Alexander Zverev erreicht bei ATP-WM das Finale | Sport | DW | 17.11.2018
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ATP-WM

Alexander Zverev erreicht bei ATP-WM das Finale

Er ist seit Boris Becker vor 22 Jahren der erste deutsche Tennisspieler, der um den Titel beim ATP-Saisonfinale spielt: Alexander Zverev besiegt sein Idol und spielt nun um den bisher größten Titel seiner Karriere.

Es war eine unglückliche Situation: Im Tiebreak störte ein Balljunge das Spiel, Alexander Zeverev forderte regelkonform, dass der Punkt nochmal ausgespielt werden müsse. Der ging dann an den Deutschen, der 21-Jährige verwandelte kurz darauf seinen Matchball gegen Roger Feder zum 7:5, 7:6 (7:5). Die Fans pfiffen ihn daraufhin gnadenlos aus, so dass der junge deutsche Profi bei dem abschließenden Interview Tränen in den Augen hatte und sich mehrfach entschuldigte. "Ich wollte nicht, dass es so endet", sagte Zverev und musste schlucken: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich bin gerade ein bisschen verloren."

Fair war das nicht vom Publikum. Denn Alexander Zverev hatte zuvor gegen sein einstiges Idol ein tolles Match abgeliefert und steht nun verdient beim ATP-Finale der achte Saisonbesten im Endspiel - als erster Deutscher seit Boris Becker 1996. Mit einem Erfolg am Sonntag (19.00 Uhr MEZ) kann sich Zverev nach Boris Becker (1988, 1992, 1995) und Michael Stich (1993) als dritter Deutscher in die Siegerlisten eintragen.

ATP Finals Novak Djokovic gewinnt gegen Kevin Anderson (Reuters/A. Couldridge)

Novak Djokovic nach seinem Halbfinalsieg gegen Kevin Andersen

Der Weg zu diesem Triumph führt über den Serben Novak Djokovic, der im zweiten Halbfinale den Südafrikaner Kevin Andersen deutlich mit 6:2 und 6:2 besiegte.

Zuvor hatte der Weltranglistenfünfte Zverev vor mehr als 17.000 Zuschauern in der Londoner o2-Arena nahtlos an seine gute Leistung aus dem entscheidenden Gruppenspiel am Freitag angeknüpft, in dem er gegen den US-Amerikaner John Isner den Einzug ins Halbfinale perfekt gemacht hatte. Von der Müdigkeit, die Zverev nach eigener Aussage seit zwei Monaten begleitet, war kaum etwas zu spüren. Vor allem in den wichtigen Momenten spielte der 21-Jährige hochkonzentriert.

Alexander Zverev Roger Federer Tennis (Getty Images/J. Finney)

Generationenduell: Der 21-jährige Zverev (links) und der 37-jährige Federer

Bis zum 6:5 im ersten Durchgang war die sechste Begegnung zwischen Zverev und Federer ausgeglichen, doch als der sechsmalige Sieger aus der Schweiz bei eigenem Aufschlag erstmals wackelte, war Zverev zur Stelle. Nach einem nahezu perfekten Returnspiel verwandelte er seinen ersten Satzball. Der dritte Sieg über den 20-maligen Grand-Slam-Champion nach den Erfolgen bei den Gerry Weber Open 2016 und in Montreal 2017 war nicht mehr weit entfernt.

Doch Federer, der in London zuletzt 2011 triumphiert hat, wehrte sich und nahm Zverev im zweiten Satz den Aufschlag ab. Die Zuschauer feierten ihren Liebling und stöhnten enttäuscht auf, als Federer das Break sofort wieder hergab. Fortan gab sich Zverev bei eigenem Aufschlag keine Blöße mehr, auch wenn er nicht ganz so herausragend servierte wie beim Sieg über Isner. Die Spannung erreichte ihren Höhepunkt im Tiebreak des zweiten Satzes. Zverev behielt auch in der turbulenten Schlussphase die Nerven und triumphierte nach 1:34 Stunden.

Während Federer damit mindestens bis zum kommenden Jahr auf seinen 100. Titel auf der ATP-Tour warten muss, darf Zverev auf einen glanzvollen Abschluss der Saison hoffen. Gegen Djokovic hatte er in der Vorrunde deutlich verloren, sich anders als bei seinem Turnierdebüt 2017 von der Niederlage im zweiten Vorrundenspiel aber nicht aus dem Tritt bringen lassen. Damals verlor Zverev gegen Federer und schied aus. Der Finaleinzug verdeutlicht seine Entwicklung in den vergangenen zwölf Monaten, die er am Sonntag mit seinem bislang größten Erfolg krönen kann.

sw/hf (dpa, sid)

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