im Winterquartier fast pausenlos in der Luft bleiben.

Schlafen und fliegen

Abgesehen von kleinen Zwischenstopps verbringen die Alpensegler demnach bis zu sieben Monate fliegend, flatternd, gleitend oder segelnd. Und noch erstaunlicher: scheinbar fressen und schlafen die etwa 20 Zentimeter großen Vögel sogar im Flug. Die Wissenschaftler sind sich sicher, dass "sie über mehrere Monate hinweg alle lebensnotwendigen physiologischen Funktionen im Flug erledigt haben müssen."

Wie die Schweizer Wissenschaftler das herausgefunden haben? Vor dem Aufbruch nach Afrika rüsteten sie sechs Alpensegler mit Sendern und Sensoren aus. Diese überwachten die Körperfunktionen der Tiere sowohl während der gesamten Flugzeit nach Süden als auch im Winterquartier. Nach ihrer Rückkehr in der Schweiz wurden die Daten von drei Alpenseglern ausgewertet. Heraus kam, dass die Vögel tagsüber zwischen Gleiten und aktivem Flügelschlagen wechselten. Nachts sank ihre Aktivität ab und sie gingen in längere Gleitphasen über. Langanhaltende Segelperioden, die aus den Daten hervorgingen, könnten auf Phasen des Schlafs hinweisen. “Zusätzliche, längere Schlafphasen am Boden scheinen die Alpensegler aber nicht nötig zu haben“, vermuten die Forscher.

Wie die Alpensegler diese beeindruckende Ausdauerleistung vollbringen, ist noch nicht geklärt. Sicher ist jedoch: Sie sind damit absolute Rekordhalter. "Ein solches dauerhaft in Bewegung bleiben war bisher nur von Meerestieren bekannt", so die Forscher. Für einen Vogel sei das eine absolute Neuheit.

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