Aldi mustert Plastikbeutel für Obst und Gemüse aus | Aktuell Deutschland | DW | 11.06.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Discounter und Ökologie

Aldi mustert Plastikbeutel für Obst und Gemüse aus

Wer bei dem Discounter Frisches verpacken möchte, kann künftig zu einem Behältnis aus nachwachsendem Rohstoff greifen - muss dafür aber zahlen. Doch trägt der geringe Preis wirklich zu sparsamer Verwendung bei?

Aldi peilt bei den sogenannten Knoten- oder Hemdchenbeuteln - und deren Benutzern - mehr Nachhaltigkeit an (Foto: picture-alliance/S. Simon)

Aldi peilt bei den sogenannten Knoten- oder Hemdchenbeuteln - und deren Benutzern - mehr Nachhaltigkeit an

Aldi schafft die kostenlosen dünnen Plastikbeutel für Obst und Gemüse ab und bietet ab Sommer stattdessen Tüten aus nachwachsenden Rohstoffen für einen Cent an. Alle Filialen von Aldi Nord und Aldi Süd böten ab Sommer neue Beutel aus einem Rohstoff an, der bei der Zuckerrohr-Verarbeitung anfalle, teilte das Unternehmen mit. Dünne Beutel in dieser Variante gibt es zum Beispiel auch beim Einzelhändler Tegut. Entsorgt werden die Tüten wie üblicher Kunststoff über die gelbe Tonne, sie können recycelt werden.

Zuckerrohr kann - verarbeitet - auch als Bestandteil von Obst- und Gemüsebeuteln dienen (Foto: picture-alliance/imageBroker/F. Kopp)

Zuckerrohr kann - verarbeitet - auch als Bestandteil von Obst- und Gemüsebeuteln dienen

Jüngsten Zahlen des Bundesumweltministeriums zufolge wurden im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als drei Milliarden der sogenannten Knoten- oder Hemdchenbeutel verbraucht. Das entspricht im Schnitt 37 Stück pro Bundesbürger. Das ist zwar etwas weniger als 2017, aber mehr als in den Jahren 2015 und 2016. Grund ist unter anderem, dass Kunden ihre Einkäufe in die kostenlosen Knotenbeutel packen, seitdem Kunststoff-Tragetaschen kostenpflichtig sind.

"Bepreisung bewegt sichtlich zum Umdenken"

Aldi hofft nun, dass sich bei den Beuteln für Obst und Gemüse ein ähnlicher Erfolg einstellt wie bei den herkömmlichen Plastiktüten, deren Verbrauch in den vergangenen Jahren deutlich zurückging. "Die Zahlen bestätigen, dass die Bepreisung der Plastiktaschen Verbraucher sichtlich zum Umdenken bewegt hat", sagte Kristina Bell, zuständig für Qualitätssicherung und Unternehmensverantwortung bei Aldi. "Ein ähnliches Prinzip verfolgen wir mit dem symbolischen Cent für unsere Einwegtüten im Obst- und Gemüsebereich."

FDP-Umweltexpertin Judith Skudelny weist auf mögliche negative Folgen der Beutel-Produktion hin (Foto: picture-alliance/dpa/C. Schmidt)

FDP-Umweltexpertin Judith Skudelny weist auf mögliche negative Folgen der Beutel-Produktion hin (Archivbild)

Die FDP warnte allerdings vor einem "unbedachten Einsatz" von Alternativen zu den Beuteln. FDP-Umweltexpertin Judith Skudelny sagte, Zuckerrohr komme derzeit vor allem aus Brasilien, Indien und China. "Steigern wir die Nachfrage nach Zuckerrohr, verändern wir die Landnutzung vor Ort und fördern indirekt Regenwaldabholzung und Artensterben." Außerdem dürfe Aldi nun nicht seine Gewinne erhöhen, sondern sollte diese in Umweltschutzprojekte stecken, so Skudelny weiter.

Der Discounter will außerdem - ähnlich wie es bereits andere Einzelhändler tun - ab Herbst waschbare wiederverwendbare Mehrwegnetze anbieten. Was die Knotenbeutel aus Plastik angeht, hofft Aldi, dass sich weitere Discounter anschließen. "Wir würden uns freuen, wenn andere Händler mitziehen." Denn nur durch eine branchenweite Lösung könne ein "Schritt nach vorne" gelingen, betonte Bell.

Infografik Dauer für den Abbau von Müll im Meer DEU

Bewegung auch bei Real, Rewe und Penny

Die Kette Real hatte bereits im Februar angekündigt, bis Ende 2020 die Plastikbeutel in den Obst- und Gemüseabteilungen abzuschaffen. Ersetzt werden sollen sie durch Papiertüten oder die Mehrwegnetze, die es bereits jetzt in den Märkten zu kaufen gibt. Die Supermarktkette Rewe hatte kürzlich in ihren ostdeutschen Filialen zum "Plastikfasten" aufgerufen und die dünnen Beutel für einen Tag aus dem Sortiment genommen. Auf Anfrage verwies das Unternehmen ebenfalls auf die Mehrwegfrischenetze, die es seit Oktober in allen Rewe-Märkten und seit April dieses Jahres bei Penny gibt. Das Angebot werde von den Kunden "gut angenommen".

sti/jj (afp, dpa, epd)

Die Redaktion empfiehlt