Afrikas Interesse an der Wahl in Deutschland | Afrika | DW | 16.09.2013
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Afrika

Afrikas Interesse an der Wahl in Deutschland

Würde sich Kanzlerin Angela Merkel in Afrika zur Wahl stellen, hätte sie gute Chancen. Doch es gibt nicht nur Lob für Merkel und die deutsche Bundesregierung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel steht vor einer Afrikakarte (Foto: Tim Brakemeier dpa/lbn)

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht auf einem Afrika-Kongress der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Berlin

Wenn es nach den Mosambikanern ginge, die früher einmal als Vertragsarbeiter in der ehemaligen DDR gearbeitet haben, wäre das Ergebnis der Bundestagwahl klar: Regierungschefin Angela Merkel und ihre Partei CDU würden erneut gewinnen. Die als "Madgermanes" (deutsch: die in Deutschland lebten) bekannten Heimkehrer sind überzeugt, Merkel habe die deutsche Wirtschaft gestärkt und ihr Land durch die Wirren der Finanzkrise gesteuert.

"Unter Merkels Regierung ist Deutschland als größte Wirtschaft Europas weiter an der Spitze geblieben. Auch die internationale Finanzkrise konnte ihr keinen Schaden anrichten", sagt etwa der 47-jährige Händler Arnaldo Mendes. "Wenn ich abstimmen könnte, hätte sie meine Stimme."

Madgermanes-Demonstranten in Mosambik mit deutschen Flaggen (Foto: Ismael Miquidade)

Die "Madgermanes" genannten ehemaligen Vertragsarbeiter ziehen durch Maputo

Auch andere "Madgermanes", die das politische Geschehen in Deutschland aufmerksam verfolgen, sehen Merkel in der Favoritenrolle. Justine Muetse, ein 53-jähriger Elektriker, verbindet mit dem Namen Merkel vor allem eines: "Mir fällt die Sparpolitik ein, auf der sie im Fall von Griechenland, Portugal und anderen Ländern besteht."

Fokus auf der Wirtschaft

Auch in anderen afrikanischen Ländern - das zeigt eine Umfrage der DW-Korrespondenten - beobachten die Menschen vor allem Merkels Wirtschaftspolitik. "Deutschland ist das Land, das die meisten der schwächelnden EU-Mitgliedsstaaten unterstützt", sagt der 29-jährige Jared Amba aus Kenias Hauptstadt Nairobi. Merkel wisse auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu führen. "Im Vergleich zu ihren Vorgängern hat sie es geschafft, Deutschland ins globale Rampenlicht zu rücken", so Amba. Ein Herausforderer, der sie schlagen wolle, müsse vor allem bei Wirtschaftsthemen stark sein.

Und Mbvume Loweli, ebenfalls aus Kenia, ergänzt, dass Merkel versucht habe, den Druck der Eurokrise auf Deutschland zu mindern. "Ihre Energie- und Wirtschaftspolitik ist ziemlich beeindruckend. Die Außenpolitik hingegen war nicht so lebhaft wie zu Gerhard Schröders Zeiten [Kanzler von 1998-2005], der viel reiste und viel über das Weltgeschehen sprach", so Loweli. Merkel dagegen konzentriere sich hauptsächlich darauf, deutsche Arbeitsplätze zu schaffen.

Ein Graffiti in Portugal zeigt Merkel, die als Puppenspieler Portugals Staatschef und Außenminister mit Fäden steuert (Foto: PATRICIA DE MELO MOREIRA/AFP/Getty Images)

Viele Afrikaner loben Merkels Sparkurs - im Gegensatz zu diesem Graffiti aus dem verschuldeten Portugal

Andere wie Rentner Francis Koffi aus der Elfenbeinküste verbinden mit Merkel vor allem ihr energisches Auftreten. "Sie ist eine Powerfrau", so Koffi. Der leitende Verwaltungsangestellte Meité Hamed aus der ivorischen Wirtschaftsmetropole Abidjan sagt, dass er Merkels Namen mit Führung verbinde und Deutschland generell für ein sehr wichtiges Land auf europäischer Ebene halte.

Wenig Präsenz in Afrika

Allerdings hat Merkel bei Weitem nicht bei allen Afrikanern einen solch starken Eindruck hinterlassen - oder sogar gar keinen. "Was sie für mich repräsentiert? Nichts. Sie führt Deutschland, das ist alles", sagt etwa Radioproducer Jean Baptiste Kouadio.

Merkel habe zwar versucht, Deutschland auf internationaler Ebene relevanter zu machen, sagt Chacha Nyaigotti-Chacha, Professor am Institut für Regionale Entwicklung an der Katholischen Universität für das östliche Afrika in Nairobi. "In Bezug auf Afrika habe ich allerdings immer noch keine klare Position der deutschen Regierung erkennen können."

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Studenten in Nairobi (Foto: Michael Kappeler dpa/lbn)

Merkel besuchte Kenia 2011 und traf sich dort auch mit Studenten

"Merkel konzentriert sich zu sehr auf die Europäische Union", kritisiert etwa Journalistin Nelly Moraa aus Nairobi. "Wir hoffen, dass Afrika die gleiche Behandlung bekommt. Wenn wir ein Rettungspaket brauchen, sollte sie uns schnell helfen, anstatt uns Hindernisse in den Weg zu legen - zum Beispiel, dass wir Demokratie und gute Regierungsführung vorweisen müssen, bevor wir Hilfen bekommen."

Andere widersprechen und loben Merkel für Hilfszahlungen. "Merkel, die erste deutsche Kanzlerin, hat vor zwei Jahren Kenia besucht und Hilfszusagen von 140 Millionen Euro für den Sozialsektor gemacht. Das schätzen wir sehr", sagt James Mobat. Bislang sei es den meisten Bürgern wie auch den afrikanischen Regierungen allerdings ziemlich egal, welche Partei bei der Bundestagswahl als Sieger hervorgeht.

Im Vergleich zur Kanzlerin ist Merkels Herausforderer Peer Steinbrück von der Oppositionspartei SPD in Afrika noch viel unbekannter. "Peer Steinbrück? Ach ja, das ist doch dieser Kandidat der Opposition", weiß immerhin Dekorateurin Emília Duvane in Maputo. "Wissen Sie", schiebt sie allerdings hinterher, "eigentlich interessiere ich mich kaum für die deutsche Politik, ich verfolge eher, was in Mosambik passiert."

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