Afrika will selber Impfstoffe herstellen | Afrika | DW | 02.11.2018
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Afrika

Afrika will selber Impfstoffe herstellen

Impfungen retten Leben, das dafür nötige Serum müssen afrikanische Länder aber fast immer importieren. Einige Regierungen wollen Impfstoffe daher vor Ort produzieren lassen. Doch so einfach ist das nicht.

Afrikas Dilemma wird in zwei Zahlen deutlich: Fast 17 Prozent der Weltbevölkerung leben auf dem Kontinent, der aber weniger als 1 Prozent aller Impfstoffe weltweit produziert. Gleichzeitig geben Afrikas Regierungen jährlich Millionen aus, um sie zu importieren. Immer mehr Politiker meinen: das geht auch anders. "Wir sprechen von einem gigantischen Markt. In Ostafrika allein 178 Millionen Menschen, und wir importieren nicht nur Impfstoffe, sondern alle möglichen pharmazeutischen Produkte", klagt Christophe Bazivamo, stellvertretender Generalsekretär der Ostafrikanischen Gemeinschaft. Dem Staatenbündnis gehören die sechs ostafrikanischen Länder Burundi, Kenia, Ruanda, Südsudan, Tansania und Uganda an.

Sinken bald die Preise?

"Wenn ich von lokaler Impfstoffproduktion spreche, ruft mein Finanzminister 'Halleluja'. Er hofft, dass dann die Preise sinken", sagt William Ampofo. Der Medizinprofessor aus Ghana ist Chef der African Vaccine Manufacturing Initiative (AVMI). Wissenschaftler und Pharmafirmen haben sich in der Lobbygruppe zusammengeschlossen. Ampofo glaubt jedoch nicht, dass die Preise durch lokale Produktion sinken. Zumindest nicht sofort. Schließlich geht es um kleine Mengen, die nicht kostengünstiger hergestellt werden können als die Produkte großer Firmen aus dem Ausland.

Ein Krankenpfleger spritzt Impfstoff in den Oberarm eines Menschen(Getty Images/AFP/J.D. Kannah)

Nicht immer sind benötigte Impfstoffe in Afrika verfügbar

Mit einer simplen Rechnung macht Ampofo klar, warum Afrika trotzdem profitieren könnte. Allein 2014 kauften afrikanische Regierungen Impfstoffe im Wert von fast 900 Millionen US-Dollar für die Grundimmunisierung von Kindern. Bei lokaler Produktion würden aber 30 Prozent der Ausgaben im Land bleiben. "Es ergibt wirtschaftlich Sinn, vor Ort zu produzieren", sagt Ampofo zur DW. "Es entstehen Arbeitsplätze, es findet ein Technologietransfer statt, und man würde einheimische Experten aus dem Ausland zurückholen."

Noch ein anderer Punkt spricht aus Ampofos Sicht für die lokale Produktion. "Nehmen Sie mal Gelbfieber. Letztes Jahr gab es einen Ausbruch, und es gab zu wenig Impfstoff. Das können wir uns in Afrika nicht leisten, wo es immer wieder Ausbrüche gibt", so Ampofo zur DW. Nigeria beispielsweise habe große Mengen Impfstoff aus Brasilien importieren müssen.

Ein Pfleger spritzt einer Frau Impfstoff (Archivbild) (picture-alliance/AP Photo/A. Dulleh)

Lokal produzierte Impfstoffe werden nicht unbedingt billiger sein als Importprodukte

Die Wirtschaft ist interessiert, aber noch lange nicht euphorisch. "Wir können uns vorstellen, Equipment und unser Know-how zur Verfügung zu stellen", sagt Manuel Batz, Afrika-Chef beim deutschen Pharmariesen Merck. Schließlich geht es um einen milliardenschweren Markt.  Im April veranstaltete das German Healthcare Partnership, eine Initiative des Entwicklungsministeriums und des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), den ersten ostafrikanischen "Impfgipfel".

"Es geht um Profit"

Technisch gesehen könnte es schon in zwei Jahren eine Produktion geben, schätzt Batz. Aber vorher müssten zentrale Fragen geklärt werden. "Es geht um Profit", gibt er im DW-Interview zu bedenken. "Jeder Investor braucht ein sicheres Umfeld. Das heißt die Sicherheit, dass die Regierungen die Impfstoffe für einen bestimmten Zeitraum zu einem bestimmten Preis auch kaufen." Doch viele Regierungen geben sich abwartend. Denn arme Länder können Impfstoffe über die internationale Impfallianz GAVI bekommen - zu Niedrigpreisen. Doch das ändert sich, wenn sich die Lebensumstände bessern. Experte Ampofo drängt deswegen auf mehr Tempo: "Es ist ein sehr schwieriger Prozess. Aber wenn wir jetzt nicht anfangen, werden wir in fünf Jahren immer noch hier sitzen und reden."

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