Airbnb zieht sich aus israelischen Siedlungen zurück | Nahost | DW | 19.11.2018
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Tourismus

Airbnb zieht sich aus israelischen Siedlungen zurück

Die Online-Übernachtungsbörse Airbnb nimmt Unterkünfte in Siedlungen im besetzten Westjordanland aus dem Angebot. Das US-Unternehmen geht damit auf Proteste der Palästinenser ein. Israel reagiert mit Unverständnis.

Westjordanland Airbnb Gästehäuser Anbieter (picture-alliance/AP Photo/T. Abayov)

Dieses Gästehaus in der Siedlung Nofei Prat im Westjordanland wird nun nicht mehr über Airbnb angeboten

Die Entscheidung von Airbnb betrifft 200 Unterkünfte in israelischen Siedlungen, die bislang auf der kalifornischen Internet-Plattform aufgeführt wurden. Das US-Unternehmen verwies zur Begründung auf eine interne Überprüfung, nach der man beschlossen habe, "dass wir Angebote in israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland entfernen sollten, die Kern des Streits zwischen Israelis und Palästinensern sind". Es handele sich um ein umstrittenes Thema und Airbnb wisse, "dass Leute mit dieser Entscheidung nicht einverstanden sein werden", hieß es weiter in San Francisco. 

Rund 400.000 Israelis leben in den unterschiedlich großen Siedlungen im Westjordanland, weitere 200.000 im von Israel besetzten Ostteil Jerusalems. Die internationale Gemeinschaft betrachtet die Siedlungen als illegal und als Haupthindernis für einen Frieden zwischen Israelis und den Palästinensern.

"Konflikte gibt es überall auf der Welt"

Israels Minister für innere Sicherheit, Gilad Erdan, wies darauf hin: "Nationale Konflikte gibt es überall auf der Welt." Die Geschäftsführung von Airbnb werde erklären müssen, weshalb sie gerade die Bürger des Staates Israel auf diese spezielle Weise diskriminiere. Erdan rief Siedler auf, Klagen gegen Airbnb "in Erwägung zu ziehen".

Gilad Erdan (picture-alliance/dpa)

Israels Minister für innere Sicherheit, Gilad Erdan, spricht von Diskriminierung

Tourismusminister Yariv Levin sprach von einer "beschämenden und unglücklichen" Aktion. Sein Ministerium bereite Maßnahmen vor, um die Aktivitäten von Airbnb in Israel einzuschränken. Als Gegenmaßnahme will Levin ein Programm für kurzfristige Vermietungen in den Siedlungen wiederbeleben.

Human Rights Watch begrüßt die Entscheidung

Dagegen nannte der Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch für Israel und die Palästinensergebiete, Omar Schakir, die Entscheidung von Airbnb einen "begrüßenswerten Schritt". "Unternehmen wie Booking.com sollten dem folgen", so Schakir.

Zufrieden zeigte sich auch der ranghohe Palästinenservertreter Sajeb Erakat. Er meinte, es sei "wichtig" für Airbnb, der internationalen Rechtsauffassung zu folgen, wonach Israel "Besatzungsmacht" sei und israelische Siedlungen im Westjordanland und das besetzte Ost-Jerusalem "illegal sind und Kriegsverbrechen darstellen".

Die Palästinenser hatten 2016 gedroht, juristisch gegen Airbnb vorzugehen, weil das Unternehmen Wohnungen in den besetzten Gebieten so präsentiere, als befänden sie sich in Israel. Die Online-Börse kündigte daraufhin an, die Einwände zu prüfen.

se/nob (ap, afp, dpa, rtr)