Alle Jahre wieder: Zikaden überfallen die USA | Wissen & Umwelt | DW | 28.05.2020
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Wissen & Umwelt

Alle Jahre wieder: Zikaden überfallen die USA

Periodische Zikaden haben einen der längsten Lebenszyklen in der Tierwelt. Die meiste Zeit verbringen sie unter der Erde. Erst kurz vor ihrem Tod kommen sie für Sex und Gesang ans Tageslicht.

USA 17-Jahres Zikade (picture-alliance/dpa/T. Maury)

Eine Zikade schlüpft aus ihrer alten Larvenhaut

Jahrelang graben sie sich durch den Boden: Die Larven der periodischen Zikade. In 20 bis 30 Zentimetern Tiefe ernähren sie sich von Wurzeln, die sie anstechen und aussaugen. Im Boden wachsen die Larven und häuten sich dabei mehrmals, bis sie das finale Larvenstadium erreicht haben.

Jetzt krabbeln sie zur Oberfläche, schlüpfen aus dem Boden, häuten sich ein letztes Mal  - und machen für die restlichen paar Wochen ihres Lebens einen Heidenlärm.

Alle 13 oder 17 Jahre kommt es in verschiedenen Regionen der USA zu einem Massenauftreten der periodischen Zikaden (Magicicada). Über wenige Wochen schlüpfen dabei Millionen von Zikaden aus dem Boden.

Drei Arten mit einem 17-jährigen Lebenszyklus kommen hauptsächlich im Nordosten der USA vor. Vier Arten im Südosten kriechen alle 13 Jahren aus der Erde.

Das Ziel: Fortpflanzung

Nach ihrer letzten Häutung über der Erde sind die Zikaden geschlechtsreife Vollinsekten. Sie sind zwei bis drei Zentimeter lang, haben einen schwarzen Körper, mit großen roten Glubschaugen, orangefarbenen Beinen und durchsichtigen Flügeln.

USA | Forschung | 17-Jahres-Zikade (Scott Campbell, Kansas Biological Survey, University of Kansas)

Kurz nach ihrer letzten Häutung sind die erwachsenen Zikaden noch recht blass

Die Männchen besitzen außerdem ein Trommelorgan im Hinterleib, das in Schwingung gebracht werden kann. Die Schwingungen werden über Hohlräume im Körper verstärkt und produzieren so den typischen "Zikaden-Gesang”.

Was auf Zikaden-Weibchen äußerst anregend wirkt, ist für menschliche Ohren teilweise nur schwer zu ertragen. Vor allem, weil sich die Männchen der Periodischen Zikaden gerne in Gruppen zusammentun, um gemeinsam im Chor zu singen.

Abgesehen von der Lärmbelästigung und eventuell damit verbunden Kopfschmerzen, sind die Zikaden aber weder für Menschen noch für Tiere gefährlich.

Und auch der Krach ist nur von kurzer Dauer: Nach einigen Wochen der Balz und der Paarung legen die Weibchen ihre Eier mit einem sogenannten Legebohrer in kleine Zweige und sterben danach. Die Männchen sind zu diesem Zeitpunkt bereits tot - sie haben direkt nach dem Sex ausgedient. 

Koordiniert Bodentemperatur Massenschlüpfen?

Erreicht die Temperatur des Bodens in 20 bis 30 Zentimetern Tiefe 17 Grad Celsius oder mehr, machen sie die Larven auf den Weg zur Oberfläche. Wieso das nur nur alle 13 beziehungsweise 17 Jahre passiert, ist aber nicht klar. 

Eine verbreitete Hypothese ist, dass die Insekten auf diese Weise Fressfeinden ausweichen. 13 und 17 sind Primzahlen, die sich nur durch 1 und sich selbst teilen lassen. Die meisten anderen Tieren haben regelmäßigere Fortpflanzungszyklen von zum Beispiel zwei, vier oder sechs Jahren.

Hätten die Zikaden einen Lebenszyklus von zwölf Jahren, würden sie all diesen Tieren ein Festmahl bieten. Die Massenzusammenkunft an geschlechtsreifen Tieren ist zwar einerseits eine ideale Voraussetzung für die Fortpflanzung der Zikaden, andererseits aber auch ein unwiderstehliches All-you-can-eat-Angebot für alle Insektenfresser.

USA | Forschung | 17-Jahres-Zikade (Scott Campbell, Kansas Biological Survey, University of Kansas)

Schwarzer Körper, rote Augen - die Zikade ist erwachsen

Brut IX schlüpft

2020 wird zwischen Mai und Anfang Juli das Schlüpfen von Millionen Zikaden derBrut IX erwartet. Die Tiere der Brutgruppe haben die letzten 17 Jahre im Boden der Staaten Virginia, West Virginia und North Carolina verbracht.

Als Brut wird eine Gruppe von Zikaden bezeichnet, die einer Art angehören und zeitgleich schlüpfen. Beschrieben sind 17 Brutgruppen, die alle 17 Jahre auftreten und zwölf Bruten mit einem 13-jährigen Lebenszyklus. Die einzelnen Bruten schlüpfen dabei allerdings nicht gleichzeitig.

Auch wenn Zikaden äußerlich den Heuschrecken ähneln und mit ihrem millionenschweren Auftreten an die achte Plage erinnern, eine enge Verwandtschaft besteht nicht. Im Vergleich zu Wanderheuschrecken ist auch der Schaden an der Vegetation nur gering.