Afrikas neue Lust aufs Fliegen | Afrika | DW | 04.09.2019
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Luftfahrt

Afrikas neue Lust aufs Fliegen

Ist Fliegen in Zeiten des Klimawandels noch ok? In Deutschland tobt darüber eine heiße Debatte. In Afrika fliegen dagegen immer mehr Menschen - und viele Regierungen gründen eigene Fluglinien. Nicht ohne Risiko.

Flugverkehr l Uganda Airline (Getty Images/AFP/N. Bamulanzeki)

Fliegt nicht bis zum Mond, aber zu sieben regionalen Zielen: Ugandas wiederbelebte nationale Fluglinie

Der Himmel in Nairobi war bewölkt, als die Bombardier-Maschine der "Uganda Airlines" landete. Mit ihrem Erstflug hat die nationale Fluglinie Ende August den Betrieb wieder aufgenommen – nach fast zwanzig Jahren Stillstand.

In Uganda ist man mächtig stolz auf dieses nationale Projekt, sagt der Analyst Angelo Izama aus der Hauptstadt Kampala: "Es fühlt sich fast so an, als würden wir mit dieser Fluglinie jemanden auf den Mond schicken, wenn man sich die Reaktionen im Internet anschaut. "

Premierminister Ruhakana Rugunda hofft, dass durch die wiederbelebte Fluglinie mehr Kapital im Land bleibt: Die Ugander gäben 450 Millionen US-Dollar für Flugreisen mit ausländischen Gesellschaften aus, sagte er bei der Feier zum Neustart der Airline.

Mit ihren beiden kleinen Kurzstreckenjets vom Typ Bombardier CRJ-900 fliegt "Uganda Airlines" derzeit sieben regionale Ziele an, im Herbst sollen Flüge ins südliche Afrika dazukommen. Zwei Langstreckenmaschinen vom Typ Airbus A330-Neo sind bereits bestellt. Binnen zwei Jahren will Uganda Airlines schwarze Zahlen schreiben.

Gründungsboom am afrikanischen Himmel

Uganda ist nur ein Beispiel dafür, dass immer mehr afrikanische Regierungen gerade staatliche Fluggesellschaften gründen – ein Boom, ähnlich wie in den 1960er und 1970er Jahren. Damals wurden viele Länder unabhängig - und gründeten teils riesige Staatslinien.

"Malawi Airlines" gehört mittlerweile mehrheitlich der malawischen Regierung. Ghana plant eine neue pan-afrikanische Fluggesellschaft und auch Tansania und Senegal versuchen, ihre Fluglinien wiederzubeleben. Südafrika hält die staatseigene "South African Airways" nur mit großzügigen Geldspritzen am Leben.

Kenya Airways Flughafen Nairobi ARCHIV (picture-alliance/dpa)

Afrika befindet sich im Aufwind: Auf dem Kontinent sollen bis 2036 etwa 274 Millionen Passagiere hinzukommen

Denn viele Passagiere entscheiden sich gegen afrikanische Fluggesellschaften, weil die Preise hoch sind. Izama sagt: "Da muss sich etwas tun, weil Fliegen für viele Menschen noch zu teuer ist. Die meisten, die von Uganda aus fliegen, sind Geschäftsleute. Wenn sogar Kurzstrecken wie ein 50-minütiger Flug von Entebbe nach Nairobi fast 300 Dollar kosten, dann ist das viel Geld. "

Schwierigkeiten für afrikanische Airlines

Für Andrew Wasike, Korrespondent der Deutschen Welle in Kenia, ist es oft einfach umständlich, mit afrikanischen Airlines zu fliegen: "Ein Beispiel, das ich selbst schon erlebt habe: Wenn man von Kenia in ein zentralafrikanisches Land reist, muss man erst nach Westafrika fliegen und dann wieder zurück nach Zentralafrika. Und von Nordafrika aus muss man sogar über einen anderen Kontinent fliegen."

Außerdem erinnert er sich an viele Korruptionsfälle rund um die größte Fluglinie des Landes, "Kenya Airways". Gerade hat das kenianische Parlament beschlossen, die bankrotte Airline zu verstaatlichen, nachdem "Kenya Airways" in den Vorjahren hohe Verluste gemacht hat: "Wenn der Staat nicht eingesprungen wäre, hätten wir unsere Fluggesellschaft verloren - so wie es auch vor einiger Zeit in Nigeria passiert ist."

Einerseits sind die Aussichten fantastisch: Immer mehr Afrikaner heben ab, der afrikanische Markt soll in den nächsten zwanzig Jahren um rund fünf Prozent jährlich wachsen. Laut Schätzungen des internationalen Airline-Verbands IATA werden auf dem Kontinent bis 2036 etwa 274 Millionen Passagiere hinzukommen. Denn Fliegen sei viel sicherer als früher, was aber nur ein Grund sei, sagt Wasike:

"Die Menschen fliegen natürlich für den Tourismus, aber auch, um Bildung oder eine medizinische Behandlung zu bekommen. Und es dreht sich viel ums Geschäft", sagt Wasike. Denn die Wirtschaft in einigen afrikanischen Ländern wächst kräftig.

Viele Plätze bleiben leer

Trotzdem ist Afrika die Region, in der die Flugzeuge am wenigsten ausgelastet sind. Laut IATA waren 2018 bei afrikanischen Fluglinien 71 Prozent der Sitze belegt. Weltweit liegt der Schnitt bei rund 82 Prozent. Während die weltweite Luftfahrt Gewinne einstreicht, sollen afrikanische Fluggesellschaften nach Hochrechnungen der IATA dieses Jahr 100 Millionen Dollar Verluste einfahren.

Dass die afrikanischen Airlines trotz der gestiegenen Flugbereitschaft nicht richtig durchstarten können, liegt zum einen daran, dass die Luftfahrt hoch besteuert wird. Hinzu kommen hohe Treibstoff-Preise und ein fehlender einheitlicher afrikanischer Luftraum.  

Ethiopian Airlines als Erfolgsgeschichte 

Als einzige erfolgreiche afrikanische Staatslinie gilt "Ethiopian Airlines". Sie fliegt über hundert Ziele auf allen fünf Kontinenten an und beförderte 2017 elf Millionen Passagiere. Ihr Erfolg beruht vor allem darauf, dass Äthiopien bereits in den 1970ern bilaterale Verträge mit fast allen afrikanischen Ländern abgeschlossen hat. Das ist notwendig, weil ein Abkommen über einen gemeinsamen Luftraum für ganz Afrika noch kaum Fortschritte gebracht hat. 28 Länder haben es zwar unterzeichnet, aber erst zehn setzen die Vereinbarungen tatsächlich um.

Ugandas damalige Staatslinie war 1977 gestartet. Um die Jahrtausendwende wollte die Regierung sie privatisieren - doch es fand sich kein Käufer. 2001 ging die Airline schließlich pleite. Trotzdem hält der Analyst Izama sie für ein wichtiges Projekt. Auch "Kenya Airways" fliege in die richtige Richtung, findet Wasike. Fortschritte gebe es nicht nur bei der Korruptionsbekämpfung, sondern auch durch neue Maschinen und den Ausbau des Flughafens in Nairobi. Es bleibt abzuwarten, ob sich solche Investitionen auszahlen, oder ob es erneut zu einer Bruchlandung kommt, für die der Staat aufkommen müsste.

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