Ai Weiwei beklagt Zensur bei ″Berlin, I Love You″ | Filme | DW | 19.02.2019
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Zensurvorwurf

Ai Weiwei beklagt Zensur bei "Berlin, I Love You"

Eine Filmsequenz des chinesischen Künstlers in "Berlin, I Love You" wurde aus dem Film entfernt. Ai Weiwei vermutet dahinter politischen Druck aus China. Selbst die Berlinale habe zum Rauswurf der Szene geraten.

Dass die achtminütige autobiographische Episode des chinesischen Dissidenten aus der Endversion des Episodenfilms "Berlin, I Love You" entfernt worden sei, sei eine politische Entscheidung, sind sich Ai Weiwei und die Produzenten des Films einig.

"Sie (die Produzenten, Anmerkung d. Red.) sagten mir, mein politischer Status sei der Grund, dass die Szene mit mir rausgeschnitten wurde", sagte Ai Weiwei der DW-Reporterin Melissa Chan. "Er mache es für das Produktionsteam sonst schwierig, auch weiter Fördergelder zu bekommen."

Er selbst habe erst nach dem Erscheinen des Films gemerkt, dass die Szene fehle. Der Berliner Episodenfilm ist der jüngste  in der Reihe "Cities in Love". Neben der deutschen Hauptstadt wurden auch schon New York, Paris und Rio porträtiert. Einer der Produktionsleiter der Serie plant laut Ai Weiwei eine Fortsetzung in Shanghai.

"Ich kann nur bestätigen - so haben es mir die Produzenten von "Berlin, I Love You" gesagt -, dass @aiww's Behauptung stimmt. Die Szene mit ihm wurde wegen Bedenken herausgeschnitten, dass der Künstler politisch unbequem sei, zukünftige Fördergelder und den Zugang zu China gefährde, inklusive den geplanten Film "Shanghai, I Love You", twitterte DW-Reporterin Chan.

Filmproduzenten bestätigen Ai Weiweis Aussagen

Auch die Berlinale habe Druck ausgeübt, seinen Beitrag zu verhindern, beklagte sich Ai Weiwei weiter im Gespräch mit der DW. "Ich fragte meinen Produzenten. Der sagte mir, die Berlinale hätte den Film nicht akzeptiert, wenn ich ein Teil davon gewesen wäre."

Der Künstler  kritisiert die chinesische Regierung immer wieder heftig. In seiner Heimat stand er vier Jahre unter Hausarrest, bevor er im Juli 2015 endlich das Land verlassen durfte. Er wählte Berlin als neuen Wohnsitz.

Video ansehen 04:17

Ai Weiwei: 'The purpose is to censor every piece of art'

Edda Reiser und Claus Clausen, die Produzenten des Films, bestätigten der DW, dass Ai Weiweis Vorwürfe der Wahrheit entsprächen  - auch  was die Berlinale betreffe. Er habe keine andere Wahl gehabt, als die Szene rauszuschneiden, so Clausen. Mit künstlerischen Differenzen habe das nichts zu tun; im Gegenteil, er habe Ai Weiweis Teilnahme begrüßt: "Wir standen vor der Wahl. Wir wollten die Szene mit Ai auf jeden Fall. Aber am Ende sahen wir uns gezwungen, sie rauszunehmen." 

Die Szene mit Ai Weiwei entstand schon 2015, als eine der ersten des Films "Berlin, I Love You". Damals stand der Künstler noch unter Hausarrest, daher wurde per Videochat gedreht. Seine Teilnahme gab dem Projekt mehr Gewicht, so dass bekannte Regisseure darauf aufmerksam wurden und sich beteiligten.

Berlinale bestreitet Vorwürfe

Gegenüber der DW wollte man bei der Berlinale keinen Kommentar über einen Film abgeben, der bei dem Festival gar nicht gelaufen ist. Die Organisatoren wiesen Ai Weiweis Vorwürfe aber zurück: Es sei keinesfalls ein Kriterium für die Wahl eines Films auf dem Festival, ob Ai Weiwei daran beteiligt sei oder nicht. 

"Berlin, I Love You" ist offenbar nicht der erste Film, der sich Chinas langem Arm beugen muss. Der renommierte chinesische Regisseur Zhang Yimou zog seinen Wettbewerbsbeitrag im Rennen um den Goldenen Bären, "One Second", der zur Zeit von Mao Zedongs Kulturrevolution spielt, 2017 während der laufenden Berlinale zurück - angeblich wegen technischer Probleme. Man geht aber allgemein davon aus, dass China wirkungsvoll Zensur ausgeübt hat.

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