AKW Fessenheim ist stillgelegt | Aktuell Europa | DW | 29.06.2020
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Atomkraft

AKW Fessenheim ist stillgelegt

Kritikern galt das älteste französische Atomkraftwerk an der deutschen Grenze schon seit Jahrzehnten als Sicherheitsrisiko. Jetzt wurde es endgültig abgeschaltet.

Fast 43 Jahre lang lieferte das AKW Fessenheim Atomstrom - nun ist es vom Netz. Wie der Betrieber Electricité de France (EDF) bestätigte, wurde am Montagabend (Ortszeit) auch der zweite Druckwasserreaktor heruntergefahren. Der erste Reaktor hatte bereits im Februar den Betrieb eingestellt.

Bis 2023 sollen die abgebrannten Brennelemente entfernt werden, die komplette Demontage des Atomkraftwerks dürfte sich allerdings insgesamt 20 Jahre hinziehen. 

Druck aus Deutschland

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kam mit dem Aus für das rund 30 Kilometer südwestlich von Freiburg gelegene AKW langjährigen Forderungen aus Deutschland und der Schweiz nach. Beide Länder waren besorgt über häufige Störfälle und das Erdbebenrisiko am Oberrhein. Ursprünglich war die Abschaltung bereits Ende 2016 geplant, der damalige Staatschef François Hollande hielt seine Zusage aber nicht ein.

Zweiter Reaktor des Kernkraftwerks Fessenheim geht vom Netz (picture alliance/dpa/AP/J.-F. Badias)

Eine deutsche Atomkraftgegnerin - am Montag auf dem Rhein

Deutsche und französische Atomkraftgegner feierten gemeinsam auf einem Rhein-Schiff das Ende des Meilers. Die Grünen-Europaabgeordnete Michèle Rivasi sprach von einer wichtigen "Etappe". In Fessenheim selbst herrschte hingegen wenig Feststimmung. Viele Menschen in der kleinen elsässischen Gemeinde fürchten um ihren Lebensunterhalt: Bis 2023 werden nur noch knapp 300 AKW-Beschäftigte benötigt, danach voraussichtlich nur noch 60.

Ende 2017 hatte das Atomkraftwerk noch mehr als tausend Mitarbeiter und Dienstleister beschäftigt. Fessenheims Bürgermeister Claude Brender nannte die Abschaltung des "gut funktionierenden" Kraftwerks "absurd und unverständlich". Die Gewerkschaft CGT twitterte: "Welcher Schmerz - was hier geschieht ist unmenschlich."

 

In Frankreich sind nun noch 56 Druckwasserreaktoren in Betrieb. Nach Angaben des Netzbetreibers RTE standen sie im vergangenen Jahr für rund 71 Prozent der Stromproduktion im Land. Das ist mit Abstand der größte Anteil weltweit. Neben den beiden Reaktoren in Fessenheim haben auch andere die vorgesehene Altersgrenze von 40 Jahren bereits überschritten.

wa/bru (afp, dpa)

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