Afrikanische Flüchtlinge gestrandet in Moskau | Europa | DW | 13.07.2018
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Fußball-WM

Afrikanische Flüchtlinge gestrandet in Moskau

Gelockt mit falschen Versprechungen: Schlepper haben mehrere hundert Afrikaner als Fußballfans nach Russland geschleust. Doch das Versprechen auf eine bessere Zukunft erfüllte sich nicht. Von Miodrag Soric, Moskau.

Russland Nigerianer in Moskau | NGO Alternative (DW/M. Soric)

In dieser Umgebung am Rande Moskaus haben die Nigerianer vorübergehend Unterkunft gefunden.

Ein ungewohntes Bild in der Mamonovskaya Straße in Moskau: Rund 60 Afrikaner liegen auf dem Bürgersteig, direkt vor der Botschaft Nigerias. Sie haben keine Rucksäcke, keine Decken, liegen auf einer ausgerollten, blauen Plastikmatte. Es ist 6 Uhr früh und kühl. Einige Nigerianer ziehen sich ihre Kapuzen über den Kopf. Andere stehen langsam auf, strecken sich. Viele sind jung, Anfang 20. Zum Frühstück gibt es Wasser in Plastikflaschen und Schokolade - zur Verfügung gestellt von der russischen Nichtregierungsorganisation "Alternative”. Deren freiwillige Helfer waren in den vergangenen Tagen die einzigen, die das Schicksal von gestrandeten Nigerianern thematisierten.

Nach Schätzung von "Alternative" sind in Russland rund 400 Menschen betroffen, die Hälfte davon in Moskau. Sie kamen legal nach Russland, ohne ein Visum, aber mit einer Fan-ID. Während der WM so einfach nach Russland reisen zu können, war offenbar eine Gelegenheit, die sich nigerianische Schlepper zunutze machten. Sie verkauften an interessierte Landsleute Tickets und versprachen Arbeit, gar eine Karriere als Profi-Fußballer in Russland.

Russland Nigerianer in Moskau | NGO Alternative (DW/M. Soric)

Perspektivlos in Moskau: Flüchtlinge aus Nigeria

Nach der Ankunft der Nigerianer in Moskau erkannten sie schnell, dass sie hereingelegt worden sind. Doch ihnen fehlt das Geld, um irgendwo unterzukommen. Arbeiten dürfen sie nicht. Viele Rückflugtickets sollen, nach Ansicht der Nichtregierungsorganisation, gefälscht sein. Nigerianer, die in den vergangenen Tagen ihre Botschaft um Hilfe baten, wurden abgewiesen oder an "Alternative” weiter verwiesen. "Wir haben für Dutzende Nigerianer die Unterkunft bezahlt, verköstigten sie”, sagt Julia Siluyanowa von "Alternative".

Ratlose Diplomaten

An diesem Donnerstag erreichte die 32-Jährige die Nachricht, dass die Regierung in Lagos ein Flugzeug nach Moskau geschickt habe, um die Gestrandeten nach Hause zu fliegen. Sieben Stunden warteten die Nigerianer sowie die Alternative-Mitarbeiter am Flughafen. Vergebens. Die Moskauer Polizei stellte gegen Mitternacht zwei Busse zur Verfügung und fuhr die Nigerianer zu ihrer Botschaft. Auf dem Bürgersteig vor dem Haupteingang verbrachten sie die Nacht zum Freitag. "Ich möchte nur nach Hause”, sagt ein Mann, der aus Angst vor Repressalien in seiner Heimat seinen Namen nicht nennen möchte. Ein anderer stimmt ihm zu und ergänzt: "Wir sind doch Nigerianer und unsere Regierung müsste uns doch helfen.”

Doch in der früh tat sich lange nichts vor der nigerianischen Botschaft in Moskau. Sie öffnet erst gegen 10 Uhr ihre Tore. Gegen Mittag versprach ein Mitarbeiter der Botschaft, die Landsleute in drei günstigen Moskauer Hostels unterzubringen. Nach Aussage von Alternative hat die Botschaft aber nur die Kosten für zwei Übernachtungen übernommen. Was danach wird, weiß niemand.

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